Intel 3 ist jetzt nicht schlecht geworden.
Da sagen die Marktanteile von Epyc und Xeon was anderes.
18A-Produkte waren nie für 2024 angekündigt. Ich sehe da bislang keine Verschiebung. Das einzige Indiz ist mMn, dass 20A nur ein Testnode blieb, und nicht wieder, wie bei Intel 4, auch nach außen getragen wurde. War das mit Intel 4 so super erfolgreich? Naja, es war okay.
Die Intel-4-Generation war in mehreren TDP-Klassen bis 125 W angekündigt. Dem einzig tatsächlich releasten Design mittig im Sweetspot gelang es nicht, gegen zum Zeitpunkt der Marktverfügbarkeit fast ein Jahr alten TSMC-N4-Prozessoren zu punkten. Verglichen mit der Spätphase der ++++-Ära (oder auch in Anbetracht von Bulldozer) muss man das Produkt jetzt nicht als Totalausfall bezeichnen, aber für den Prozess ist "war okay" wohl wirklich das Maximum. Und Bezüglich Verschiebung muss man klar sagen: Intel hat nie einen detaillierten Zeitplan genannt, also konnten sie ihn auch nicht brechen. Aber wer binnen vier Jahren vier weitere Nodes ankündigt, der suggeriert damit zumindest eine andere Taktung als "der nächste folgt nach 2,5 Jahren".
Zumal damals auf Nachfrage von Full Nodes die Rede war und es davon bis heute keinen zweiten gab, den aktuellen Erwartungen nach auch innerhalb des Zeitrahmens nicht mehr geben wird. Vom einem dritten und vierten ganz zu schweigen. Und selbst wenn man sich mit relabelten Verbesserungsschrittchen zufrieden gibt, wird Intel bis Spätsommer diesen Jahres nur Intel 4 und Intel 3 veröffentlicht haben, also gerade einmal die Hälfte der 2021 im Rahmen von "5N4Y" angekündigten Fortschritte gegenüber dem damals gestarteten Intel 7. Soll ich noch einen draufsetzen? Anlass damals war der Alder-Lake-
Desktop-Launch. Dieses Segment wird voraussichtlich erst 2026 eine neue Intel-Fertigung sehen. Also "2N5Y", alles andere als Plan.
(Was BxBender darüber hinaus mit seinem "die letzten 10 Jahre" meint, kann ich allerdings nicht sagen. 2015 bestand Intels Ansage noch aus "wir bauen die besten CPUs, hier habt ihr Skylake", Ende der öffentlichen Planungen. Und bis mindestens 2017, ungeachtet von Preisklassen und Plattformen auch klar bis 2019, haben sie einfach weiter die besten CPUs gebaut. Zwar nicht gemäß Erwartungen, aber ohne öffentliche Roadmaps, die eine so lange Perspektive ermöglichen würden.)
Also die runtergebrochene Roadmap für die einzelnen Prozesse war schon sehr StepByStep:
Beachte das Datum unten links: Diese Roadmap ist eine retrospektive Betrachtung aus dem letzten Jahr. 2021, also drei Jahre vorher, versprach man noch einen Gleichstand bis 2024. Bis dahin war einzig Intel 4 komplett gestartet
Ein Ryzen-Effekt hat nichts mit Fertigung zu tun, sondern mit cleverer Zweitverwertung. (4xZeppelin=Naples und so weiter...) Ich bin aber bei dir, dass Intel einen Ryzen-Effekt braucht. Bislang verwerten sie ihre Chiplets nämlich überhaupt nicht zweit, das ist schlicht sehr dumm.
Der "Ryzen Effekt" bestand überwiegend aus Bulldozer als Kontrasthintergrund und aus Preisgestaltung, genauso wie zuvor der "Conroe Schock": Extrapoliert man AMDs Fortschritte bis einschließlich Phenom 2
ohne die real stattgefundenen Verzögerungen (oder Intels Fortschritte bis einschließlich Northwood), so war Ryzen einfach wieder eine CPU, die keine Fehlentwicklung darstellte (genauso wie Conroe) und das zuvor bestehende Leistungsverhältnis gegenüber der Konkurrenz wiederherstellte. Das hätte normalerweise nur für ein langsames Zurückschwingen der Marktbedeutung auf Vor-Fail-Niveau nach sich gezogen, aber zusätzlich wurden Kampfreise aus der Krisenzeit übernommen (Intel 1:1 die Struktur der letzten Netburst-Generation, obwohl die Leistungssteigerung gegenüber dieser extrem war, AMD grob die Struktur der Phenom 2, obwohl deren Konkurrenzfähigkeit zum späten Release schon mit reduzierten Preisen erkauft worden war).
Chiplet hat damit nur in sofern etwas zu tun, als das AMDs Marktanteil 2017 viel zu weit gefallen war, um abseits des Mainstream-Desktop überhaupt eine Fertigungsstraße auszulasten. Chiplets haben da die Bedienung mehrerer Märkte ermöglicht, für die man sich die Produktion eines getrennten Monolithen nicht hätte leisten können. Aber so weit unten ist Intel noch lange nicht; wenn ich mich richtig erinnere verkaufen sie in Stückzahlen immer noch mehr die Mehrheit der CPUs. Dementsprechend haben sie es auch nicht nötig, die Produktion für mehrere Märkte zu poolen, um die Auslastung zu erholen – ob sie viermal Chip A und einmal Chip B parallel produzieren oder fünfmal einen Chip AB, ändert wenig in Produktion und Entwicklung. Aber wenn die "AB"-Lösung für einen Teil der Märkte schlechter als angepasste As und Bs ist (ich erinnere an die miserable Leistung von Threadripper 1000/2000 in einer Vielzahl der Anwendungsgebiete, die zu 50 Prozent deaktivierten Ryzen 3 1000, die fehlende 1st-gen-Epyc-Skalierung jenseits 64 Kernen pro Node,...), dann sind gezielte Designs die bessere Wahl. Es ist noch keine zwei Jahre her, da hat Intel noch zwei verschiedene Tiles
mit identischem Funktionsumfang für die Xeon-Topmodelle gefertigt, einfach nur weil das Layout mit gespiegelten Chips etwas besser lief. Heute kombinieren sie immerhin schon den immer gleichen SoC-Tile mit verschiedenen Compute- und IGP-Chips, je nach Produkt. (Blöd halt nur, dass sie nichts davon selber fertigen.)
Nvidia und Broadcom werden Intels 18A erst einmal testen.
18A-"Test"-wafer für Broadcom gibt es seit wenigstens einem Jahr. Wenn die immer noch nicht die Reißleine gezogen haben, dann werden sie auf Intel fertigen. Abzuwarten bleibt, wie gut das Ergebnis wird, aber ein so lange andauerndes Commitment bedeutet auch jede Menge Arbeit, die man in Prozess-spezifische Optimierungen investiert hat. Diese wieder wegzuschmeißen und zwar nicht bei Null, aber vielleicht bei 8-von-10 erneut anzufangen ist oftmals teurer (schon allein durch die Verzögerungen), als das ggf. unbefriedigende Ergebniss einfach billiger zu verkaufen und schneller durch einen Nachfolger zu ersetzen. Da sich diese Aspekte mit steigender Chip-Komplexität und -Leistung steigern, kann für die Chips, an welche die meisten hier bei "Nvidia" denken, eine "Test"-Fertigung sogar ganz ausgeschlossen werden. Entweder die Ergebnisse der von Intel selbst demonstrierten Beispiel-Schaltkreise waren gut genug, um eine Geforce, einen KI-Beschleuniger oder eine Server-ARM-CPU für diesen Prozess zu entwickeln, oder sie waren es nicht. Aber man steckt nicht Jahre Entwicklung in ein solches Design, um es dann doch zu TSMC zu tragen und bislang gibt es weder Gerüchte über noch sichtbare Gründe für eine Parallelentwicklung unter Berücksichtigung beider Prozesse. (Wie es Intel offensichtlich mit Arrow Lake und 20A/N3 gemacht hat. Da wurde auch nicht in letzter Minute umgeschwenkt, sondern man hat ein Design komplett gecancellt, das wohl nur aus Firmenstrategischen Gründen überhaupt gestartet worden war.)
Anm.: Nicht auszuschließen ist natürlich, dass Nvidia 18A für Netzwerkkomponenten in Betracht zieht. Da wären Testprodukte denkbar.