Heimkino einrichten

Zum Thema exakte Wiedergabe - das ist der größte Treppenwitz des Hifi! Das Problem dabei, niemand weiß wie die Aufnahme original geklungen hat, erstens weil normalerweise niemand dabei war und zweitens weil es meist das Original gar nicht gibt sondern "nur" ein Produkt verschiedener Takes, Overdubs, Effekten, Entscheidungen des Produzenten usw...

Realistisch ist es daher eine Wiedergabe anzustreben, die sich anhört wie wenn sie so gewesen sein könnte, dazu wird das Ganze durch den persönlichen Geschmack abgestimmt (es soll ja auch gefallen) - mit Original hat das nix zu tun.

Wir reden hier von einem Heimkino und damit von Filmen. Der Sound wird hier von einem Stereomikrofon aufgenommen das in der Kamera sitzt und eben auf das Stereodreieck optimiert ist. Oft oder sogar meist ist das auch nicht der Fall aber dann sollte der Sound so hingebogen werden das er sich so anhört als ob. Und zwar nicht erst bei der Wiedergabe.

Es kann natürlich vorkommen das nicht oder nicht ordentlich gemacht wurde und kommt sicher auch oft vor aber das Auszubügeln halte ich nicht für sinnvoll, an irgend einem Standard muss man sich ja orientieren.
 
Es gibt da nix auszubügeln, es gibt Abstrahlverhalten und Raumakustik. Die 60° kommen da nicht vor - zumindest nicht als Naturkonstante.
 
Man muss davon ausgehen das man sich in einem quasi akustisch idealen Raum befindet dessen Wände jeden Schall komplett (oder wenigstens sehr gut) schlucken. Ansonsten ist jede Optimierung von vornherein "Voodoo" und eine perfekte Lösung ist unerreichbar.
 
Eigenartige Einstellung zumal ein Raum wie von dir beschrieben weder außerhalb eines Akustiklabors (in dem ganz andere Sachen gemacht werden) existent ist noch wünschenswert für Kino oder Musik.

Angestrebt werden ganz andere Eigenschaften und zudem muss eine Anlage im realen Leben in realen Räumen funktionieren nicht im Labor. Es hat auch nicht jeder die Möglichkeit sich wie ich einen Raum so bauen zu lassen das er akustisch gut funktioniert sondern muss mit komisch geschnittenen Räumen leben.
 
Es stimmt das ein akustisch idealer Raum in der Praxis mit einem Stereosystem noch immer nicht ideal ist. aber dafür gibt es ja Systeme mit mehr als zwei Lautsprechern.

Ein akustisch idealer Raum ist nur schwer erreichbar aber man kann sich dem Ziel ja annähern- möglichst schallabsorbierende Wände, Decke und Boden, möglichst auf Möbel verzichten und wenn sollten auch diese akustisch möglichst absorbierend oder Transparent sein. Selbst die Leinwand sollte im Idealfall akustisch absorbieren oder transparent sein. Das ist freilich praktisch nur in einem dezidierten Heimkinoraum der für nichts anderes verwendet wird sinnvoll umsetzbar.
 
Das Ziel ist nie möglichst schallabsorbierende Wände zu haben, sondern ein bestimmtes frequenzabhängiges Nachhallzeitverhalten eines Raums zu erreichen. Die Nachhallzeiten mögen im optimalen Heimkino anders aussehen wie im Hifistudio, aber nicht gravierend. Ein schalltoter Raum ist jedenfalls auch fürs Heimkino Mist. Darin fühlt man sich schlicht nicht wohl (jeder der schonmal in so nem Raum war kann das bestätigen) - in nem Kino eher suboptimal.
 
Das gesamte akustische Verhalten eines Heimkinoraumes soll möglichst kontrollierbar bleiben. Das ist am einfachsten, der Fall wenn es keine Nachhalleffekte gibt, Schall nur von den Lautsprechern ausgeht und an den Wänden verschwindet. Raumklang soll nicht durch Reflexionen erreicht werden sondern durch den Einsatz einer entsprechenden Anzahl von Lautsprechern (genau gesagt: möglichst viele. 5.1, besser 7.1, Quellmaterial für mehr gibt es kaum aber 11.2 ist ja auch schon standardisiert) und geeignete Ansteuerung. Das man sich in einem schalltoten Raum nicht wohl fühlt ist hier nicht relevant denn wenn das System aktiv ist ist der Raum ja nicht schalltot und das ist ja auch der Sinn des ganzen. Ein Heimkino ist kein Wohnzimmer und nur als solches zu benutzen.

Gibt es in einem Raum Nachhalleffekte ist es fast unmöglich bestimmte akustische Gegebenheiten zu simulieren, etwa eine große freie Fläche mit einer mehr oder weniger punktförmigen Schallquelle (Extremfall: leere Wüste, irgend jemand ruft etwas o.Ä.- der Ton kommt genau aus einer Richtung und wird nirgendwo reflektiert). Derartige Szenarien (wenn auch meist nicht ganz so krass) kommen in Filmen nicht selten vor.

Jedes System das mit Reflexionen arbeitet und insbesondere überhaupt jedes Stereo System ist prinzipiell immer ein suboptimaler Kompromiss. Die Optimierung eines solchen Systems ist , sowohl in der Theorie als auch in der Praxis, schwierig da hier sehr viele Parameter relevant sind (Geometrie des Raumes inklusive Einrichtung, akustisches Verhalten der Materialien der Wände und Möbel, Lautsprecherposition und Ausrichtung, Sitzposition, Balance-Enstellung der Lautsprecher zueinander und Equalizer, küntliche Asynchronität zwischen den Lautsprechern) und auch dann ist kaum je ein Optimum erreichbar obwohl es sicherlich einen Großen Spielraum zwischen guten und weniger guten Lösungen gibt, insbesondere auch mit gegebenen Lautsprechern. Dieses Optimum ist aber schwer ermitteln und zu erreichen, allgemein gültige Regeln gibt es hier tatsächlich nicht. Für eine Optimierung sind Computergestützte raumakustische Simulationen mit Raytracing und/oder FEM nötig oder stundenlanges Probieren und das alles ohne je die Qualität eines ordentlichen Raumklangsystems in einem Raum mit absorbierenden Wänden erreichen zu können. Insbesondere letzteres macht die Sache irgendwie frustrierend.
 
Zuletzt bearbeitet:
Ein Raum ohne Nachhalleffekte ist aber nunmal nicht umsetzbar. Wenn man sich Akustiklabors ansieht bei denen das weitgehend erreicht wurd, dann sieht man auch, dass sowas weder wünschenswert noch machbar ist in einem Heimkino. Wer will schon meterdickes Dämmmaterial aus Spezialschaum an der Wand, Boden und Decke haben.

Nicht nur deswegen gibt es eben die definierten Nachhallzeiten für diverse Räume, abhängig von der Nutzung - z.B. auch für professionelle Aufnahmestudios, Kinos und Konzertsälen. Wenn man es schafft seinen Raum halbwegs so abzustimmen, dann hat man zum Einen auch schon recht viel Aufwand und zum Anderen ein quasi perfektes Ergebnis (wenn man in der Lage ist seine Anlage richtig ein- und aufzustellen -> <20% der Leute).

Im übrigen sind viele der von dir oben genannten Parameter universell gültig, egal ob stereo oder Surround (die LS Technik ist ja dieselbe), ob schalltoter oder schallharter Raum. Das Abstrahlverhalten der LS inklusive deren Ausrichtung z.B. ist generell immer zu beachten wenn man ein ordentliches Ergebnis will.
 
Man sollte, wenn man ein "Reflexionsarmes" System anstrebt selbst verständlich Lautsprecher verwenden die nur nach vorne abstrahlen und diese auf den Sitzplatz ausrichten.

Zumindest im mittel- und hochfrequenten Bereich ist ein Raum der so reflexionsarm ist das die Reflexionen kaum oder nicht mehr berücksichtigt werden müssen durchaus im Rahmen eines (Heim)kinos erreichbar und, davon bin ich überzeugt, anstrebenswert. Im niederfrequenten/Bass Bereich ist das nicht mehr so einfach aber das ist auch nicht so schlimm denn da kann man Schall sowieso nicht so gut orten.

Ein Aufnahmestudio oder ein Konzertsaal ist hier nicht unmittelbar ein Vorbild da Raumklang in Filmen (oder auch Spielen) eine Anwendung ist die deutlich andere Anforderungen stellt als die Musikwiedergabe, insbesondere die Stereo-Musikwiedergabe.
 
Man sollte, wenn man ein "Reflexionsarmes" System anstrebt selbst verständlich Lautsprecher verwenden die nur nach vorne abstrahlen und diese auf den Sitzplatz ausrichten.

Ich muss dich enttäuschen, solche Boxen gibt es nicht. Am ehesten noch Hörner oder Schallzeilen, beides in Heimkinos eher unüblich.

Ein Aufnahmestudio oder ein Konzertsaal ist hier nicht unmittelbar ein Vorbild da Raumklang in Filmen (oder auch Spielen) eine Anwendung ist die deutlich andere Anforderungen stellt als die Musikwiedergabe, insbesondere die Stereo-Musikwiedergabe.

Das hat niemand als Vorbild genannt, allerdings sind die Anforderungen in der Tat gar nicht so sehr verschieden wie du es hier glauben machen möchtest (Nachhallzeit und Reflexionen werden sich ein wenig unterschieden, die Boxen funktionieren aber nun mal nach dem gleichen Prinzip mit den gleichen Stärken und Schwächen). Die Physik ist immer die gleiche und die Unterschiede der Anforderungen werfen die nicht aus der Bahn.
 
Ich muss dich enttäuschen, solche Boxen gibt es nicht. Am ehesten noch Hörner oder Schallzeilen, beides in Heimkinos eher unüblich.

Auch wenn ein Lautsprecher einen wesentlichen Teil auch nach hinten bzw. zur Seite abstrahlt ist das zwar suboptimal aber nicht wirklich schlimm wenn ein Großteil dieses Schalls wieder absorbiert wird.

Das hat niemand als Vorbild genannt, allerdings sind die Anforderungen in der Tat gar nicht so sehr verschieden wie du es hier glauben machen möchtest (Nachhallzeit und Reflexionen werden sich ein wenig unterschieden, die Boxen funktionieren aber nun mal nach dem gleichen Prinzip mit den gleichen Stärken und Schwächen). Die Physik ist immer die gleiche und die Unterschiede der Anforderungen werfen die nicht aus der Bahn.

Bei der Stereo-Musikwiedergabe ist Ortung prinzipiell weniger wichtig und möglich.
 
Auch wenn ein Lautsprecher einen wesentlichen Teil auch nach hinten bzw. zur Seite abstrahlt ist das zwar suboptimal aber nicht wirklich schlimm wenn ein Großteil dieses Schalls wieder absorbiert wird.

Wieder falsch! Gerade der Teil der rundum abgestrahlt wird (und zwar von >>90% der Boxen am Markt), nämlich vom Grundton an abwärts (wo es genau beginnt hängt u.a. von der Größe der abtrahlenden Fläche ab) kann in einem Zimmer nicht absorbiert werden. Dafür bräuchte man meterdicke Absorbtionsschichten.

Bei der Stereo-Musikwiedergabe ist Ortung prinzipiell weniger wichtig und möglich.

Du hast offensichtlich noch nie eine gute Stereoanlage gehört! Die Ortung ist da nämlich frappierend und ebenso mehrdimensional wie bei einem Heimkino - ob das einem wichtig ist oder nicht ist Geschmackssache, ich kenne Leute für die ist genau das der Reiz beim Musikhören. Der Hauptunterschied ist, dass das Geschehen vor dem Hörer stattfindet anstatt um ihn herum. Erst wenn die 3. Dimension hinzukommt (was ja auch bei 99% aller Heimkinos nicht der Fall ist und den allermeisten erhältlichen Filmen auch nicht) gibt es einen echten Ortungsvorteil. Stereo ist ansonsten ebenso 2D wie die handelsüblichen Surroundformate.
 
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