Wir haben es doch in den Nachkriegsjahren auch geschafft, das Kriegsbeil der ewigen Blutrache zu begraben.
Das hätte man man auch 100 Jahre eher machen können, oder? Man wollte aber nicht. Stattdessen stilisierte
man vor dem ersten Weltkrieg einen ewigen Feind zum "Erbfeind". Und das Volk schrie "Hurra"
Außerdem ging es den Nazi nicht um einen Krieg gegen den Westen. Die hätten vermutlich England und Frankreich
in Ruhe gelassen. Es ging nur ein einen mörderischen Vernichtungskrieg gen Osten auf Basis von rassistischem Mist.
Genau demselben Mist, den wir heute wieder hören. Etwas anders, aber im Grunde ähnlich. Die Lösung lag damals
wie heute nicht in Abgrenzung und Mauern, in Kriegen und Zöllen, sondern im gemeinsamen Handeln.
Du unterschätzt das mit Frankreich gewaltig! Das war historisch manifestiert oder glaubst du wirklich, der "Süden" und Sachsen sind Bismarck gerne mit Hurra gefolgt?
Der wußte schon sehr genau welche Knöpfe er drücken musste und gegen Frankreich, standen ALLE wie ein Mann hinter ihm und Preußen und es war der letzte Schubs zur Vereinigung unter Vorherrschaft Preußens.
Sie es mal so, die Franzosen haben Gift und Galle gespuckt nach 1871, weil da war nichts mehr mit Grand Nation in Europa, der mächtigste Koloss in der Mitte hieß jetzt Deutschland. Während es bei den Franzosen um ihre Selbstsicht ging und das sie auf dem Kontinent über Jahrhunderte der bestimmende Faktor waren, was schlagartig vorbei war, ging es dann ab 1890/1900 bei den Engländern eigentlich ausschließlich um die wirtschaftliche Macht.
Trinke mal mit Engländern und Franzosen so richtig einen über den Durst, du wirst merken wieviele von denen die Gründung des Kaiserreiches 1871 als Grundübel überhaupt sehen, viele hätten sich gewünscht das Versaille praktisch den Wiener Kongress wiederholt, weil der Koloss Deutschland 1871 einfach, das Selbstbildnis dieser Staaten zerstörte oder in Zweifel zog.
Als Deutscher sieht man das natürlich völlig anders, formuliert das allerdings vorsichtiger, wobei ich hier zwischen Kaiserreich und 3. Reich massiv trenne, genauso wie zwischen WWI und WWII es gab eben keinen direkten Weg von 1871 nach Auschwitz und 1945. Als Fazit wird m.M. nach das Kaiserreich teilweise heute viel zu schlecht dargestellt, und/oder für eine Sonderwegstheorie und eine Erkläung für das 3. Reich mißbraucht.
Das Kaiserreich hatte teilweise sehr gute Ansätze (BGB, StGB, Zvil und Strafprozessordnung), allgemeines Wahlrecht ab 25 (ich weiß nur für Männer, ist aber ein anderes Thema) und gleichzeitig genauso wie andere Staaten schlechte Ansätze. In der Gesamtschau schneidet aber m.M. nach das Kaiserreich im Vergleich zu allen anderen Großmächten seiner Zeit, nicht schlechter ab, es gab halt ein gemischtes Bild mit Positiven und Negativen. Auch sollte man bei allem Negativen über Preußen nicht vergessen, was die preussischen Reformer, an gesellschaftlicher Moderne durchgestzt haben, m.M. nach wird das auch zu oft unter den Teppisch gekehrt.
Das wirklich schwarze Kapitel unserer Vergangenheit ist 1933-1945, auch wenn man das immer irgendwie soziopolitisch bei den Historikern anders einordnen will, noch 1932 hätte das anders laufen können, zumindestens bin ich der Meinung, dass es mit einem lebenden Stresemann und Ebert auf gar keinen Fall dazu gekommen wäre. Das kann man aber diskutieren.