AHHHHH
Wollte, da muss WOLLTE stehen. Schreib ich eigentlich in Suaheli, oder was.
Nö, aber weder bin ich verpflichtet deine Meinungen zu übernehmen noch schließt ein "nicht wollen" ein "nicht können" aus. Und die USA hätten definitiv nie die minutiöse Kontrolle über ganz Afghanistan ausüben können, die nötig gewesen wäre, um sämtliche Kampfaktionen der Bevölkerung zu unterdrücken. Das hat, mit wesentlich größerem Einsatz, in Vietnam nicht funktioniert, das funktioniert seit über einem halben Jahrhundert zwischen Israel und Palästina nicht, die Nazis sind Frankreich grandios gescheitert und das bekommt nicht einmal China in sämtlichen beanspruchten Provinzen hin. Ich glaube, die Kolumbianer haben die Farc auch nicht nur zum Spaß mit Wattebällchen beworfen.
Und die WOLLTEN/wollen die Kontrolle definitiv alle um jeden Preis.
Some 2,400 US troops have been killed since the US invaded Afghanistan in 2001 to pursue the Taliban.
www.aljazeera.com
Ich suche wie blöd, aber anscheinend gibts keine bessere Quelle.
Und hier wird meine Kritik deutlich. Man ist mit minimalem Ansatz rein und hat diesen massiv hochgeschraubt nachdem die Taliban an Stärke gewonnen hatten.
Als man rein ist, haben die Taliban circa 80% der Landesfläche regiert. Gegenüber diesem Niveau haben sie nie an Stärke gewonnen. Massiv hochgeschraubt hat man, als der militärische Vormarsch nach "Befreiung" eines ansehnlichen Teils des Landes ins stocken geriet und zunehmend offensichtlicher wurde, dass der Feind in diesen "befreiten" Gebieten weiterhin fleißig aktiv und eine große Gefahr ist.
Das Problem ist dabei, man wird bei einer Insurgency nicht out-fought, man wird out-governed (
https://www.jstor.org/stable/resrep11635?seq=15#metadata_info_tab_contents Wer Bock drauf hat.)
D.h. zum Zeitpunkt an dem die Taliban den Kampf suchen haben diese in weiten Teilen des Landes bereits eine Parallelverwaltung installiert welche von der Bevölkerung - teils freiwillig, teils nicht ganz aus freiem Willen - akzeptiert wird. Und da liegt das Problem. Man hätte von Beginn an in die Fläche gehen müssen, von Beginn an Landesweite Präsenz zeigen und genau diese Entwicklung verhindern.
Und das ist der Punkt. Wenn ich dazu nicht bereit oder in der Lage bin, dann sollte ich die Finger davon lassen. Ja, ist einfach das 19 Jahre später zu schreiben, ich weiß. Nur, 2 Jahre später haben die USA den Fehler auf ähnliche Weise wiederholt und da kam die Kritik im Vorfeld aus dem Pentagon.
Nicht 19 Jahre zu spät. 26 Jahre zu spät, denn da haben die Taliban mit der Kontrollübernahmen begonnen. 1996 haben sie ihr Kalifat ausgerufen und die genannten Strukturen etabliert gehabt. Aber das war den USA halt egal beziehungsweise da war es erst wenige Jahre her, dass man sich der gleichen Leute als Ersatzarmee gegen die Sowjets bedient hatte. Als man dann 2001 überrascht feststellte, dass das weder gute Freunde noch willige Befehlsempfänger waren, hat man den zweiten Fehler begangen und einen Krieg gegen den Staat der Taliban geführt, ohne zu realisieren, dass deren Kämpen 10 Jahre nach Abzug der Sowjets keineswegs vergessen hatten, wie man einem technisch überlegenen Gegner mit Guerillataktiken das Leben schwer macht, jetzt aber auch noch den Rückhalt und die (verdeckte) Infrastruktur einer seit 5 Jahren herrschenden Gruppierung im Rücken hatten.
Aber wie eingangs geschrieben: Für so einen Kampf hat bislang NIEMAND ein funktionierendes Konzept vorgelegt. Gegen kleine Untergrundgruppen kann man mit polizeilichen und geheimdienstlichen Mitteln etwas erreichen (siehe z.B. RAF), aber dazu muss man von einem großen Teil der Bevölkerung unterstützt werden und der Rest muss zumindest genug Verlustängste haben, dass er lieber Abstand hält. In Afghanistan wird man als sich extern einmischender aber auch noch die nächsten 50 Jahre immer als Gegner wahrgenommen werden und umgekehrt haben die Taliban, soweit man weiß, in weiten Teilen des Landes einen Rückhalt, auf den der IS und selbst die PLO neidisch wären und vielleicht sogar die Hisbollah. Und Verlustängste sind in einem Land, in dem die meisten sowieso schon alles verloren haben, auch nichts, womit man arbeiten kann.
Haben die USA sowohl in Afg als auch im Irak falsch gemacht - im Irak noch stärker als in Afghanistan, weil andere Vorzeichen / Ziele.
Im Irak war das Ziel, wie gesagt, der Sturz Husseins. Ich verstehe bis heute nicht so ganz, wieso man da so vehement hinterher war (vielleicht um von Afghanistan abzulenken), aber in der Hinsicht war man erfolgreich und die folgenden wirtschaftlichen Interventionen scheinen unterm Strich auch kein volkswirtschaftliches Verlustkonzept, sondern schlimmstenfalls nicht mehr als eine funktionale ABM- und Subventionsmaßnahme gewesen sein. Selbst der resultierende Ärger rund um den IS hat den USA eigentlich nicht geschadet. Von daher: Ja, andere Ziele. Insbesondere waren politische Stabilisierung der Region, Verbesserung der Lebensbedingungen, Schonung der Iraker oder Mehrung der US-Sympathien im mittleren Osten KEIN Ziel des dritten Irakkrieges. Somit kann man die gewählten Methoden auch nicht als strategisch "falsch" bezeichnen, weil man all das nicht erreicht hat. Das wäre so wie einem SQ7-Fahrer Scheitern vorzuwerfen, weil er mehr als 25 Liter zwischen Frankfurt und Hamburg verfahren hat.
Afghanistan hat eine gemischtere Bilanz - in Sachen verbreiten von Angst unter nicht-freundlichen Regierungen weltweit hat man sicherlich trotz des schlussendlich nicht gewonnen Krieges einen Großteil der ursprünglichen Ziele erreicht und selbst Al Quaida wurde spürbar geschwächt, wenn auch nur zugunsten anderer Islamisten. Ich glaube nicht, dass sich Bush & Co heute anders entscheiden würden. Beim später halbherzig nachgereichten und erst unter Obama wirklich ernst genommenen Ziel, einen demokratischen Staat in Afghanistan zu ermöglichen, haben sich dagegen alle so richtig auf die Fresse gelegt.
Ich wäre dafür, sich komplett aus Afghanistan zurückzuziehen,
jedliche finanzielle Mittel zu streichen ...
... und 10 Jahre abwarten.
Das haben die USA (und Russland auch) in den 90er gemacht. Aber die Islamisten nicht und die würden auch jetzt nicht mitmachen, sodass das Ergebnis vermutlich nicht besser ausfallen würde.