Zentralisiertes Streaming klingt immer billig für den Hersteller, bis man die Kosten wirklich bedenkt und auch nur ansatzweise durchrechnet.
In diesem Moment wird die Top 10 der Steam Titel von 2 Millionen Spielern. Angenommen wir wollten nur diese Spieler umstellen. Das ist ja nur ein Teil vom Markt sollte man bedenken. Eines vorweg, die reine Größe des Bauwerks ist kein Problem, unsere Nutzfläche wird ca. 300.000m² sein, später dazu mehr.
Eine 3080 braucht 320W, rechnen wir etwas CPU RAM, etc im Rechenzentrum dazu wären wir bei einem Fußabdruck von 400W pro Kunde am Standort des Serverzentrums. Ich weiß, die Thematik Stromverbrauch der Klimaanlage und Kosten der USV blende ich hier mal aus. Wer will kann ja draufschlagen, Spoiler, das Bauprojekt ist jetzt schon nicht zu retten.
400W ist der gleiche Fußabdruck an Energie den die 2 Millionen Spieler jeder an ihrem PC haben, aber der wesentliche Unterschied ist, dass unser Stromnetz dafür gebaut wurde die Energie derart breit in der Landschaft zu verteilen. Nvidia muss keine Stromkabel zum User ziehen. Die sind alle bereit. Der Ort an dem die ganzen GPUs zentral stehen, naja, der ist nicht bereit, das kommt zu den Anschaffungskosten hinzu.
Würden wir den Stromverbrauch an einem Ort haben wollen, kommen neben den Kosten noch ganz andere Probleme auf uns zu. Bei einem Dienst für 2,2 Millionen Spielern gleichzeitig, wäre das ein Verbrauch von schlanken 800.000kW/h an einem Ort. Kein Problem so eine moderne Stromtrasse schafft auch das doppelte, aber das ist die Art von Stromtrasse gegen die Anwohner Sturm laufen. Ich würde also davon ausgehen, dass bei der Wahl des Standorts die direkte Nähe zu einem Kraftwerk essentiell ist, um nicht zu sagen, es wäre besser man hätte sein eigenes. Wir bauen gerade ein Rechenzentrum mit dem Verbrauch einer Millionenstadt um gleichzeitig 2,2 Millionen Spieler zu bedienen, Tag und Nacht. AKW schlecht, Kohle ganz schlecht, Solar nicht so gut bei Nacht, klingt für mich wie ca. 1000 Windräder mehr im Watt und Emden als Standort, wenn man sich Öko auf die Fahne schreiben will. Wer will kann das Ding auch nach Fessenheim stellen, von den zwei Reaktoren dort würden wir einen ganzen benötigen.
Jetzt brauchen wir Internet vor Ort. 2 Millionen Leute die mit 35 Mbit streamen macht einen Output von 68.360 Gigabit pro Sekunde, oder 66 Terabit pro Sekunde. Zum Vergleich, der größte Internetknoten der Welt das DeCix hat ein
ZEHNTEL davon. (Hier deren eigene Statistik zum Vergleich:
https://www.de-cix.net/en/locations/frankfurt/statistics). Sollten wir die Hürde der lokalen Strom-Erzeugung also meistern, haben wir eine unüberwindliche Hürde bei der Verteilung der Streams im Netz.
Ein paar User werden jetzt schreiben, aber bei Youtube und Netflix geht das mit größeren Datenmengen doch auch. Aber hier sein angemerkt, dass Twitch, Youtube und Netflix nicht für jeden Zuschauer individuell sind wie bei einem Game-Stream. Weil der Netflix/Twitch/YT Stream immer gleich ist kann der im Netz dedupliziert werden und so Bandbreite gespart werden.
Das ist typischerweise der Zeitpunkt an dem man den Traum von einem zentralen Ort an dem Nvidia Karten für Millionen von Benutzern stehen beerdigt.
Also könnte die PCGH mal spaßeshalber bei E-Shelter anrufen und fragen wieviel 400W PCs die denn so bei sich unterkriegen würden. Folgefrage nach der Datenrate von 35Mbit Dauerlast pro PC. Serverzentren befassen sich nicht in Kenngrößen wie 500.000 Server mit je 4x3080, die geben an wieviel Leistungsdichte die pro Quadratmeter haben. Damit ist effektiv gemeint dass da ein 48U Rack (mit ca. 1m² Grundfläche) steht und einen 3,5 kW/h Anschluss hat mit Redundanz.
E-Shelter hat eine Leistungsdichte von 3kW/m², das ist also eine durchaus hocheffiziente Veranstaltung. Wir wissen ja welchen Strom wir verbrauchen werden, daher kennen wir die Fläche die wir anmieten müssten. Also so knapp 270.000m². Soviel Fläche haben nicht einmal die. Man darf also das nächste Rechenzentrum anrufen und das nächste und das nächste, bis man die 2 Millionen PCs (eigentlich sind es ja "nur 500.000 Server) untergebracht hat.
Man darf wirklich nicht fragen was es braucht um 500.000 Server mit 4U Höhe zu verbauen. Denn dann kommt man auf eine viel kleinere Zahl. Aber der springende Punkt ist wirklich, dass 16 Server von HP mit jeweils zwei Epyc CPUs (Bauhöhe 2U) in einem Rack gerade so möglich sind, wohingegen 8 Nvidia Server mit 4U bedeuten, dass da 32x die 3080 in einem Rack steckt und das ist deutlich oberhalb der Spezifikation die Serverzentren für so ein Rack ausweisen. Bitte bedenken, wir wollen ja nicht die eine Ecke von denen mieten die für Compute-Application Server ausgestattet ist, wir wollen riesiege Mengen Fläche von denen haben die absolut gar nicht auf die Energiedichte ausgelegt sind die soe ein Nvidia Cluster ausspuckt. Deswegen sagen die ja, rechne mal mit 3kW/h pro m².
Nachdem wir dann jeden abtelefoniert haben und die Fläche bereitsteht, hat man erfolgreich seine Hardware so breit in der Landschaft und auf Rechenzentren verteilt, dass es ein Albtraum bei der Wartung ist. Immerhin, man muss keine Windräder in den Ozean stellen und die Datenrate ranschaffen, das Problem löst sich, jetzt kommt's, mit der Verteilung der benötigten Rechenkapazität auf eine große Fläche. An dem Punkt könnte man sagen, was ist wenn wir noch mehr dezentralisieren und die GPUs am Einsatzort stehen, wäre das nicht am allerbesten?
Hier ist ein verrückter Gedanke. Das mit den GPUs am Einsatzort machen wir so, weil das ist garantiert nachhaltiger, als eine neue Generation von idiotisch überdimensionierten Rechenzentren für Gaming zu bauen.