Im Bewusstsein der Reaktionen folgender Einwurf: Ich finde den Hass auf Vodafone in der Sache nicht gerechtfertigt.
Folgende Denkanstöße
1. Hier wird eine Vertragsbedingung durchgesetzt, die jedem Nutzer vor Vertragsabschluss bekannt war. Wer kann ernsthaft darauf pochen, einen Vertrag dauerhaft einseitig nicht einzuhalten?
Sollte auch Steam betroffen sein, geht das nicht und muss korrigiert werden. Als VF wäre ich aber auch damit vorsichtig. Ihr erinnert euch vielleicht an den Shitstorm wegen der dafür nötigen Technik (Deep Package Inspection)? Ohne solche Technik wird es mit der exakt vertragsgemäßen Priorisierung von Diensten allerdings schwierig.
2. Die Speed-Verluste in bestimmten Ballungsräumen sind real und für Normalnutzer extrem ärgerlich. Ich hatte selbst mal eine solche Wohnung und konnte meine 100 Mbit Leitung (da noch richtig teuer) abends nicht vernünftig nutzen. D
a habe ich wegen der Power-User nicht die bezahlte und fair genutzte Leistung bekommen. Und ja - Normalnutzer und Power-User sind verschiedene Kategorien. Der durchschnittliche Traffic im Monat (!) liegt bei gut 30 GB (
• Breitband - Durchschnittliches Datenvolumen pro Anschluss bis 2015 | Statistik). Weit entfernt von den 300 GB (o2) oder 30x10 GB (VF). Warum soll der überwiegende Anteil Normalnutzer die Power-User subventionieren und in Sachen Speed leiden?
3. "Jaa, aber die Konkurrenz zu den Normalnutzern kommt ja nur durch mangelnden Ausbau zustande." Das stimmt! Ist aber ein reines Versäumnis der Politik. Alle Telcos müssen wirtschaftlich unter gegebenen Rahmenbedingungen arbeiten, die die Politik geschaffen hat. Dazu gehört, dass es bürokratisch/rechtlich/wirtschaftlich unmöglich ist, ein eigenes Festnetz aufzubauen. Im Kabelnetz hat die Politik eine gebietsweise Monopolisierung herbeigeführt, im übrigen Festnetz eine Vormacht der Telekom. Warum gibt es keine Konsortien unter Aufsicht der Bundesnetzagentur, die flächendeckend Glasfaser verlegen und bei denen sich - auch post hoc - eine Vielzahl an Anbietern einkaufen können? Chance versäumt. Bei FTTH werden einfach die Fehler der Vergangenheit wiederholt.
Was können Vodafone und andere dafür?
4. Beim Vergleich mit dem Ausland muss eben auch die dortige Politik, Kaufkraft etc. berücksichtigen. In der hochgelobten Schweiz bekommt man unter politisch-wirtschaftlich günstigeren Bedingungen fast überall schnelles Internet. Landesweit verfügbar wäre z. B. Sunrise, 65 CHF (60 €) für die 100 Mbit-Leitung. Ach so, lieber Swisscom? 79,- CHF für 50/10 Mbit. Jeweils ohne TV. Was zahlt ihr für eure KD/Unitymedia-Pakete?
Fazit: Ich bin für eine andere Politik (!) beim Breitbandausbau. Bis es soweit ist, handelt VF richtig, da nur bestehende Ressourcen verteilt werden können. Wie wäre es mit einer Tarifstruktur: Eine Fair-Use-Flat etwas günstiger als derzeit. Und ein "wirklich" unlimitierter Tarif für Power-User, der sich preislich an den Geschäftkundentarifen orientiert. Ach so, zu teuer?