Thema Fahrzeugfertigung
0 mal. Aber ich lerne gerne dazu und als ich das letzte Mal (auch nur indirekten) Einblick in Lieferketten für Automobilhersteller hatte, wurden Innenausstattung und Antriebsstrang eben nicht als Paket geliefert.
Ich behaupte mal, niemand versteht heute noch die Fahrzeuglogistik in Gänze. Es sind funktionierende Systeme, die so komplex sind, dass sie kaum zu simulieren sind. Es beginnt schon damit, dass, nehme ich mal das Beispiel VW, die Autohersteller keine stimmigen Stücklisten zu ihren Fahrzeugen haben, weil sie gar nicht wissen, was Zulieferer im Einzelben verbauen und so bedeutende Fragen wie das Gewicht eines Bauteil sehr oft unstimmt ist. Es gibt CAD Gewichte, Gewichte der Erstmusterbauteil und Gewichte der Serienbauteile, die merkwürdigerweise schnell mal um 10% differieren. Dann gibt es Klimamodule mit Wärmeabstallfolie ud ohne, trotz gleicher Teilenummer, etc. Das nur als Beispiel und die Unschärfe im Wissen. Die Komplexität aus tausenden con Bauteilen ein Auto herzustellen ist riesig. Ich kenne beide Seiten, den OEM und die Zulieferer aus vielen Projekten sehr genau, und es geht nicht anders, weil in Werken, um die Fertigung aufrecht zu erhalten, immer wieder Kompromisse gemacht werden müssen uns abweichend produziert wird. Und wenn dann jeder Zulieferer jedes Modul individuell anpassen sollte, bricht die Fertigung zusammen.
Es gibt nicht ein Band, es gibt so etwas wie eine Fischgräte, einen Hauptweg, das ist in der Regel die Rohkarosserie, aus der langsam durch Nebenfertigungen ein Fahrzeug wird. Module wie der Antrieb, Instrumententafeln, Sitze, Kabelbaum etc. werden zum Teil räumlich an anderer Stelle montiert und beigesteuert. Das heißt, in ein Fahrzeug kommen Bauteile aus ca. zwanzig unterschiedlichen Subfertigungen. Wenn man wirklich völlig individualisierte Fahrzeuge haben wollte, müsste jede Bestellung in jeder Sublieferkette eindeutig zuordbar sein. Es wäre dann nicht ein Sitz mit einer Teilenummer xyz, sondern der Sitz mit angepasstem Stoff, Sitzheizung aber ohne Höhenverstellung für Dich, und der soll dann mit 20 anderen Modulen zeitgleich am Band sein. Das klappt nicht. Darum schnürt man Ausstattungspakete, um die Viefalt massiv zu begrenzen. Damit sind kleine Puffer möglich, und die werden dringend benötigt.
Dazu muss man weiter wissen, an welchen Stationen was eingebaut wird. Das ist zum Teil sehr verwunderlich, aber im Prinzip ist die Reihenfolge ziemlich egal. Bestimmte Pakete werden zu bestimmten Montagestationen gebracht. Ich wollte damals, als ich noch Konzeptentwicklungen machte, einfachste Dinge ändern, z.B. das Instrumententafeln nicht mehr durch die Tür eingeschoben werden, sondern durch die immer größer werdenden Scheibenöffnung. Der Vorschlag kam einer Revolution gleich, das geht nicht so einfach, weil die Hallen völlig unterschiedlich aufgebaut sein müssen. Ob der Manipulator seitlich steht oder über dem Fahrzeug angebracht ist nicht überall umsetzbar. Nur weil es in Wolfsburg ging, muss es nicht in Bratislava, Ingolstadt oder Pamplona funktionieren und schon kamen rote Karte während der Entwicklung. Nur weil man die Fügefolge ändern wollte.
Und wenn ich den Kampf sehe, den wir damals hatten und dann vergleiche, wie ein sinnvolles Elektrofahrzeug aufgebaut seien sollte und das mit der Montage von Verbrennern vergleiche, dann sind das zwei völlig unterschiedliche Produkte. Darum befürchte ich auch, dass Hersteller wie VW neue Werke bauen müssen, weil die alten nicht tauglich sind. Darum haben es neue Hersteller einfacher, weil es keine störenden Randbedigungen gibt.
Und das war jetzt der Bogen zurück zum Thema, warum so viele neue kleine unbelastete Firmen, wie der Postlaster, aus dem Boden schießen und die Lücken füllen, die Großserienhersteller in ihrer Unflexibilität nicht bedienen können. Darum sehe ich Firmen wie Google, Apple, Samsung Nvidia am Start, die sich unbedarft auf die Entwicklung stürzen und die Themen Elektromobilität und autonomes Fahren sind eng verzahnt.