Nö. Im Grundgesetz kann auch von kleinen grünen Männchen die Rede sein. Das gibt uns trotzdem kein Recht, irgendwem was vom hohen Roß herab zu erzählen.
Und wieso nicht?
Wir erzählen doch auch, bzw. die FDP macht das, wie man ein Wirtschaftssystem formen soll, damit es super läuft.
Wenns ums Geld geht, ist es als legitim anderen seine Meinung aufzuschwatzen, wenns um Grundrechte des Menschen geht, nicht?
Im GG ist von "Menschen" die Rede, weil seine Vorschriften eben nicht nur für Deutsche sondern auch für in Deutschland befindliche Ausländer gelten sollen. Das hat nicht das Geringste mit dem Reinreden in Angelegenheiten anderer Staaten oder einem weltweiten Geltungsanspruch oder einer gefühlten moralischen Überlegenheit dem Rest der Welt gegenüber zu tun.
Niemand redet irgendwelchen Leuten was rein. Es geht darum, dass es legitim ist, andere Staaten zu kritisieren.
Deutschland wird ja auch wegen seiner Staatsschulden kritisiert (und das zu Recht), wieso dürfen wir dann nicht auch kritisieren?
Oder darf man nur bei bestimmten Sachen kritisieren und woanders muss man schweigen?
Martin Luther ist eigentlich wesentlich weniger entscheidend für die Trennung von Kirche und Staat als weltliche Fürsten, die keinen Bock mehr hatten, sich von Rom Vorschriften machen zu lassen. Insofern wäre es an den ganzen arabischen Scheichs, Präsidenten und ähnlichem, ihren armseligen Klerus endlich mal zum Teufel zu jagen.
Martin Luther hat die Kirche gespalten, er hat den engstirnigen Katholizismus einen Spiegel vor die Nase gehalten, wie Macht besessen und gierig er ist und die Menschen haben sich von diesem Katholizismus abgewandt. Erst dadurch kam es überhaupt in den Sinn Kirche und Staat voneinander zu trennen.
Das Dilemma im arabischen Raum ist nur, dass es keinen allgemein anerkannten Führer des Islams gibt. Die haben keinen Papst, also von wem lossagen?
Und wenn man sich von irgendwas lossagt, kommen die an, von denen man sich lossagen will und bomben dich wieder zurück. Meiner Meinung nach ein Kreislauf dessen Ende nicht abzusehen ist.
Doch. Genau deshalb sollte man exakt das verteufeln. Wenn ein gesamter Wertekanon so aufgebaut ist, daß er zwangsläufig immer eine Fusion von weltlicher und geistlicher Herrschaft anstrebt, ist er insgesamt für alle Beteiligten schädlich und sollte beseitigt werden.
Du kannst das nicht verteufeln. Du kannst nicht 1 Milliarde Muslime über einen Kamm scheren, nur weil ein paar schwachsinnige Betonköpfe dabei sind.
Die gleichen Betonköpfe hast du auch in der christlichen Welt. Nur dass die eben keine Sprengfallen bauen, sondern das mit Worten machen. Das Ergebnis ist aber nicht so viel anders.
Ich habe keine Ahnung, was der ganz genau will. Viel davon wird wahrscheinlich eh nicht umgesetzt. Obwohl die Republikaner da in der Regel verläßlicher als die Demokraten sind. Obama hat auch viel versprochen und am Ende ist außer heißer Luft nix von Bestand gekommen.
Obama konnte seine Versprechen nicht halten, weil die Republikaner seine Politik im Senat blockiert haben. Bzw. haben sie seine Gesetzesentwürfe so dermaßen verwässert, dass nichts Sinnvolles übrig geblieben ist.
Rick Santorum traue ich z.B. gar nichts zu, weder das Finanzproblem/Schuldenproblem in den Griff zu bekommen noch innenpolitisch zu Punkten geschweige denn außenpolitisch zu Punkten.
Mit ihm werden die USA in einen neuen Krieg gehen (in welchen auch immer).
(aber das könnte man eher im Präsidententhread aufgreifen als in diesem Thread)
Im Lichte dessen, was ich weiter oben geschrieben habe, ist es für alle Beteiligten von Vorteil, wenn der weltliche Machthaber möglichst wenig mit den religiösen Oberhäuptern kuschelt. Langfristig kann es daher sehr wohl einen Unterschied machen, ob der Eine oder der Andere Präsident ist. Und ein Wechsel der Staatsform muß ja nicht immer nur vom Volk ausgehen. Ein kleiner Militärputsch verläuft meist mit deutlich weniger Opfern.
Ein Militärputsch wird es im Iran nicht geben, den gab es woanders auch nicht.
Alle Veränderungen im arabischen Raum in den letzten Monaten gingen immer vom einfachen Volk aus. Entweder schafften sie es oder sie wurden niedergeschossen.
Im Iran gab es vor Jahren auch eine kleine Revolution, aber sie wurde mit staatlicher Härte niedergeschlagen und jetzt traut sich niemand mehr was zu machen.
Der Iran ist heute weiter von einer Liberalisierung entfernt als er es vor 4 Jahren war.
Und deshalb wird die iranische Führung auch weiterhin an ihren Dingen festhalten und sich einen Dreck um das scheren, was Europa oder die USA sagen.
Ich glaube, das will keiner, der halbwegs bei Trost ist. Umso weniger verstehe ich, wieso hier immer mehr Zeit ins Land geht.
Aber die Europäer machen sich auch ein wenig unglaubwürdig, wenn sie eine Forderung plus Sanktionen in den Raum stellen und dann passiert nichts, weil sie entweder Angst vor den Konsequenten haben oder sich nicht einig sind.
Jedem sollte klar sein, dass Israel das nicht abwarten wird und wenn Israel zuschlägt, werden die USA hineingezogen und schließlich auch Europa.
Und ohne Europa wären die USA eine glückliche Gemeinschaft ununterdrückter Ureinwohner

Es gibt viele wäre wenn und aber. Aus der US-Interpretation des mittleren 20. Jhd. eine Verpflichtung Europas für das 21. Jhd. abzuleiten halte ich für genauso unangemessen, wie Verpflichtungen Deutschlands gegenüber Israel oder den USA gegenüber Schwarzafrika.
Israel wird auch in 500 Jahren noch darauf pochen, dass Deutschland vor 570 Jahen Juden getötet haben und auch in 500 Jahren wird Israel darauf pochen, dass es ihr Gebiet ist, weil sie vor 2500 Jahren mal dort umher geirrt sind.
So ist das nun mal.
Und Europa ist sich kulturell, wirtschaftlich und politisch nun mal den USA sehr ähnlich, ähnlicher als arabischen Staaten und das wird sich auch nicht ändern. Europäer sind halt damals ausgewandert und haben sich den neuen Kontinent unter den Nagel gerissen.
Und wie das bei Besiedlungen eben so ist, das ist auch Evolution, der, der schon da ist, muss aufpassen, dass er nicht weg ist, wenn das Besiedeln erfolgt.
Es gibt genug Fälle, in denen Europa kein Problem hat, Regime zu unterstützen, die weder Menschenrechte noch Meinungs-/Pressefreiheit kennen, aber Geld und/oder Öl haben. Die Einstellung zum Iran allein oder auch nur hauptsächlich aus derartigen humanistischen Aspekten abzuleiten ist imho unhaltbar.
Jop, klar tun sie das, aber diese Länder drohen auch nicht andere Länder von der Landkarte zu tilgen oder heimlich Atomwaffen zu entwickeln.
Das Problem im Iran ist, dass einige Leute unterstellen, es gäbe Forschungsarbeiten, die vor einfachen Kontrollen verborgen werden - weswegen der Iran drastisch erweiterte Kontrollen zulassen soll (die nicht nur mögliche Nuklearprogramme, sondern de facto sämtliche militärischen Geheimnisse offenlegen würden). Diese Forderungen werden nicht auf Basis der Unterzeichnung des Sperrvertrages gestellt und würden dementsprechend mit einem Austritt auch nicht aufhören.
Das wäre doch auch nicht das Problem. Das Problem ist halt, dass diese Ergebnisse eben allgemein vorgetragen werden und dann weiß jeder bescheid.
Das ist aber nicht das Problem der Kontrolleure, sondern alleine das Problem Irans. Wenn sie ihre Atomanlagen abseits von Militäranlagen gebaut hätten (um eben Forschung für zivile Nutzung zu betreiben), gibt es auch keine Probleme.
Haben sie die Atomanlagen aber dort hingebaut und integriert, wo sie auch ihre militärische Forschung haben, dürfen sie sich eben nicht wundern, wenn das nicht allgemein begrüßt wird.
Es ist nicht unsere Angelegenheit in dem Sinne, dass man als deutsche Regierung keine Truppen da reinschicken muss zum Beispiel.
Deutschland hat auch nicht vor Truppen hinzuschicken, es ist nur legitim, dass man Dinge, die man nicht gut findet, kritisiert. Das ist völlig normal.
Jeder Bombenanschlag irgendwo wird grundsätzlich verurteilt und kritisiert. Wieso also sollte man nicht auch Verletzungen von Menschenrechten kritisieren?