YT/Twitter lebt ausschliesslich von User generierten Inhalten. Nur um einen Unterschied zu nennen.
Und an welcher Stelle ergibt sich daraus die Pflicht, jeden von Usern generierten Inhalt zuzulassen? Diesen wesentlich Punkt musst du in deiner Argumentation übersehen haben.
Eine Plattenfirma lebt auch von den Songs ihrer Musiker, trotzdem muss sie nicht jeden Musiker und nicht jeden Musikstil im Portfolio haben. Auch nicht als Marktführer.
Apropos, wart du nicht unter denjenigen, die fest überzeugt sind, dass der Markt sich selbst regeln kann? - Dann wäre doch alles okay: Der Markt wird Twitter und Co. schon abstrafen.
Dann haben wir es mit quasi Monopolen zu tun und es kann nicht sein das ein Konzern in einer Demokratie entscheidet was gefährliche Meinungen sind und was nicht.
Das ist im Kern richtig, nur mischt du gerade Wirtschafts- mit Meinungsmonopolen. Für erstere ist die Kartellaufsicht zuständig, letzteres müsste erst einmal umrissen werden: Wer wird denn von Twitter, Facebook und wie sie alle heißen unverhältnismäßig gefördert bzw. behindert? Ist eine Systematik und Mengenverteilung erkennbar?
Auch als Unternehmen hat man immer das Problem kollidierender Rechte. Was ist zu tun, wenn jemand - sagen wir mal - sein Recht auf freie Meinungsäußerung in Anspruch nimmt, jedoch damit die Persönlichkeitsrechte eines anderen verletzt oder/oder dessen Recht auf Unversehrtheit gefährdet?
Grundrechtlich gibt es da keine Gewichtung, was grundsätzlich höher zu bewerten wäre.
Nicht abzuwägen ist keine Option, weil sich damit automatisch auf die Seite desjenigen stellt, der zuerst den Mund aufgemacht hat - rechtlich und ethisch eher fragwürdig. Jeder Beschwerde stattzugeben wäre das Gleiche in grün.
Wenn jedoch von Fall zu Fall abgewogen wird, ist das zwar willkürlich, aber es besteht auf der Plattform für jede Rechtswahrnehmung die Chance, im konkreten Fall als höherwertig angesehen zu werden. Wird das von einem Betroffenen als unzureichend empfunden, hat jeder exakt die selbe Möglichkeit, seinen Rechtsanspruch außerhalb der Plattform einzuklagen.
Ganz im Gegenteil, gerade unangenehme Meinungen werden zensiert und deshalb ist das der perfekte Anlass über Zensur zu diskutieren. Man sieht ja wie komplett unverständlich das für dich ist wenn man Meinungsfreiheit einfordern will. Du lebst anscheinend in einer heilen Welt wo alle deine Meinungen immer so regierungs- und gesellschaftskonform sind dass du nie in Gefahr läufst zensuriert zu werden. Andere Menschen riskieren halt mehr im Leben und wollen die Wahrheit auch sagen können wenn es anderen Leuten nicht passt.
Der Knackpunkt ist der, das in vielen Belangen jeder seine eigene Wahrheit hat und nicht alle Wahrheiten nebeneinander existieren können. Es ist *nicht* die Aufgabe eines privatwirtschaftlichen Unternehmens, das Unmögliche zu tun und die universell-objektive Wahrheit zu erkennen. Also vertritt das Unternehmen seine eigene Wahrheit, und die kann einmal mit deiner, aber auch mal mit meiner Wahrheit übereinstimmen.
Falls du den Eindruck hast, dass deine Wahrheit irgendwie immer und überall das Nachsehen hat: Genau das ist das, was heutzutage grob vereinfacht den demokratischen Weg darstellt. Die Mehrheitsmeinung entscheidet, welche Wahrheit wo und in welchem Umfang besondere Verbreitung und Bestand hat. Und ein Monopolunternehmen wird sich am Ende des Tages nie gegen die maximale Zielgruppe der Mehrheit stellen, weil sie logischerweise ihr Monopol behalten will.
Für alle anderen Wahrheiten gibt es Nischen und für jede Nische auch Unternehmen, die sie bedienen. Auch Herr Icke hat so eine Nische bedient; dummerweise auf einer Plattform, die zwar Nischen explizit erlaubt, aber nur so lange, wie sich diese nicht mit dem mehrheitlichen Konsens beißt.
Wir müssen sowas hinnehmen, denn sonst müsste irgendwer entscheiden, was die Wahrheit ist und was nicht.
Irgend jemand muss *immer* entscheiden, was die Wahrheit ist und was nicht. Im Idealfall zu allererst und zu allerletzt
man selbst.