So fühlt sich das für mich aktuell auch an. Die geforderte Solidarität war für mich nie ein Thema, aber jetzt komme ich mir doch etwas verarscht vor. Ich bin 25 Jahre alt und somit ist Covid 19 keine ernste Gefahr und trotzdem habe ich auf vieles verzichtet um die gefährdeteren Personen in meinem Umfeld zu schützen. Jetzt rennen aber ausgerechnet diese Person ohne sich um irgendwas Gedanken zu machen draußen rum und ich sitze wie ein Depp daheim und darf immer noch nichts. Im Endeffekt wäre es von meiner Warte aus sogar klüger gewesen im Freundeskreis ne Corona Party zu machen. Dann hätte ich jetzt die Antikörper und dürfte wieder raus.
Ich meine wie dämlich ist das bitte...
Ich könnte da aktuell nur noch drüber kotzen.
Extrem dämlich...
Wobei ich es von meiner Warte noch einen Schritt weiter sehe, ich fühle mich nämlich keineswegs so sicher wie du (und war auch Prio 3, bis die de facto abgeschafft wurde), das heißt ich habe im Prinzip auch eine kleine Gefahr auf mich genommen, damit andere keine große Gefahr auf sich nehmen müssen. Und aus dank leben die jetzt eine sehr kleine, aber immer noch vorhandene Gefahr aus, und ich warte weiter. In der nächsten Pandemie bin ich dann dafür, dass zur Abwechslung die über-60-Jährigen zu Hause eingesperrt und nach Impfung von deren Kontaktpersonen erstmal alle anderen drankommen. DAS wäre doch auch genau im Sinne von dejenigen, die ganz dringend die Öffnung von Saufgelegenheiten fordern, denn schließlich wären dann zumindest deren Mitarbeiter sicher. Stattdessen setzen wir in Form von Kellnerinnen und Verkäufern jetzt systematisch hundertausende Menschen einer deutlich erhöhten Infektionsgefahr aus, denen gleichzeitig systematisch eine Impfung verweigert wird.
Ich würde mir darüber nicht den Kopf zerbrechen. Ihr werdet eure Impfung innerhalb von 2 Monaten kriegen.
Bislang ist die Rede davon, dass es nächsten Monat allgemein kaum Erstimpfungen geben wird und danach sprudelt der Impfstoff auch nicht unbegrenzter Menge. Erklärtes Ziel ist, wenn ich mich richtig erinnere, jedem bis Ende Juli ein Impfangebot zu machen, sodass bis Ende August jeder die Chance auf eine Durchimpfung hätte. Aber erreicht wurden die Impfziele bislang noch nie, könnte also auch September-Oktober werden. Verglichen mit 14 Monaten ist das immer noch weniger, aber in den 14 Monaten haben sich wenigstens auch ein paar andere bemüht, das Problem zu verkleinern, während es jetzt nur noch darum zu gehen scheint, sich das Maximum des Möglichen zu erlauben. Oder noch etwas mehr.
Das ist richtig. Aber mal ein paar grobe "Leitplanken":
1. Doppelt mit Biontech oder Moderna geimpfte Personen haben einen Impfwirksamkeit von im Schnitt 95% (bei alten Leuten etwas weniger, weil das Immunsystem mit dem Alter leider ohnehin schwächer wird). Sprich: wo sich 100 Ungeimpfte infizieren würden, infizieren sich nur 5 Vollgeimpfte.
2. Laut einer PrePrint-Studie (sprich: noch nicht durch's Peer Review Verfahren durch) aus Israel ist die Viruslast bei trotz vollständiger Impfung Infizierten "um das vierfache" (das interpretiere ich als: "auf 25%") reduziert, dazu scheint auch die Dauer der Infektiösität reduziert zu sein. (Es kursiert auch die Erwähnung einer Studie, ebenfalls aus Israel, derzufolge 90% der vollständig Biontech-Geimpften sterile Immunität aufweisen, also das Virus nicht mehr weitergeben können. Aber dazu habe ich keinen Link gefunden und finde die Aussage sehr schwammig)
3. Das RKI schätzt das Risiko, dass vollständig Geimpfte eine Infektion weitergeben, als geringer ein, als dass asymptomatisch Infizierte mit falsch-negativem Schnelltest das Virus weitergeben.
Klar, wir müssen weitere Forschungsergebnisse abwarten - wobei ich die nicht aus Deutschland erwarten würde, die dt. Wissenschaftseinrichtungen haben sich in der Pandemie ja als quasi lethargisch herausgestellt.
Ansonsten wäre es mir relativ egal mit den Masken. Wie gesagt, mich stören die vergleichsweise wenig. Von daher soll die Maskenpflicht (an den wirklich notwendigen Orten, nicht am Flußufer oder beim Waldspaziergang) meinetwegen für Vollgeimpfte und alle anderen weiter gelten.
Vorsicht: Die Zahlen dürften alle für den Urtyp sein. Für diverse Mutanten muss man natürlich noch abwarten, aber bislang habe ich keine Zahlen über 90 und dafür einige unter 70 gehört. Zudem werden bei uns viele nicht mit 95er Biontech oder 90er Moderna, sondern mit 75er Astraceneca geimpft. Für eine Impfung immer noch kein schlechter Wert und bei entsprechender Verbreitung reicht es auch für die Herdenimmunität, aber man muss diese Zahlen mit den absolut Infizierten verrechnen: Anfang dieser Woche hatten wir ungefähr viermal so viele Infizierte, wie Anfang September, als die zweite Welle losging. Das heißt werd dank Durchimpfung ein um 75% reduziertes Infektionsrisiko pro Kontakt mit einem Infizierten hat, hatte Anfang dieser Woche das gleiche absolute Risiko, wie Anfang September, weil seiner 25% Chance je Kontakt viermal mehr Kontakte mit Infizierten gegenüber standen. Verglichen mit man-kann-nicht-in-den-Urlaub-fahren-Juni-2020 lebt man heute selbst mit 90er Impfschutz unsicherer und sollte somit mindestens alle damals getroffenen Maßnahmen (Abstand halten, Maske in geschlossenen Räumen) weiter praktizieren. Für sich und für andere, denn wer trotz Impfung erkrankt, ist genauso ansteckend wie ein Ungeimpfter und die Chance einer asymptomatischen Erkrankung ist mit Impfung meines Wissens nach sogar höher, die Wahrscheinlichkeit durch Zufall davon zu erfahren mangels Testung Geimpfter gleich null.
Meiner Meinung nach ist es seit 14 Monaten Zeit, das System einfach mal vom Kopf auf die Füße zu stellen: Maßnahmen lockern insgesamt kann man, wenn der R-Wert unter 0,6 liegt. Das Hochfahren von Maßnahmen muss man spätestens dann beginnen, wenn R über 0,8 steigt, denn ehe man die Maßnahmen umgesetzt hat, ist man dann bei R>1. Und es ist epidemologisch gesehen egal, bei welcher Zahl von Erkrankten das besteht: Der Aufwand, um es wieder zurückzudrängen ist immer der gleiche. Also sollte man gegen R>1 auch schon dann was tun, wenn absolut "nur" wenige erkrankt sind. Das macht 0 Mehrarbeit gegenüber "erstmal wachsen lassen", erspart aber Tote, Langzeitgeschädigte und damit schlichtweg auch Belastungen und Kosten, die niemand braucht.
(Ausnahmen gelten nur für Inzidenzen <10, weil es dann langsam schwer wird, ein brauchbares R zu berechnen.)
Und DAS gilt unabhängig von Impfung oder nicht, denn eine Impfung ist schlichtweg nur eine weitere Maßnahme, um Infektionen zu verhindern. Nehmen Infektionen trotzdem zu (R>1), dann ist das Bündel an Maßnahmen offensichtlich nicht gut genug, scheiß egal wie toll man die Impfung findet.
Beim Eigenschutz ist man aber nur für sich selbst verantwortlich und mit Impfung sollte da das Risiko durch eine OP statt einer FFP2-Maske gegen Null gehen.
Jein. Natürlich ist Eigenschutz in erster Linie Privatsache, aber sich selbst zu schützen ist auch der beste Weg um zu verhindern, dass man andere anstecken kann. Denn niemand trägt 24/7 Maske und spätestens das Krankenhauspersonal kann sich dann auch nicht mehr durch Abstand vor einem schützen.