Das ist doch Blödsinn.
Ein Google oder Amazon, Facebook und Netflix zahlen genauso für ihren Internetanschluss und die Bandbreite.
Nur halt nicht an jeden krümeligen Provider in jedem popeligen Land dann auch nochmal.
Ich zahle auch nur meinen ISP für den Service, dass er mich mit seiner Leitung ins Internet lässt, und nicht nochmal den NIC in Frankfurt, den NIC in New York, den ISP in Alabama ...
Es gibt nicht "das Internet". Jede sogenannte Internetverbindung erfordert eine Verkettung einer ganze Reihe von Dienstleistungen und Dienstleistern. Je mehr respektive je teurer, je größer die geographische Entfernung ist. Wenn jeder nur für seine erste respektive letzte Meile zahlen würde, hätten wir kein globales Netzwerk, sondern nur lokale, maximale regionale, die am Einwahlknoten enden würden. Alles, was darüber hinausgeht, muss auch bezahlt werden und hier wird es komplex respektive Verhandlungssache. Lange Zeit hatten die Provider da mehr oder minder ein Gentlemansagreement zum gegenteiligen Nutzen: Man hat eine Verbindung zum Rechenzentrum des jeweils anderen gelegt und über die konnten die eigenen Nutzer auf dort gehostete Inhalte zugreifen und dortige User wurden zur Zielgruppe für hier gehostete Webseiten.
Parallel zum Aufkommen von immer transferintensiveren Webdiensten in den letzten 1-2 Jahrzehnten kam es aber auch zu einer Internationalisierung der Angebote und einer Diversifizierung der Server-Betreiber: Statt symmetrischem Austausch haben wir heute eine Teilung in überwiegende Endkundenprovider auf der einen Seiten und einige wenige, sehr datenintensive Hoster auf der anderen. Ein gegenseitiger Fair-Use ist hier nicht mehr möglich, weil erstere kaum Upload bereitstellen und letztere kaum Download anfordern. Stattdessen tobt ein Deutungskampf. Alphabet, Amazon, Disney, Meta, Mindgeek & Co sehen sich als hochwertige Content-Quellen sind, dank denen die Provider überhaupt erst die Kundschaft für ihre Internetanschlüsse zuströmt, weswegen Telekom & Co doch bitte auf eigene Rechnung Terabit-Leitungen zu den jeweiligen Rechenzentren ziehen und dort um Anschluss betteln sollen. Oder, gegenteilige Sichtweise, die Telekom ist der Meinung, dass ihre (meiner dumpfen Erinnerung nach) 30 Millionen Kunden überhaupt erst den deutschen Markt für Youtube, Youporn, U-Play und Uber bilden, weswegen verdammt noch einmal diese Content-Schleudern die Infrastruktur bezahlen sollen, mit deren Nutzung sie Milliarden scheffeln.
Wer bei diesem Blame-Game recht hat, ist ohne sehr detaillierte Einblicke und Analysen oft schwer zu sagen. Fiktives Beispiel: Eine Webseite wird in Hamburg in einem Telekom-Rechenzentrum gehostet und erzielt von dort 1.000-MBit/s-Transferraten zu einem T-Onliner in Bremen. Jetzt zieht der Betreiber zu einem anderen Hoster in München um, dessen Rechenzentrum über Zwischenstationen in Nürnberg, Frankfurt und Hannover in den Abendstunden nur 1 MBit/s für den Bremer User bereitstellen kann. Wer hat jetzt Schuld an dessen mieser Performance? Die Zwischenstellenbetreiber, die nicht genug Kapazitäten haben? (inkl. Telekom auf dem letzten Meter) Diejenigen, die gar keine größeren Kapazitäten auf der Strecke gebucht haben? Der Webseitenbetreiber, weil er an diesen schlechteren Standort umgezogen ist? Was ist, wenn er an diesem 50 Prozent des deutschlandweit üblichen Preises zahlt, vorher in Hamburg aber das Dreifache? Sowas kann an sehr vielen Stellen schief laufen und jeder einzelne der Beteiligten hat Eigeninteressen, die sich in meist sehr einseitigen, subjektiven Schuldzuweisungen widerspiegeln. Schweigender Dritter sind dabei übrigens oft Staat und Steuerzahler, die gar nichts an der Entwicklung verdienen, aber zunehmend mehr Milliarden bereitstellen. Damit zum Beispiel Fußballspiele millionenfach parallel über neue Glasfaser und 5G an einzeln zahlende Abokunden gestreamt werden können, anstatt einmal frei über bestehende Broadcast-Infrastruktur verbreitet zu werden.
Oder es sind einfach nicnt alle AWS Datacenter betroffen. Meiner steht in Ohio. Ich könnte auch auf einen Europäischen Server umsteigen,. das kostet nur ein klein wenig mehr.
Und letzteres ist der Punkt, den die Telekom regelmäßig anführt: Wenn ein Anbieter der Meinung ist, seine Server in Ohio billig anzubieten und dann darauf zu bestehen, dass ein deutscher Provider Kabel bis vor seine Haustür legt, dann hat der sich geschnitten. Könnte ja jeder kommen, von Aserbaidschan bis zum Zambesi-Oberlauf und einige 100 GBit/s ins Telekom-Netz auf Telekom-Rechnung verlangen. Umgekehrt sagen halt die Server-Anbieter, dass es ein Problem der Telekom wäre, wenn deren Kunden nicht schnell genug auf den jeweiligen Server zugreifen können, schließlich verkauft die Telekom ja "das beste Netz" mit Content darin. *Schulterzuck*
Im Falle AWS müsste es aber, glaube ich, auch hauseigene Übertragungs- und Multi-Host-Fähigkeiten geben. Das heißt man muss sich nicht auf den Streit einlassen, wer deren Ohio-Rechenzentrum mit Oberhausen verbindet oder umgekehrt, sondern man kann an beiden Locations von AWS-Technik vor Ort ins jeweils lokale, schnelle Peering geben. Klar ist natürlich, dass das einen Preis hat – Transatlantikkabel fallen nicht vom Himmel.
Irgendwer muss bezahlen und Oma Erna, die einmal die Woche die E-Mails ihrer Enkel und zweimal im Monat die Stenkelfelder Bingoabend-Termine über ihren Telekomanschluss abruft, steht da nicht unbedingt ganz vorne in der Schlange.