Die Frage ist jedoch, ob der EU mit einer derartigen Investion geholfen wäre. Für moderne Nodes haben wird hier derzeit quasi keinen Bedarf, da wir keine entsprechende Industrie haben. Topmoderne Nodes werden ausschließlich von Auftraggebern in Übersee genutzt, d. h. hier würde man letzten Endes nur ein paar Jobs schaffen, würde aber nahezu ausnahmslos für amerikanische Kunden fertigen. Das könnte man sicherlich auch mit ein paar Subventionen fördern, sind ja immerhin Jobs, aber ob das hier tatsächlich die Größenordnung rechtfertig, über die hier aktuell verhandelt wird? Möglicherweise verkalkuliert sich die EU hier und Intel oder jedweder andere große Player wie TSMC oder Samsung würde sich hier hauptsächlich eine goldene Nase verdienen, auch wenn die beiden letztgennnten der EU schon einen Rüffel gegeben haben und vorerst hier nicht investieren werden (wie es scheint).
Möglicherweise wären entsprechende Gelder bei Firmen wie Infineon, Bosch, NPX und ST Microelectronics besser aufgehoben, denn die fertigen zumindest Produkte, die unsere Industrie direkt verwendet. Es scheint etwas vermessen oder gar weltfremd zu sein gleich nach den Sternen greifen zu wollen, quasi rennen zu lernen, bevor man laufen kann und in der EU Digital-Agenda 2030 von 2nm-Fertigungskapazitäten als mittelfristiges Ziel für die EU zu sprechen.
Reine Aktionismus/Populismus. Politiker haben gehört, dass wir von Chipfertigern in Asien abhängig sind und deswegen beschlossen, dass wir eigene Fabs brauchen, undzwar die besten. Dass Fabs keine fertigen Chips liefern, ohne Ausgangsmaterialien nutzlos sind und welche Arten von Chips uns gerade fehlen und welche in welchen Fabs gefertigt werden – alles egal. München freut sich über weitere Subventionen für die Gegend, Münchner kämpfen mit noch mehr Spitzenarbeitsplätzen bei einem anhaltenden Mangel an Wohnraum und Intel wird es herzlich egal sein, ob sie das belichtete Silizium von Haifa oder von München nach Costa Rica fliegen, solange die Produktion als solche unter Berücksichtigung aller Subventionen billiger ist. Ich vermute, auch für die Autohersteller wird sich nichts ändern, es sei denn, sie lernen von Intel die geheime Innovation "rechtzeitig bestellen".

) wieder x86-Silizium belichtet wird, werden in noch lange keine x86-CPUs hier hergestellt. Denn die Wafer gehen erstmal an einen anderen Standort für test- & packaging. Das heißt im Falle Intels entweder Costa Rica oder einer von drei Standorten in Südostasien. Selbst wenn man so vermessen wäre anzunehmen, dass ein globaler Konzern mit Stammsitz in den USA seine leicht transportierbaren Produkte in Mangelzeiten eher lokal denn meistbietend verkauft, würde sich aus einer Münchener Intel-Fab also keinerlei Autonomie-Vorteil ergeben. Das ganze Projekt ist reine Standort-/Arbeitsmarktpolitik.