News Aus für blaue Links: Google bedroht Webseiten wie PCGH

Es gibt noch eine "evtl." Option 3:

der Computerrei Lebewohl zu sagen, wenn einem etwas nicht schmeckt bzw. die Richtung nicht gefällt.
Dann war es eine schöne Zeit.

Wir werden alle nicht jünger und müssen nicht alles mitmachen, oder siehst du das anders, oder wie auch immer ?

Edit: Vielleicht kommt es aber auch ganz anders und man malt zu schwarz. :-)
Da kommt mir gerade doch etwas in den Sinn... Ich muss folgendes Zitat allerdings etwas auf die Realität zurecht parodieren

Guten Morgen Night City!
Das Ergebnis der gestrigen "Affiliate-Marketing-Leichen-Lotterie:" eine solide 30! Zehn davon dank Google - es geht doch nichts über Gangkriege! Dazu ein toter PCGH-Artikel, also seid ihr alle so was von im Arsch. So was nimmt die Computec persönlich.
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Entschuldigung für verletzte Gefühle 😁🫡
 
Um einmal bei PCGH zu bleiben: Ich kann auch nur jedem empfehlen, ein Abo abzuschließen, falls ihr noch keines habt.

Unterstützt die Redaktion, sie hat es mehr als verdient, die Leute machen seit Jahren eine gute Arbeit. :daumen:
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Wenn es keine verlässlichen Quellen (wie PCGH oder andere Fachwebseiten für alle möglichen Themen, Foren in denen sich die Mitglieder gegenseitig helfen usw.) mehr gibt, nützt google die beste Ki auch nichts. Dann bekomme ich als Suchender über die Ki Suche nur noch Halbwahrheiten oder Falschinformationen.

Die KI-Betreiber haben ihre aktuellen Status erreicht, ohne sich viel um Aspekte wie "Inhaltsqualität" oder auch nur "-korrektheit" zu scheren. Ich denke nicht, dass die ein Problem damit hätten, künftig mit Trainingsdaten aus einem Internet zu beziehen, in dem es nur noch Trash gibt. Die KIs würden dadurch zwar fehleranfälliger werden, aber die Menschen akzeptieren fehlerhafte KIs und solange die Konkurrenz keine besseren Trainingsdaten hat, sind diese kein Wettbewerbsnachteil. Zum Vergleich sei hier auf andere Medien wie Zeitungen und Fernsehen verwiesen, wo die letzten Jahrzehnte bereits im Branchen-internen Konkurrenzkampf ein klarer Abwärtstrend zu beobachten ist: Hochwertige Produktionen gehen als erstes Pleite, weil sie ein vielfaches an Produktionskosten haben, aber kaum höhere Verkäufe. Blätter und Sender, die dagegen schon seit langem dafür verschrien sind, mehr Märchen denn Information zu liefen, halten sich.

Also auch Printwerbeträger kann man sagen. Von sich drehenden Litfaßsäulen, über Wand Werbeträger und freistehenden DCLP-Systemen, bis später hin zu digitalen Bildschirmen die niemand mehr Plakatieren musste. Wir mussten uns immer neu am Markt ausrichten um eben auch unsere Hardware verkaufen zu können. Dabei hatte dieses Unternehmen die selben Schwierigkeiten wie viele anderen auch... Prinzipien beizubehalten und Tugenden deutscher Qualität auf dem Markt gegenüber Mitbewerbern durchzusetzen die wesentlich preiswerter ihre Produkte anbieten konnten aber qualitativ kontinuierlich besser wurden und aufschließen konnten.

Das dürfte vielen im produzierenden Gewerbe so oder ähnlich bekannt vorkommen. So waren oder sind halt die Spielregeln der Marktwirtschaft! Fortschritt durch Wettbewerb. Und diese Wettbewerbe wurden von der Politik nicht immer fair behandelt... Mitbewerber die unter völlig anderen Grundvoraussetzungen am Markt gegenüber standen, und trotzdem hat die Regierung über Zölle nun Jahrzehntelang hiesige Unternehmen nur recht spärlich vor diesen geschützt.

Der Vergleich hinkt. Du beschreibst den Wettkampf innerhalb einer Branche, wo sich bessere respektive preiswerte Anbieter gegenüber etablierten durchsetzen können, der Gesamtmarkt aber bestehen bleibt. Diesem gegenseitigen Verdrängungswettkampf muss sich PCGH zusätzlich stellen.

Vor 20 Jahren war unsere Berichterstattung noch physisch in einer geschützten Print-Bubble namens "deutsche Zeitschriften-Kioske" statt; heute hat sich der Medienkonsum auf eine globale Plattform verlagert und ein zunehmender Teil der Zielgruppe spricht gut genug Englisch, um deren gesamten Angebote in Betracht zu ziehen. Statt 0 direkte und vielleicht 4-5 indirekte Konkurrenten müssen wir uns heute gegen mehrere Wettbewerber mit nahezu identischem Grundkonzept behaupten und eine unüberschaubare Vielzahl an Plattformen enthält auch Antworten zu einem Teil der Fragen, zu denen wir eigentlich Artikel verkaufen wollen. Das ist tough, zumal wenn man mit Qualität überzeugen will und sich sprachlich bedingt über eine 80 bis 90 Prozent kleinere Zielgruppe refinanzieren muss, aber fair, soweit man das von einem Markt überhaupt sagen kann.

KI setzt aber auf einem ganz anderen Level an. Es handelt sich nicht um einen Mitbewerber, dem PCGH auf Augenhöhe begegnen könnte, sondern es handelt sich um eine großflächige Bedrohung der gesamten Branche "freie Medien". Das kann man eher mit der Einführung von Schallplatten, Radio und Fernsehen als Gegenspieler für No-Name-Musiker vergleichen. Also keine Live-Acts, die als Ereignis gezielt aufgesucht werden, sondern die Menschen, die im 19. Jahrhundert für die Hintergrundberieselung in Cafes, Restaurants oder auch für die musikalische Untermalung von Bühnenshows gebraucht, dann aber restlos abgeschafft wurden. Dieser Wandel vollzog sich aber über einen Zeitraum von 80 Jahren, nicht 80 Monaten. Und:
Diese Handwerks-Musiker haben Content nur reproduziert, nicht neu erstellt. Bei den durch KI bedrohten Medien liegen Verbreitung und Produktion dagegen Hand in Hand. Sterben die aus, wäre dass das Gleiche, als wenn z.B. 1920 nicht nur die Live-Nachspieler, sondern auch alle Komponisten und Songwriter ausgestorben wären.
 
[...]
Die "KI" aka Suchmaschine wurde dankend hingenommen und jetzt beschwert ihr euch, dass die Klicks wegen "KI", die nicht mehr die klassische Google Suchmaschine ist, flöten gehen?
Kapier' ich nicht. Ich nutze die grottenschlechte Google KI Antwort nicht (eben weil da sehr viel einfach falsch dargestellt/zusammengefasst wird). Ich nutze Googles Trefferliste bei der Suche nur dann, wenn andere Suchmaschinen nichts gefunden haben, sonst wird DuckDuckGo oder vielleicht auch mal bing.com genutzt.
Also von "dankend hinnehmen" kann da keine Rede sein. Das wurde einfach aufgezwungen, wenn man Google als Suchmaschine genutzt hat.
 
Ich nutz Ecosia, aber ansonsten sehr sehr ähnlich wie bei dir. Bei manchen sachen spuckt Ecosia/Bing halt nich das Richtige aus und dann muss leider Google herhalten.
 
Im gewissen Maßen hast du Recht.

Was mir aufgefallen ist, hier auf PCGH gibt es fast nur noch KI Bilder als Title Bild.

Selbst für diesen Artikel (gegen KI) wurde das Titelbild mit ChatGPT generiert :ugly:

Ein wenig Paradox.

Hi,

"fast nur noch" ist schon eine ziemliche Unschärfe in der Aussage. Du hast sicher Recht, dass man über Regeln für KI-Bilder sprechen muss. Ich bin mal die Artikel von gestern durchgegangen, da habe ich genau einen reinen KI-Aufmacher gesehen von über 20 Artikeln - und das war der hier. :devil: Und das war durchaus als Provokation gedacht.

Ich würde an dieser Stelle aber nicht die Diskussion verwässern. Hier geht es nicht um eine Globalkritik an KI. Hier geht es nicht um per KI generierte Bilder. Da haben wir im Übrigen eine fantastische Community mit fast 900 Beiträgen zu per KI generierten Bildern.

Hier geht es darum, dass Content-Webseiten dadurch bedroht werden, dass Google die Inhalte verarbeitet, zusammenfasst und wenig bis nichts dafür tut, dass die eigentliche Quelle noch durch den Google-User aufgerufen wird. Und das funktioniert nicht nachhaltig, vor allem nicht für Seiten mit einem Forum. Da leidet der Traffic direkt am stärksten, weil Google per KI-Summary einfach den User Generated Content zusammenfasst. Ist das bequem für manche User? Bestimmt. Ist das fair gegenüber den Webseitenbetreibern und der Community dahinter? NEIN.
 
Und plötzlich macht das Leistungsschutzrecht doch bedeutend mehr Sinn.
Google wird zum Mittelsmann für fast jede Information und bestimmt aktiv mit, welche Informationen zu einem durch kommen und welche nicht. Das nimmt schon demokratiegefährdende Züge an, zumal sich mit Hilfe von AI Zusammenfassungen jegliche Quelle prellen lässt.

Wahre Macht hat, wer die Meinung macht, das wusste Goebbels schon. Wir haben zugelassen, dass Google unsere Informationsquellen bestimmt, Amazon als Mittelsmann für jeden Konsum dient (von analogen Gütern über den Marketplace-Zwang bis zum AWS) und Meta/Twitter den Großteil der direkten Kommunikation überwachen/mitlesen und steuern können.

Entweder werden sie streng reguliert, zerschlagen oder verboten. AI Inhalte direkt mit rigoroser Kennzeichnungspflicht dazu, es wird nämlich die nächste große antidemokratische Baustelle, jeglicher Fake und jegliche Manipulation von Bildern gehört streng bestraft, nicht nur monetär sondern direkt mit Gefängnis.
 
Woher kommt die Annahme, wir hätten "KI als Suchmaschine dankend hingenommen"?

Wenn der Wegfall der erwähnten "legendären 10 blauen Links" existenzbedrohend ist, dann hat man es doch dankend hingenommen, all die Jahre von Suchmaschinenklicks abhängig zu sein, oder nicht? Ich mache da keinen Unterschied zwischen klassischer Google-Suche und Google Organic. Für mich ist beides "KI" aka ein Haufen Algorithmen.

Kannst du Maßnahmen und Pläne nennen, die in den letzten 20 Jahren unternommen wurden, um die Online-Präsenz soweit in die Unabhängigkeit zu rücken, dass die eigene Existenz eben nicht am Gutdünken von Google hängt? Oder anders ausgedrückt: Was wurde unternommen, um Seitenzugriffe abseits derer über Suchmaschinen zu generieren?

Ich für meinen Teil bin ja ein regelmäßiger Besucher, der einfach nur auf seinen Browserfavoriten am PC oder Handy klickt - so ganz ohne Suchmaschinen.

Kapier' ich nicht.

Nicht schlimm - war auch nicht an dich bzw. die PCGH-User hier gerichtet.
 
Hier geht es darum, dass Content-Webseiten dadurch bedroht werden, dass Google die Inhalte verarbeitet, zusammenfasst und wenig bis nichts dafür tut, dass die eigentliche Quelle noch durch den Google-User aufgerufen wird. Und das funktioniert nicht nachhaltig, vor allem nicht für Seiten mit einem Forum. Da leidet der Traffic direkt am stärksten, weil Google per KI-Summary einfach den User Generated Content zusammenfasst. Ist das bequem für manche User? Bestimmt. Ist das fair gegenüber den Webseitenbetreibern und der Community dahinter? NEIN.
Fair war der Markt nie.
Als Kunde sieht man halt nur die Vorteile der Informationsfreiheit. Alles kann entsprechend zusammengefasst, gekürzt, zitiert und transformiert werden.
Ob dies über einen YouTuber passiert, der dann so 'ne "News" -Video bastelt, wo man alles zusammengepresst ins Ohr kriegt, oder ob das ein KI-Agent macht, ist am Ende gleich.
Und für die Kunden ist das ein echter Mehrwert, weil man so komprimiert das Wichtigste aus einer Quelle bekommt, anstatt sich bei mehreren Portalen durchwuseln zu müssen.

Ich sehe die Finanzierung der Medien eher in eigenen Produkten, Events und anderen Bereichen.
Nicht durch das eigene Medium bzw. Besucher der Webseite an sich – das ist ein Bonus, bei dem jegliche Information frei verfügbar ist.
Dabei unterscheidet sich PCGH keineswegs von einem YouTuber, der sich über Sponsorendeals, eigene Events, Merchandise und sonstige Produkte (siehe LTT Rücksack etc.) finanziert.
Ja, die Art der Medien unterscheidet sich - hier ist es eine eigene Webseite (als Haupt"kanal"), dort ist das überwiegend YouTube und Social Media. Das Resultat ist aber gleich, nur die Form ist anders.
Print-Medien werden sich also genau so finanzieren wie YouTuber, Streamer, Influencer und sonstige Gestalten die überwiegend online ihr Publikum erreichen.
Und plötzlich macht das Leistungsschutzrecht doch bedeutend mehr Sinn.
Google wird zum Mittelsmann für fast jede Information und bestimmt aktiv mit, welche Informationen zu einem durch kommen und welche nicht. Das nimmt schon demokratiegefährdende Züge an, zumal sich mit Hilfe von AI Zusammenfassungen jegliche Quelle prellen lässt.
Ähm und was sagste dann zu YouTube? Genau das ist dort schon seit ner halben Ewigkeit ganz normal und alltäglich.
YouTube bestimmt was man zeigen darf und nicht darf. YouTube bestimmt auch, welcher Content dem Nutzer gezeigt wird und welcher nicht.
Freier Informationszugang ohne Einschränkungen wäre cool, kostenlos für alle. Gibt es aber nicht.
 
Der Vergleich hinkt. Du beschreibst den Wettkampf innerhalb einer Branche, wo sich bessere respektive preiswerte Anbieter gegenüber etablierten durchsetzen können, der Gesamtmarkt aber bestehen bleibt. Diesem gegenseitigen Verdrängungswettkampf muss sich PCGH zusätzlich stellen.

Vor 20 Jahren war unsere Berichterstattung noch physisch in einer geschützten Print-Bubble namens "deutsche Zeitschriften-Kioske" statt; heute hat sich der Medienkonsum auf eine globale Plattform verlagert und ein zunehmender Teil der Zielgruppe spricht gut genug Englisch, um deren gesamten Angebote in Betracht zu ziehen. Statt 0 direkte und vielleicht 4-5 indirekte Konkurrenten müssen wir uns heute gegen mehrere Wettbewerber mit nahezu identischem Grundkonzept behaupten und eine unüberschaubare Vielzahl an Plattformen enthält auch Antworten zu einem Teil der Fragen, zu denen wir eigentlich Artikel verkaufen wollen. Das ist tough, zumal wenn man mit Qualität überzeugen will und sich sprachlich bedingt über eine 80 bis 90 Prozent kleinere Zielgruppe refinanzieren muss, aber fair, soweit man das von einem Markt überhaupt sagen kann.

KI setzt aber auf einem ganz anderen Level an. Es handelt sich nicht um einen Mitbewerber, dem PCGH auf Augenhöhe begegnen könnte, sondern es handelt sich um eine großflächige Bedrohung der gesamten Branche "freie Medien". Das kann man eher mit der Einführung von Schallplatten, Radio und Fernsehen als Gegenspieler für No-Name-Musiker vergleichen. Also keine Live-Acts, die als Ereignis gezielt aufgesucht werden, sondern die Menschen, die im 19. Jahrhundert für die Hintergrundberieselung in Cafes, Restaurants oder auch für die musikalische Untermalung von Bühnenshows gebraucht, dann aber restlos abgeschafft wurden. Dieser Wandel vollzog sich aber über einen Zeitraum von 80 Jahren, nicht 80 Monaten. Und:
Diese Handwerks-Musiker haben Content nur reproduziert, nicht neu erstellt. Bei den durch KI bedrohten Medien liegen Verbreitung und Produktion dagegen Hand in Hand. Sterben die aus, wäre dass das Gleiche, als wenn z.B. 1920 nicht nur die Live-Nachspieler, sondern auch alle Komponisten und Songwriter ausgestorben wären.
Erstmal danke das du dir die Zeit genommen hast für diese ausführliche Antwort und dem Beitrag zu deiner Sichtweise! Erstmal schön zu sehen eine Antwort zu bekommen die länger als die üblichen 2 Zeilen die man gewohnterweise bei Kritik so bekommt...

Du versuchst mir zu erklären, warum die Medienbranche ein „Sonderopfer“ bringt. Wenn man deine Argumente aber logisch zu Ende denkt, merkt man, dass die Parallelen zu meiner Sichtweise viel größer sind, als du direkt zugeben willst...

Wo du recht hast:

"Der Punkt mit den Komponisten (Produzenten) vs. Nachspielern (Konsumenten/Reproduzenten"

Eine KI generiert kein neues Wissen. Sie kann keine Grafikkarte in ein Testlabor stecken, die Leistungsaufnahme messen oder den Kühler abschrauben. Sie braucht die Redakteure als „Komponisten“, die diese Primärdaten erst erzeugen.
Wenn Google diese Daten absaugt und dem Nutzer direkt anzeigt, bricht die Refinanzierung derer weg, die die Arbeit machen. Das ist in der Tat ein systemisches Problem, das es beim reinen Strukturwandel im Handwerk so nicht gibt: Ein Roboter in der Fabrik klaut nicht das Know-how des Schlossers, er ersetzt nur seine Muskelkraft. Die KI hingegen klaut das geistige Eigentum.

Das Resultat ist aber das selbe, jobs werden wegrationalisiert weil jemand es so möchte!

Wo dein Vergleich gewaltig hinkt: Der Faktor Zeit und die „Bubble“

Du argumentierst, dass der Wandel bei den Musikern 80 Jahre gedauert hat, während KI die Medien in 80 Monaten überrollt. Und du trauerst der geschützten „Print-Bubble“ von vor 20 Jahren nach.

Und hier wird es fast ein bisschen arrogant gegenüber dem produzierenden Gewerbe, denn...

Die Globalisierung traf andere Branchen genauso brutal und schnell: Frag mal die deutsche Textilindustrie, die Fotofilm-Hersteller (Kodak) oder die Unterhaltungselektronik (Grundig, Telefunken). Als dort die Märkte globalisiert wurden und billigere, teils staatlich subventionierte Konkurrenz aus Asien den Markt überschwemmte, ging das oft nicht in 80 Jahren, sondern in weniger als einem Jahrzehnt.
Die „geschützte Bubble“ gab es überall: Jedes deutsche mittelständische Unternehmen hatte mal seine „geschützte Bubble“ (regionale Kunden, deutsche Qualitätsstandards, feste Verträge). Diese Bubbles sind in fast jeder Branche durch das Internet, globale Lieferketten und aggressiven Preiskampf geplatzt. Die Medienlandschaft durfte nur einfach ein paar Jahrzehnte länger in ihrer Komfortzone verweilen, weil Text digital schwerer zu monetarisieren war als physische Güter. Jetzt trifft euch der globale Wind eben mit Verspätung, dafür umso härter!

Wenn eine KI oder ein Algorithmus deinen Job bedroht, nennst du es eine „großflächige Bedrohung der freien Medien“.
Wenn ein digitaler Store den Job einer Verkäuferin vernichtet, ist das für die Tech-Welt „Fortschritt durch Wettbewerb“!

Am Ende bleibt es dabei: Das Prinzip ist exakt dasselbe. Eine neue Technologie rationalisiert menschliche Arbeit weg. Dass es jetzt euch, die „Kreativen“ und „Journalisten“ trifft, macht den Vorgang für die Betroffenen schmerzhaft, aber er ist strukturell nicht anders als das Aussterben der Webstühle im 19. Jahrhundert oder das Sterben der klassischen Werkshalle durch Automatisierung im 20. Jahrhundert.

Fazit:
Dein Vergleich hinkt insofern, als dass Du den Medien eine historisch einzigartige Opferrolle zuschreiben möchtest. Du hast recht, dass das Absaugen von Inhalten durch KI eine neue Stufe der Piraterie ist.

Aber du unterschätzt völlig, wie rabiat, global und existenziell der Strukturwandel in den letzten 30 Jahren auch in fast allen anderen Berufen eingeschlagen hat.
Sie erleben jetzt genau den Sturm, den das produzierende Gewerbe schon mehrfach durchgestanden hat... Was die Textilbranche betrifft sind diese nun fast vollständig anderer Orts ansässig.

Ob diese Erkenntnisse euch nun dabei helfen werden euch mit der Situation abzufinden überlasse ich euch. Genau wie die Hausaufgabe einen Weg hinaus aus dieser Misere zu finden... Da kann ich euch jedenfalls kein Allheilmittel für präsentieren, außer ein gut gemeinter Ratschlag das man immer irgendwelche arbeit findet um seine brötchen zu verdienen wenn man denn will. Ob die einem dann schmeckt steht auf nem anderen Blatt.

Pps: Sofern die Lkw die ich mittlerweile lenke irgendwann autonom fahren, wird sich auch mein aktueller Beruf mal wieder verändern und ich Lösungen finden müssen. Dazu befragt mich auch niemand ob mir das gefällt. Das aber nur mal am Rande
 
Zuletzt bearbeitet:
Wenn der Wegfall der erwähnten "legendären 10 blauen Links" existenzbedrohend ist, dann hat man es doch dankend hingenommen, all die Jahre von Suchmaschinenklicks abhängig zu sein, oder nicht? Ich mache da keinen Unterschied zwischen klassischer Google-Suche und Google Organic. Für mich ist beides "KI" aka ein Haufen Algorithmen.

Kannst du Maßnahmen und Pläne nennen, die in den letzten 20 Jahren unternommen wurden, um die Online-Präsenz soweit in die Unabhängigkeit zu rücken, dass die eigene Existenz eben nicht am Gutdünken von Google hängt? Oder anders ausgedrückt: Was wurde unternommen, um Seitenzugriffe abseits derer über Suchmaschinen zu generieren?
Wo soll ich da anfangen? :devil: Wir halten hier mit dem Forum die Flagge für Stamm-User mit einem genialen Mod-Team und den Community-Managern Torsten und Jacky hoch. Wir bespielen Youtube mit steigendem Aufwand seit 2008 und haben dort über 200.000 Abonnenten und über 6.000 Videos. Wir haben weit über 1.000 PLUS-Artikel produziert, um uns unabhängiger vom Kiosk und von Google zu machen. Wir adressieren auch eine jüngere Zielgruppe über Instagram, TikTok und Youtube Shorts. Wir investieren Herzblut en masse in unsere Hardware- und Spieletests. Wir haben auch lange mit Partnern PCGH-Editions umgesetzt, was aber immer schwieriger wurde. Mit Krotus haben wir aber einen coolen Partner für PCGH-PCs - der Chef Christian kommt aus dem Extreme-Forum.

Bin echt überfordert mit der Frage, weil 20 Jahre sind halt eine LANGE Zeit. Da ist so viel passiert... Englische Webseite gab es ja auch mal... Helft mir mal, @PCGH_Raff und Co. ^^
 
Ist/wird ein Problem, gebe ich zu.

Allerdings ist dem heutigen Wust an "weichen" Information die bei jedem Artikel mit verbreitet werden (und damit meine ich keine Werbung), wird der Zeitaufwand die wirklich gesuchten, relevanten Infos zu erhalten immer aufwendiger.
100 Internetseiten die alle zur Suchanfrage "irgendwie" passen, aber (vielleicht!) erst auf der 10., 20. durchsuchten Seite das steht, was man eigentlich wirklich gesucht hat.

Da liebe ich eine durch "KI" aufbereitete Zusammenfassung.
Und auch wenn diese nicht immer gleich passt, ist eine weitere, verfeinerte Suche, schnell eingegeben.
 
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Bin echt überfordert mit der Frage, weil 20 Jahre sind halt eine LANGE Zeit. Da ist so viel passiert... Englische Webseite gab es ja auch mal... Helft mir mal, @PCGH_Raff und Co. ^^
Ja habt ihr wohl! Eure Leidenschaft und Begeisterung für eure Arbeit mag ich euch nicht absprechen. Diese hat aber auch bisher anderen Berufe keine Rücksicht eingebracht.

Ich drück euch wirklich die Daumen das dafür ne Lösung gefunden wird die euer Überleben sichert.
 
Wo soll ich da anfangen? :devil: Wir halten hier mit dem Forum die Flagge für Stamm-User mit einem genialen Mod-Team und den Community-Managern Torsten und Jacky hoch. Wir bespielen Youtube mit steigendem Aufwand seit 2008 und haben dort über 200.000 Abonnenten und über 6.000 Videos. Wir haben weit über 1.000 PLUS-Artikel produziert, um uns unabhängiger vom Kiosk und von Google zu machen. Wir adressieren auch eine jüngere Zielgruppe über Instagram, TikTok und Youtube Shorts. Wir investieren Herzblut en masse in unsere Hardware- und Spieletests. Wir haben auch lange mit Partnern PCGH-Editions umgesetzt, was aber immer schwieriger wurde. Mit Krotus haben wir aber einen coolen Partner für PCGH-PCs - der Chef Christian kommt aus dem Extreme-Forum.

Bin echt überfordert mit der Frage, weil 20 Jahre sind halt eine LANGE Zeit. Da ist so viel passiert... Englische Webseite gab es ja auch mal... Helft mir mal, @PCGH_Raff und Co. ^^
Naja falls es wirklich so kommt und der Traffic von Google und anderen Suchmaschinen komplett austrocknet.
Gibt es entsprechende Pläne um alle Informationen kostenfrei zu halten (alle!) und sich über Produkte, Merch, Integrationen und Sponsorendeals zu finanzieren? Ohne Community-Finanzierung?
Darum geht es halt. Wir kann sich eine Medienplattform komplett eigenständig finanzieren, ohne auf die Geldbeutel der Nutzer zu zählen. Und komplett ohne Traffic von den Suchmaschinen.

Das ist etwas, was viele andere auf Plattformen wie Twitch, YouTube, aber auch Social Media schon längst gelernt haben - weil die praktisch nie in der Suche auftauchen (es sei denn die sind so bekannt wo die Finanzierung selbst die Tür einrennt, um überhaupt was vom Reichweiten-Kuchen zu bekommen).
Da ich in dem Bereich arbeite, kenne ich den Kram n wenig - inklusive Preise und was da halt alles aktuell so los ist.
 
Hi,

"fast nur noch" ist schon eine ziemliche Unschärfe in der Aussage. Du hast sicher Recht, dass man über Regeln für KI-Bilder sprechen muss. Ich bin mal die Artikel von gestern durchgegangen, da habe ich genau einen reinen KI-Aufmacher gesehen von über 20 Artikeln - und das war der hier. :devil: Und das war durchaus als Provokation gedacht.

Ich würde an dieser Stelle aber nicht die Diskussion verwässern. Hier geht es nicht um eine Globalkritik an KI. Hier geht es nicht um per KI generierte Bilder. Da haben wir im Übrigen eine fantastische Community mit fast 900 Beiträgen zu per KI generierten Bildern.

Hier geht es darum, dass Content-Webseiten dadurch bedroht werden, dass Google die Inhalte verarbeitet, zusammenfasst und wenig bis nichts dafür tut, dass die eigentliche Quelle noch durch den Google-User aufgerufen wird. Und das funktioniert nicht nachhaltig, vor allem nicht für Seiten mit einem Forum. Da leidet der Traffic direkt am stärksten, weil Google per KI-Summary einfach den User Generated Content zusammenfasst. Ist das bequem für manche User? Bestimmt. Ist das fair gegenüber den Webseitenbetreibern und der Community dahinter? NEIN.

@PCGH_Thilo
Mir geht es nicht um Haarspalterei. Vielleicht war gestern tatsächlich eine Ausnahme. Ich habe heute noch einmal geschaut: Allein heute waren 6 von 22 Artikeln mit Bildern versehen, die mit ChatGPT bzw. KI-Bildgeneratoren erstellt wurden. Das sind fast 30 %, finde ich nicht wenig.

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Bevorzugte Quellen: So können Sie Ihre Google-Suche verbessern und PCGH unterstützen [Erinnerung]
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Natürlich könnt ihr das machen, es spart Geld, weil kein Grafiker benötigt wird. Mich persönlich stören KI-generierte Bilder aber sehr, und ich habe eine starke Abneigung dagegen. Mir fällt auf, dass sie bei euch vor allem dann eingesetzt werden, wenn kein passendes Material vom Hersteller verfügbar ist.


Was mich daran besonders stört: In dem Artikel wird sinngemäß kritisiert, dass KI dafür sorgt, dass weniger Traffic entsteht und dadurch in naher Zukunft weniger Arbeitsplätze benötigt werden. Gleichzeitig passiert aber mit KI-Bildern im Grunde genau dasselbe gegenüber Grafikern, Fotografen und Mediengestaltern: Es wird kein Grafiker mehr gebraucht, weil „die KI das ja auch kann“ gepromptet von irgendwem und in einer Minute fertig, statt 20 Minuten Arbeit durch einen Grafiker.


Ich unterstütze euch bei PCGH wirklich gerne. Ich hatte über diesen Account schon mehrere PCGH-Abos. Es ist leider nur mein Zweitaccount, da ich keinen Zugriff mehr auf meinen ersten Account habe, mit dem ich seit 2006 angemeldet war. @PCGH_Raff kenne ich sogar schon seit 2003 aus dem 3DC.


Versteht mich bitte nicht falsch: Ich finde den Artikel und den Aufruf gut, unterstütze ihn und schätze eure Arbeit sehr. PCGH ist eine der wenigen Seiten, auf denen ich keinen Adblocker nutze. Aber mit KI-Bildern und weiterem KI-Einsatz richtet ihr euch am Ende ebenfalls gegen Mediengestalter und andere kreative Berufe.

PS: Es war auch sicherlich nicht mein letztes PCGH Plus Abo.
 
Ist bereits eingestellt bei meinen Google Accounts, ich weiß ja wo ich meine News zukünftig weiterhin herbekommen möchte.

Da fühlt sich nen PCGH Abo + PCGH - Plus/Pur doch direkt noch besser an.
Habe gehört das ist ganz empfehlenswert und wenn es selbst nur die digitale Plus/Pur Variante ist, an alle unentschlossenen hier :P
 
Ich sehe die Finanzierung der Medien eher in eigenen Produkten, Events und anderen Bereichen.
Nicht durch das eigene Medium bzw. Besucher der Webseite an sich – das ist ein Bonus, bei dem jegliche Information frei verfügbar ist.
Dabei unterscheidet sich PCGH keineswegs von einem YouTuber, der sich über Sponsorendeals, eigene Events, Merchandise und sonstige Produkte (siehe LTT Rücksack etc.) finanziert.
Ja, die Art der Medien unterscheidet sich - hier ist es eine eigene Webseite (als Haupt"kanal"), dort ist das überwiegend YouTube und Social Media. Das Resultat ist aber gleich, nur die Form ist anders.
Print-Medien werden sich also genau so finanzieren wie YouTuber, Streamer, Influencer und sonstige Gestalten die überwiegend online ihr Publikum erreichen.

"Print" ist nicht das Problem, es geht um Medien allgemein – mittelfristig inklusive Youtuber und Streamer. Das wir unseren Content auch auf Totholz via Post verkaufen, ist eine weitere Refinanzierungform und gerade diese ist von KI überhaupt nicht getroffen. Aber sie reicht schon lange nicht mehr aus, um eine Hardware-Redaktion am laufen zu halten. Da sitzen wir mit allen anderen Content-Produzenten im gleichen Boot und das heißt "Reichweite finanziert Inhalt". Auch "Sponsoren" sind keine Altruisten, sondern wollen Präsenz bei einer Zielgruppe. Kein Traffic, weil KI alles an sich zieht = keine Reichweite, die Webseiten oder Youtuber monetarisieren könnten. Und Merch verkaufen ist ohne Leser/Zuschauer auch schwierig.

Streamer könnten noch vergleichsweise glimpflich davon kommen, weil bei denen oft der Unterhaltungsaspekt stark überwiegt. Aber jedes Format, dass sich bislang über Information und Inhalt verkauft, steht vor einer Wand. Denn Information und Inhalt kann eine KI klauen und auf eigene Rechnung verticken.

Erstmal danke das du dir die Zeit genommen hast für diese ausführliche Antwort und dem Beitrag zu deiner Sichtweise! Erstmal schön zu sehen eine Antwort zu bekommen die länger als die üblichen 2 Zeilen die man gewohnterweise bei Kritik so bekommt...

Endlich mal einer, der sich nicht über tl;dr beschwert! :-)

Du versuchst mir zu erklären, warum die Medienbranche ein „Sonderopfer“ bringt. Wenn man deine Argumente aber logisch zu Ende denkt, merkt man, dass die Parallelen zu meiner Sichtweise viel größer sind, als du direkt zugeben willst...

Wo du recht hast:

"Der Punkt mit den Komponisten (Produzenten) vs. Nachspielern (Konsumenten/Reproduzenten"

Eine KI generiert kein neues Wissen. Sie kann keine Grafikkarte in ein Testlabor stecken, die Leistungsaufnahme messen oder den Kühler abschrauben. Sie braucht die Redakteure als „Komponisten“, die diese Primärdaten erst erzeugen.
Wenn Google diese Daten absaugt und dem Nutzer direkt anzeigt, bricht die Refinanzierung derer weg, die die Arbeit machen. Das ist in der Tat ein systemisches Problem, das es beim reinen Strukturwandel im Handwerk so nicht gibt: Ein Roboter in der Fabrik klaut nicht das Know-how des Schlossers, er ersetzt nur seine Muskelkraft. Die KI hingegen klaut das geistige Eigentum.

Das Resultat ist aber das selbe, jobs werden wegrationalisiert weil jemand es so möchte!

Aus Sicht des einzelnen Arbeiters kann man das so vergleichen: Derzeit ergeht es gerade ganzen Redaktionen samt angeschlossener Medienhäusern, wie einem einfachen Handwerker oder Hilfskraft, dessen Arbeit durch Automatisierung an eine Maschine übergeht.

Nur dass es für eine ganze Branche keine Arbeitnehmerrechte und keine Gewerkschaften gibt, wie sie Schutz vor einem Arbeitgeber gewähren. Google gegen Hardware-Redaktionen, das ist eher so wie 19.-Jahrhundert-Fabrikbesitzer gegen Waisenkinder.

Wo dein Vergleich gewaltig hinkt: Der Faktor Zeit und die „Bubble“

Du argumentierst, dass der Wandel bei den Musikern 80 Jahre gedauert hat, während KI die Medien in 80 Monaten überrollt. Und du trauerst der geschützten „Print-Bubble“ von vor 20 Jahren nach.

Und hier wird es fast ein bisschen arrogant gegenüber dem produzierenden Gewerbe, denn...

Die Globalisierung traf andere Branchen genauso brutal und schnell: Frag mal die deutsche Textilindustrie, die Fotofilm-Hersteller (Kodak) oder die Unterhaltungselektronik (Grundig, Telefunken). Als dort die Märkte globalisiert wurden und billigere, teils staatlich subventionierte Konkurrenz aus Asien den Markt überschwemmte, ging das oft nicht in 80 Jahren, sondern in weniger als einem Jahrzehnt.
Die „geschützte Bubble“ gab es überall: Jedes deutsche mittelständische Unternehmen hatte mal seine „geschützte Bubble“ (regionale Kunden, deutsche Qualitätsstandards, feste Verträge). Diese Bubbles sind in fast jeder Branche durch das Internet, globale Lieferketten und aggressiven Preiskampf geplatzt. Die Medienlandschaft durfte nur einfach ein paar Jahrzehnte länger in ihrer Komfortzone verweilen, weil Text digital schwerer zu monetarisieren war als physische Güter. Jetzt trifft euch der globale Wind eben mit Verspätung, dafür umso härter!

Nein. Hier verkennst du etwas, zu dem ich ausdrücklich Stellung bezogen habe:
Globalisierung bedroht nicht ganz Branchen, sondern nur deren lokale Abteilungen. Die Jobs bei verlierenden Unternehmen sind zwar in beiden Fällen weg. Aber für die Gesellschaft macht es einen großen Unterschied, ob sie durch einen besseren Ersatz verdrängt werden oder einfach zerschmettert. Es geht hier nicht um eine deutsche Redaktion. US-Hardware-Webseiten sind genauso von KI bedroht, wie japanische Hardware-Youtuber. Und mit ihnen chinesische Tageszeitungen, kongolesische Illustrierte und brasilianische Magazine aller Art.

Wenn eine KI oder ein Algorithmus deinen Job bedroht, nennst du es eine „großflächige Bedrohung der freien Medien“.
Wenn ein digitaler Store den Job einer Verkäuferin vernichtet, ist das für die Tech-Welt „Fortschritt durch Wettbewerb“!

Das ist eine Unterstellung, die ebenso falsch wie unerhört ist.

Fazit:
Dein Vergleich hinkt insofern, als dass Du den Medien eine historisch einzigartige Opferrolle zuschreiben möchtest. Du hast recht, dass das Absaugen von Inhalten durch KI eine neue Stufe der Piraterie ist.

Aber du unterschätzt völlig, wie rabiat, global und existenziell der Strukturwandel in den letzten 30 Jahren auch in fast allen anderen Berufen eingeschlagen hat.

Nein, ich spreche den Medien explizit keine einzigartige Opferrolle zu, sondern habe selbst einen Vergleich zu einer ähnlichen Situation gezogen. Ebenso sind die Branchen für Stallburschen und Telefonzellendesinfizierer verschwunden. Die Bedrohung für Medienbeschäftige ist durch die Beschleunigung zwar schärfer, aber das ist kein Sonderstatus, sondern einfach das neueste Beispiel. Wofür Tüftler und Industrielle früher 80 Jahre brauchten, macht die KI heute eben in 80 Monaten. Gut möglich, dass 2050 irgend eine Branche von einer Auslöschung binnen 80 Wochen bedroht wird – das wäre für die Beschäftigten noch härter. In den 2020ern sind "Medien" halt das neueste Opfer und die 2020er sind schnelllebiger als die 1980er.

Mein Post war aber kein Gejammer eines Betroffenen, als dass du es scheinbar lesen willst, sondern die Analyse eines Gesellschaftsmitglieds. Im Gegensatz zu deinen hinkenden Vergleichen werden nicht "deutsche irgendwas" von überlegenden "anderen irgendwas" ersetzt. Es geht um eine globale Branche, die ersatzlos vernichtet werden könnte. Weil eine Neuerung ihr die Lebensgrundlage raubt, ohne die Lücke qualitativ füllen zu können. So eine ersatzlose Vernichtung ist auch nicht einzigartig, aber sehr selten. Mir fallen spontan nur Beispiele mit massiver zwischenmenschlicher Gewalt ein und selbst diese sind oft alt oder national, nicht der KI-vs.-globale-Medien-Situation entsprechend. (Großgrundbesitzer in der Sowjetunion, Fluglotsen in Gaza-Stadt, Marine-Offiziere in Bolivien – kein Scherz – und Sklavenschiffkapitäne wurden alle von Ereignissen überrollt, statt von Konkurrenten verdrängt zu werden. Die kann man aber ganz sicher nicht mit Redakteuren vergleichen.)

Wo soll ich da anfangen? :devil: Wir halten hier mit dem Forum die Flagge für Stamm-User mit einem genialen Mod-Team und den Community-Managern Torsten und Jacky hoch. Wir bespielen Youtube mit steigendem Aufwand seit 2008 und haben dort über 200.000 Abonnenten und über 6.000 Videos. Wir haben weit über 1.000 PLUS-Artikel produziert, um uns unabhängiger vom Kiosk und von Google zu machen. Wir adressieren auch eine jüngere Zielgruppe über Instagram, TikTok und Youtube Shorts. Wir investieren Herzblut en masse in unsere Hardware- und Spieletests. Wir haben auch lange mit Partnern PCGH-Editions umgesetzt, was aber immer schwieriger wurde. Mit Krotus haben wir aber einen coolen Partner für PCGH-PCs - der Chef Christian kommt aus dem Extreme-Forum.

Bin echt überfordert mit der Frage, weil 20 Jahre sind halt eine LANGE Zeit. Da ist so viel passiert... Englische Webseite gab es ja auch mal... Helft mir mal, @PCGH_Raff und Co. ^^

Sonderhefte und Bookazines hatten auch das Ziel, "PCGH" auszuweiten, als bedrucktes Papier noch zählte. Ask-me-Anythings mit großen Herstellern waren nicht nur eine Werbemaßnahme für das Forum, sondern auch ein neuer Weg für AMD, Intel & Co, direkt mit ihren Endkunden in Kontakt zu treten. Wenn ich mich richtig erinnere, hat es Computec auch mal mit Fernsehproduktionen versucht, könnte aber Games-only gewesen sein. Was noch fehlt ist ein PCGH-Kinofilm, der PCGH-Freizeitpark und eine eigene Partei. Aber ich muss ehrlich sagen:

Keine der bisherigen Ideen war stark genug, um die Medienmacht Googles zu brechen.

Dafür reicht es nicht, viele Sachen ausprobieren und überall präsent zu sein. Dafür braucht man eine Idee, die stärker ist, als "weltweit beliebteste Suchmaschine", "primärer Zugang zum Internet", "Basis von 80 Prozent aller Smartphones der Welt" und "zweitlukrativstes Unternehmen der Welt mit entsprechendem Entwicklungsbudget".

Könnte eine halbe Kragenweite zu groß für PCGH sein.
 
Wir haben grundsätzlich schon ein Problem damit, wenn LLMs unsere Inhalte abziehen, zusammenfassen und direkt durchreichen, ohne dass wir in irgendeiner Form kompensiert werden. Es sind derzeit mehrere verschiedene Initiativen unterwegs, über die dieses Problem angegangen werden soll, unter anderem von der IETF und auch CloudFlare. Denn wir machen uns da nichts vor: Wenn die gesuchten Informationen vom Bot geliefert werden und sogar Nachfragen direkt dort möglich sind, die dann ebenfalls aus den von uns gelieferten Daten gefüttert werden, dann bekommen wir exakt niemals einen Klick, außer jemand rutscht beim Scrollen versehentlich auf einem der Zitate aus - der Zitatlink am Rand trägt weder Redaktion noch Infrastruktur. Wenn die LLMs also morgen auch noch irgendwo frische Artikel finden wollen, dann muss das Ökosystem hier dringend gefixed werden - d.h. es ist ein Lizenzierungsprotokoll für LLM-Training und RAG notwendig.

Google verschafft sich derzeit einen unfairen Vorteil insofern der reguläre Crawler auch deren Training befüttert. Wenn wir nicht ganz aus dem Google Search Index und Discover fliegen wollen, was beides für uns unverzichtbare Traffic-Zubringen sind, dann können wir den regulären Google-Crawler nicht blocken; Extended ist der RAG-Agent, wir würden es definitiv vorziehen, wenn wenigstens die Fragen zu sehr aktuellen Inhalten oder Deep Dives dann nicht auch noch direkt über den Bot laufen sondern vielleicht doch ab und zu auf unsere Seite kommen.

Es wäre natürlich auch eine Option, allen Crawlern freien Zutritt auf unsere Seiten zu erlauben. Wir zeichnen unsere Inhalte ohnehin schon sehr schön maschinenfreundlich mit JSON+LD aus und achten auch sonst auf alles, was nicht nur für SEO, sondern auch für GEO grundsätzlich relevant ist. Wenn wir also jetzt schon die Tore hochmachen - warum genau sollte dann irgendeine LLM-Company irgendwo noch das Bedürfnis verspüren, uns für unsere Arbeit und natürlich auch die technischen Kosten zur Bereitstellung dieser Arbeit zu bezahlen? D.h. wir sponsern deren Geschäftsmodell mit den von uns erarbeiteten Inhalten, zahlen Entwicklung, Wartung, Serverhardware und Strom, um denen alles mundgerecht zu servieren - und bekommen dafür: Nichts? Und wir reden hier nicht von ein bisschen Traffic, der Bot-Traffic - trotz robots.txt - hat in den letzten Jahren massivst zugenommen, der übersteigt den regulären User-Traffic längst bei weitem.

Momentan sieht es so aus, als hätte jemand ein paar richtig fette Barsche ins Guppy-Becken gesetzt. Die sind auch hübsch, fressen halt die Guppys und was mit denen und den Guppys ist, wenn alles zu Barsch-Exkrement verdaut ist, darüber machen wir uns dann halt vielleicht mal morgen Gedanken. Also wenn die Guppys verschwunden sind und das Aquarium so gut wie leer und die Barsche sich gegenseitig hungrig beäugen.

Kurz gesagt: Wir haben nichts gegen KI oder Auffindbarkeit. Aber das aktuelle Modell läuft darauf hinaus, dass Content-Produzenten die komplette Wertschöpfung vorfinanzieren, während die eigentliche Nutzung und Monetarisierung woanders stattfindet. Und das kann auf Dauer für das offene Web schlicht nicht funktionieren.

Was für eine sachliche und ausführliche Antwort! Hut ab und sogar noch was gelernt, lieben Dank. Und genau da ist auch der nachvollziehbare Punkt: Redaktioneller, tagesaktueller Content vs. Statischer/Evergreen Content. Mit irgendwas müsst ihr eure Brötchen ja auch verdienen. Will nicht wieder die DAX-Nummer ziehen, aber da hat man es (leider) mit Brand Traffic deutlich leichter.

Die Zero-Click Geschichte über LLM Citations spaltet die SEO/GEO-Welt aber auch nach wie vor: Ist man froh, die eigene Botschaft zu positionieren und auf Klicks zu verzichten vs. Traffictreiber mit Ads, was eure Jobs letztlich subventioniert (... und nicht bezahlt, weil das sicher nicht ausreicht).

Leider hat sich Google schon immer unfaire Vorteile verschafft: "Schreibt das in eure JSON-LD und wir ranken euch besser." War auch so. Ich meine mich an einen Fall erinnern zu können, wo Versicherung gehorsam gezeigt haben und dann von Google aufgrefressen wurden, nachdem genug Daten vorhanden waren. Da waren LLMs noch weit weg.

Meine bitterböse Mutmaßung ist leider nur: Machst du nicht deine Tore hoch, macht es jemand anders. Ob das in Zukunft belohnt wird oder ob der Wettbewerb genauso leer ausgeht, weiß momentan leider niemand.

Der Bot-Traffic hat bei uns bislang mit 40% reingehauen. Sichtbarkeit läuft aber (noch) gut. Dankbarerweise - s.o. zum Thema "Brand Traffic".

Ich wünsche dem gesamten freien Internet nur das Beste und auch ne Menge Hirn und Neugier, wie ein LLM funktioniert und hoffentlich auch mit der Einsicht, dass es im Grunde nur auf statistischer Wahrscheinlichkeit funktioniert - Layer hin oder her: Es ist den meisten Menschen nicht bewusst. Für mich persönlich habe ich aber größte Bedenken, dass wir in die Gute alte Zeit zurückkehren werden.

Ich habe aber auch Hoffnung, dass sich jegliche Modelle mit dem eigenen oder selbstproduziertem Slop speisen und irgendwann explodieren. Wer sich den "Fortschritt", der auch häufig als Rückschritt der Modelle bezeichnet werden kann, mal etwas genauer anschaut, sieht jetzt schon die ersten Probleme.

Long Story short: Meinen daily direct Traffic als Experte habt ihr bereits vor langer Zeit gewonnen. Und die Print-Version gibts auch häufig on Top. Wenn alle Stricke reißen, kehren wir wohl zu den good old Times zurück und ich haue nen Jahresabo raus. Und auch die Konzerne werden dann nicht drumherum kommen auf Image zu gehen und die Performance-Geschichten auszublenden.

Auf die nächsten 50 Jahre PCGH, auch wenn ich dann vermutlich aus dem Thema raus bin :)
 
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