Gibt's den Defender auch für Linux?
Leider ja. Er heißt Microsoft Defender und scheint aber ein kommerzielles Produkt zu sein. Ich sage sicherlich nicht, dass es keine Viren für Linux gibt. Die Verbreitung als Desktop System nimmt auch zu, also wird es eventuell attraktiv. Aber man sollte sich fragen, wovor man sich
konkret eigentlich schützen will. Man könnte das System mit Selinux und vernünftigen Berechtigungen härten. Android macht das ziemlich gut. Jede App ein Benutzer. Da passiert nicht viel, wenn man die Berechtigungen über das Framework nicht erteilt.
Ich bleibe bei meiner Meinung: Virenscanner sind Schutz für Leute, die sich nicht auskennen. Das kostet Rechenleistung und verursacht Latenzen. Ist dann halt so.
Wer Rechnung.pdf.exe nicht selbst als bösartig erkennt, sollte das unbedingt benutzen. Wer den beiliegenden Crack zum Spiel nicht bei Virustotal hochlädt, um zu prüfen, ob da was dran sein könnte... Sollte darüber vielleicht nachdenken.
Wer regelmäßig im Netz nach gratis Zeug sucht, das zu gut klingt um wahr zu sein, und vermeintlich fündig wird, sollte das nutzen.
Wer eigentlich nur auf den gängigen großen Seiten wie Facebook, Wikipedia, Nachrichtenseiten und Co unterwegs ist, bräuchte wohl vor allem einen Werbeblocker.
Wenn eine schädliche Datei auf den Rechner gelangt, sollte man sich fragen, wie die dort hingekommen ist Wenn sie auch noch ausgeführt wird, sollte man sich erst recht fragen, wie. Aus der Browser Sandbox auszubrechen und mehrere Exploits in Reihe zu verwenden, sind doch eher aufwändige Angriffe, die man eher gegen große Ziele wie Unternehmen und Regierungen verwenden würde - oder teuer auf dem Schwarzmarkt verkauft. Somit lautet das Fazit: Virenscanner schützen überwiegend vor der Unwissenheit und Naivität des Benutzers. Kann man machen, sehe ich aber nicht als Pflicht an.
P.S.: Das Thema lässt sich sehr breit diskutieren und ich hab es nur kurz und salopp angeschnitten. Aus professioneller Erfahrung kann ich aber sagen, dass viele Leute schon vor CVEs einknicken. Kommt mal wieder ein Exploit mit krassen Namen, Logo und Webseite daher, brennt der Laden und alle fangen an, panisch im Kreis zu rennen und "wir müssen sofort patchen" zu skandieren. Finde erst mal eine Remote Code Execution (RCE) Lücke. Wichtig bei solchen Lücken ist, dass entsprechende Entwickler die Zeit bekommen, Patches bereitzustellen. Responsible Disclose und gut ist. Dann kommt die Lücke hoch und ehe jemand überhaupt dazu kommt, großflächig Angriffe zu fahren, werden (auch langsam) Patches ausgerollt. Die ganze Aufregung hat jedoch den schönen Vorteil, dass mögliche Angreifer gar nicht erst angreifen, weil die Erfolgsquote sehr gering scheint. Auch nicht schlecht.