Tut AMD das denn? Deren High End Desktop Plattform ist doch Sockel sTR5, womit AM5 automatisch darunter, also in der Mittelklasse einzuordnen ist.
Edit
Ich war einer von denen die sich beim Wegfall der vielfachen PCIe x16 slots beschwerten und bei Einführung des lanesharing erneut.
Damals hab ich sogar eure Tests kritisiert, weil auch ihr meintet, dass es so doch für die meisten locker reichen würde. Tatsächlich bin ich der Meinung, dass ihr und andere Redaktionen diesen Zustand mit gefördert habt. Ihr hättet AMD und jeden MB Hersteller offen und überdeutlich kritisieren sollen.
"HEDT"-Plattformen waren, paradoxer Weise, immer über den Enthusiast-Bereich definiert. Sockel 1366 deckte zwar auch High-End mit ab und 2011-v3 reichte sogar bis in die Oberklasse, aber andere "HEDT"-Klassiker wie 2011 oder 2066 waren oberhalb der High-End-CPUs ihrer Zeit angesiedelt und die Ursprünge bei 771 und F waren sogar reines Enthusiast. In Gegenrichtung gehörte oft Workstation mit dazu und TR5 ist genau das: Workstation pur. AMD macht Workstation-Preise, AMD promotet ihn mit Workstation-Benchmarks, AMD stellt ihn gegen Intels Workstation-Xeons und ehrlich gesagt versagen die Threadripper in klassischen Enthusiast-Szenarien, also zum Beispiel "kann auch Spiele" weitestgehend. => Nein, das ist kein High-End.
Umgekehrt ist ein 9950X3D2 garantiert mehr als "Mainstream" oder "Oberklasse". Und AMD kennt sogar "high-end AMD Ryzen™ APUs".
Bezüglich deiner Kritik an unserer Berichterstattung: Lane-Sharing gibt es seit 22 Jahren. Ich kann mich nicht erinnern, was meine Vorgänger damals geschrieben haben, fühle mich aber definitiv nicht verantwortlich.^^
Den Wegfall von brauchbaren HEDT-Plattformen und Mainboards mit PCIe-Switches habe ich dagegen mehrfach öffentlich bedauert. Es gibt einen Unterschied zwischen der Erklärung "viele brauchen das sowieso nicht und es für wenige nachzurüsten wäre schweineteuer" und einer "Förderung". Bei allem Gemecker darüber, dass Skylake X und Threadripper nicht für Enthusiasten taugten und X570 oder Z390 kein vollwertiger Ersatz für X99 waren, können aber auch nicht leugnen, wie die Leute mit ihren Füßen abstimmen: Wurden Z270 und Z370 gegenüber X370 und X470 bevorzugt oder im Gegenteil B350 und B450? Z790, X670E oder B650? Z890, X870E oder B850? Mit Ausnahme des X570, zu dem AMD gezwungen hat und über dessen Preis/Verbrauch/Größe viel geschimpft wurde, und kurzzeitig dem Z690, der wegen OC-Sperren auch als alternativlos erachtet wurde, hat in den letzten bald 10 Jahren nie die bestausgestattete Plattform das Rennen um die Kundengunst gewonnen, sondern immer abgespeckte Varianten. Meist sogar die billigste Lösung überhaupt, die noch keine Tuning-Sperren mitbringt.
Du erliegst an dieser Stelle zum Teil allerdings auch einem Trugschluss, eigentlich mehreren:
1. Es gibt einen Unterschied zwischen dem, was man heute oder morgen wirklich braucht, was man meint zu brauchen und dem, was man am Ende wirklich braucht.,
2. Es fehlt einn Angebot an "hochqualitativen" jedoch auch "einfachen" Mainboards. Und mit hochqualitativ meine ich eben an der Stelle auch, dass manche Komfortfunktion für DIY-Bastler mit dabei sind, dass eine hochwertigfe Onboard-Soundlösung verbaut wird, dass z.B. auch eine LED oder gar Segment-Anzeige vorhanden ist für Fehlercodes, das eventuell auch die passende Menge an Lüfteranschlüssen mit den passenden Controllern verbaut ist.
Wenn man also bestimmte Dinge haben möchte, muss man zwangsweise zu den größeren Boards greifen. Auch für viele Komfortfuntkionen musst du zu den größeren Boards greifen und musst entsprechend die größeren Chips mitnehmen. Bei Intel war es ja sogar so, dass du für bestimmte Funktionen auch bestimmte Chips kaufen mussstest.
Was an der Stelle ja auch daran liegt, dass die Mainboard-Hersteller möglichst viele Funktionen "unterbringen" wollen, sich gleichzeitig aber nicht die Gedanken machen was dann wirklich sinnvoll ist. Da wird dann ein dritter oder vierter PCIe-16x Slot auf das Board mit PCIe-4x getackert, der sich dann mit einem NVMe die Lanes teilt, obwohl theoretisch 2 oder 3 M2 Anschlüsse sinnvoller wären.
Ich würde ein Mainboard mit B850/X870 feiern, dass dass den ersten üblichen Slot "frei" lässt, danach 1 - 2 PCIe-1x Slots - auch gerne Physisch breiteter - für interne Karten, dann den PCIe-16x für die GPU, damit die eben "freier" atmen kann und noch 2 oder 3 M2-Slots hat, den ersten mit PCIe5, die anderen gerene PCIe4. Passende Netzwerkbuchse, Komforfunktionen und passende "Kühlkörper" und genug PWM-Anschlüsse. Gibt es in der Form allerdings so nicht - und ja ich bin da auch ein Sonderfall. Aber um gewisse Funktionen zu habebn, muss ich zu X870 greifen und nutze dann gefühlt 2/3 aller Möglichkeiten nicht und muss allerdings doch abstriche machen, weol das Lane-Sharing voll für den Popes ist.
Hier wirfst du aber eine ganze Menge durcheinander und einiges davon ist auch, dass muss ich leider so sagen, kurzsichtig:
- Sich für zukünftige Eventualitäten zu rüsten beinhaltet natürlich Overprovisioning. Genau deswegen sind "reicht ebenso"-Plattformen doch ein Problem.
- Aus den Ressourcen eines ×4-Slots lassen sich keine drei M.2-Anschlüsse machen (respektive: sie wären richtig lahm) und einen ohne eigene Ressourcen kann man allenfalls weglassen. Was viele Designs machen – mangelnde Auswahl haben derzeit vor allem User, die lieber Erweiterungen statt M.2 hätten.
- PCIe 5.0 ist anspruchsvoll, die Leiterbahnen vom ×16 zur CPU sollten möglichst kurz und störungsfrei verlaufen. Ihn ganz weit unten zu platzieren ist ohne teure Zusatztechnik gar nicht möglich; weit unten erfordert besonders hochwertiges Platinenmaterial. Zusätzliche Slots oberhalb, deren Leiterbahnen über Kreuz zum I/O-Hub unten rechts müssen, verkomplizieren die Sache weiter. Aus rein technischen Gründen können deine Wünsche also nur auf teuren Halo-PCBs (und entsprechend kosten. OCF, Apex und Tachyon haben entsprechend oft oft einen ×4 über dem PEG.
- X870 unterscheidet sich von B850 nur im zusätzlichen USB4-Controller. Wenn man den will, muss man halt X870 nehmen, weil der X870 definiert. Wenn nicht, dann bieten praktisch alle Hersteller ein B850 auf dem Niveau ihrer Top-X870 an.
- Zu diversen Sonder- und Qualitätswünschen muss ich mal klarstellen: Ein High-End-Board ist nicht hunderte Euro teurer, weil ein Top-I/O-Hub darauf sitzt, sondern weil es ein High-End-Board ist.
AMD macht leider keine Angaben, aber bei Intel ist der Z890 um 26 US-Dollar teurer gelistet als der B860. Da Großabnehmer immer ordentliche Rabatte kriegen, kann man fest davon ausgehen, dass der Abstand zwischen X870E und B850 im Einkauf nicht größer, sondern kleiner ist. Man könnte ein 500-Euro-Flaggschiff also auch für 480 Euro anbieten. Respektive: Wenn man die ganzen Ports runterschmeißt, für die beim B850 schlicht eine Anbindung fehlt für 470 Euro; wenn man sie umgekehrt via Sharing und Hubs teilweise nutzbar macht, für 490 bis 510 Euro. Aber die High-End-Spannungswandler, der High-End-Sound und das High-End-PCB für High-End-RAM-Anbindung (und ggf. für gekreuztes PCIe-Routing zwecks High-End-Layout) werden dadurch keinen Cent billiger. Am Ende hat man dann ein Produkt, dass wegen quantitativ weniger Ausstattung und fehlendem "Top Produkt"-Nimbus deutlich weniger attraktiv ist, aber fast genauso viel kostet. Angeblich war das mit ein Grund, warum Gigabyte B650E Tachyon nie in den freien Verkauf ging – der Abstand in der Ausstattung zu Asus' direkt konkurrierenden X670E Apex war zu groß respektive der erzielbare Preisvorteil zu klein. Wenn man den etwas höher platzierten Nachfolger X870 Tachyon und Asrocks X870E Taichi OCF vergleicht, kann man das erneut nachvollziehen.
Ich feiere jede Platine, die trotzdem mal aus dem Einheitsbrei ausschert und "hochwertig, aber schlank" oder auch umgekehrt "viel Ausstattung billigstmöglich" umsetzt. Und ganz besonders freuen mich Platinen, die einfach mal ungewöhnliche Wünsche am Rand dazu packen, egal ob ein paar ×1-Slots extra, Legacy-Anschlüsse oder besondere Zugänglichkeit. Man muss aber auch sehen, dass der Mainboard-Markt knallhart ist. Eine Platine, die wegen ein paar Sonderwünschen 5 Euro teurer als ein Durchschnittsgeschmack-optimiertes Konkurrenzprodukt ist, ist für die Mehrheit zweite Wahl. Und wer signifikant weniger verkauft wird, steckt ganz schnell in einer Teufelsspirale aus "Entwicklungskosten auf kleine Stückzahl umlegen" und "noch weniger verkaufen, weil man noch teurer als die Konkurrenz ist". Man gucke sich beispielsweise die Preise für NZXT aka "Asrock-Platine mit Sonderwunsch: Cleaner Look" an. Viele für sich genommen triviale Sonderwünsche werden deswegen erst alle auf einmal bei den Luxus-Modellen befriedigt, weil hier "all in" Pflicht ist – aber halt leider auch teurer.
Wo ich dir übrigens voll recht geben respektive seit vielen Jahren bei jedem neuen Plattformlaunch (und davon gibt es bekanntermaßen viele^^) Änderungen fordere: Der Zwang zu Zx90 macht Tuning bei Intel unnötig teuer. Aber genau das könnte sich jetzt mit dem Z970 ändern, der abseits der OC-Freischaltung wohl einem B-Modell entspricht. Das mit ein Grund, warum ich AMD unter Zugzwang sehe, denn B850 (kein USB4, zu wenig 3.2 um das zu kompensieren) und X870 (nix außer USB4) verlieren schon heute auf dem Papier gegen B860 und B960/Z970 sollen noch einmal nachlegen. Aktuell sind Mittelklasse-Tuner zu AMD gezwungen, aber wenn diese Sperre tatsächlich fällt, werden die Karten neu gemischt. (Auf Mainboard-Ebene. Es gibt natürlich unabhängig davon bei den CPUs viele Gründe, sich auf den einen oder den anderen Sockel festzulegen. Aber das ist keine Entschuldigung, sich auf mäßigen Platinen auszuruhen.)
Letzterer hat endlich mit günstigem Chip freigeschaltet was man dem B450 verboten hat, ersterer hat mal wieder verboten bekommen aus der CPU das raus zu holen was vollkommen unabhängig von ihm möglich ist.
Also vollkommen verschiedene Voraussetzungen welche nichts mit den Features des eigentlichen Bauteils zu tun haben.
Meine persönliche Gaming Maschine würde jedenfalls immer noch mit dem reinen SOC + einem schnöden USB 2.0 Hub auskommen. Ganz ohne Zusatzchip.
Edit: Die aktuelle Umfrage stützt imo meine Theorie, dass PCIe Freischaltung und nicht sonstige Anschlüsse gekauft werden:
B850 und B650E(Leider ohne E non E Aufschlüsselung) führen.
Genau das ist doch aber der Punkt: Die Mehrheit "braucht" zum Beispiel PCIe 5.0 doch "gar nicht". Sowohl den hier geäußerten Bekundungen als auch Messungen nach bringt es einfach wenig, kostet aber einige Euro Aufpreis. Daher wurde durchaus logisch argumentiert, dass doch eigentlich viel günstigere Platinen "ausreichen" würden.
Die von mir dagegen gestellte Beobachtung ist aber eben, dass niemand "ausreichend" kauft. Vor die Wahl "hochwertig" oder "billig" gestellt, entscheidet sich die überwältigende Mehrheit für "hochwertig".