Wie ich schon schrieb war das nur eine optimistische Schätzung.
Ja möglich. Aber die Zukunftsaussichten für AMD sind ja zum jetztigen Zeitpunkt positiv.
Die Entwicklung von Aktienkurses hängen nicht direkt von den Zukunftsaussichten ab, sondern eher ein-zwei Meta-Ebenen weiter von deren Entwicklung oder gar der erwarteten Entwicklung. Das es AMD heute gut geht und man leicht sehen kann, dass es AMD auch in näherer Zukunft gut gehen sollte, bedeutet nichts weiter als der Aktienkurs schon heute einem gut gehenden Unternehmen angemessen ist und in Zukunft dem eines gut gehenden Unternehmens entsprechen wird – also sein Niveau halten. Für steigende Kurse muss man ein Unternehmen finden, dem es in ein paar Jahren deutlich besser gehen könnte. Das war bei AMD Anfang 2017 der Fall: Die vorhandenen CPUs waren grottig, die Grafikkarten auch nicht voll konkurrenzfähig. Also war der Kurs mies. Die kommenden Produkte versprachen aber deutliche Verbesserungen und damit einen Kursanstieg.
Die große Kunst besteht darin, derartige Versprechen korrekt in "glaubwürdig" und "unglaubwürdig" zu unterteilen. Ich habe Anfang 2017 weder gelaubt, dass AMD die Ryzen-8-Achtkerner zu Preisen unterhalb von Intels Sechskernern anbieten und damit auch noch Gewinn machen kann, noch dass die komisch zusammengestückelten Epycs monolithische Xeons, die sich ja zudem auch noch in weit größerer Zahl je Node einsetzen lassen, aus dem Markt drängen. Und schon gar nicht hätte ich erwartet, dass man zwei Jahre später noch einmal derart konsequent nachlegen kann, weil TSMC einen Run und Intels Fabs eine NOCH länger anhaltende Krise haben. Umgekehrt konnte man nach so vielen Jahren nicht wirklich eingehaltener Versprechen im GPU-Segment durchaus befürchten, dass AMDs 2016er Haupteinnahmequelle noch weiter hinter Nvidia zurückfällt und man bei der nächsten Konsolengeneration technisch soweit zurückfällt, dass trotz Dumping-Preisen jemand anderes den Zuschlag erhält. Rückblickend ist es natürlich leicht, die korrekten Indizien zu sehen und fasst sich an den Kopf, wieso man nicht bei 2-4 Euro eingestiegen ist. Aber aus damaliger Sicht hätte es auch ebenso gut passieren können, dass AMD 2-4 Jahre später für 20 Cent pro Aktie von einem chinesischen Staatskonzern aufgekauft wird, der die Patente haben will.
Stand heute würde ich jedenfalls eher in Intel denn in AMD investieren, wenn ich Geld über habe. Denn viel tiefer als mit 14 nm+++++ können erstere eigentlich kaum noch sinken, von ADL hört man zuletzt nur positives, die Roadmap gegen TSMC wäre schon eine Verbesserung, wenn man sie nur halb so schnell umsetzen könnte wie versprochen und bei den aktuellen Preisen kann man selbst schlechte Grafikkarten lukrativ verkaufen, wenn man sie endlich mal auf den Markt bringt. Zumal Intel die gebuchten TSMC-Kapazitäten auch noch doppelt als AMD-Blockade abrechnen kann – selbst wenn sie Xe zum Selbstkostenpreis verramschen müssten (die Entwicklung der EUs wurde ja schon für die IGPs bezahlt), profitieren sie, weil entsprechend weniger Ryzens gefertigt werden können. Also kurz: Gerade wenn eine Firma am Boden liegt, sind die Chancen auf Kursanstiege am besten. Man muss nur zwischen den Firmen unterscheiden können, die gerade wieder aufstehen und denen, die gerade verwesend im Boden versinken.
