So, nach meinem Netzteiltest mit dem LC-Power habe ich die Erlaubnis bekommen das Netzteil weiter zu geben. Ich habe einen Bekannten der einen kleinen Server besitzt in dem lauter alte Festplatten stecken. Der Server läuft wohl 24/7 durch, als Netzteil kommt allerdings ein altes Trust von 2008 zum Einsatz. Ich habe ihn natürlich vor den Risiken gewarnt, aber aus Geldmangel hat er sich noch kein neues Netzteil gekauft.
Jetzt hab ich mit ihm den Deal gemacht das er das LC-Power umsonst bekommt, wenn er mir im Gegenzug sein altes Trust zuschickt. Heute ist es eingetroffen, das Ergebnis seht ihr nun
Es handelt sich um ein
Trust PW-5250, hergestellt Mitte 2008. Das Netzteil wird tatsächlich
noch verkauft!
Das Trust wurde in einem Raucherhaushalt verwendet, entsprechend sieht auch der Zustand aus. Dies ist auch ein Grund warum ich es nicht in Betrieb nehmen werde, da ich Nichtraucher bin. Nach dieser Untersuchung werde ich die äußeren Kabel des Netzteils abschneiden und das Netzteil da hinschicken wo es hingehört: In den Sondermüll.
Das Netzteil wirkt auf dem ersten Blick sehr klein, der Lüfter ist ein 120mm Modell. Die glänzende Oberfläche des Netzteils sieht ziemlich schick aus, wobei sich das Nikotin schon großflächig breit gemacht hat.
Der Aufkleber. Satte 192W auf der 12V-Schiene zeugen nicht grade von einem modernen Netzteil. Trust hat hier einfach alle Schienen zusammen gerechnet, in der Realität dürfte dem Netzteil spätestens bei 250W Belastung die Puste ausgehen.
Die Kabel. Nun ja, keine PCI-E Stecker für die Grafikkarte, kaum SATA-Stecker und viele Floppy, sowie Molex-Stecker. 2008 galten eben noch andere Maßstäbe
Der Lüfter. Der Staub ist sehr klebrig und lässt sich kaum entfernen, daher Sorry für die "Unordnung"
Das Innenleben. Der Staub hat sich großflächig breit gemacht und verdeckt eigentlich jedes Bauteil. Oben rechts sieht man die passive PFC-Spule, da war schon 2008 nicht mehr zeitgemäß.
Die Primärseite. Zu den Caps komme ich gleich noch :>
Die Sekundärseite, viele Bauteile, viel Chaos. Trotzdem wurden einige Bauteile nicht realisiert, viele Stellen auf der Platine bleiben frei. Oben sieht man die Eingangsfilterung mit einer Spule, einem X-Kondensator und zwei Y-Kondensatoren.
Die Primärcaps kommen von der Marke Fuhjyyu und sind mit 680 Mikrofarad bei 200V spezifiziert. Fuhjyyu ist nicht für seine hochwertigen Caps bekannt, eher im Gegenteil.
Auf der Sekundärseite kommen durchgehdn Caps mit der Aufschrift "BH" zum Einsatz(mit Pfeil markiert). Diese Marke kenne ich nicht, kann da jemand mehr zu sagen?
Oben rechts könnte sich ein Chip mit den Schutzschaltungen befinden, dieser wurde allerdings zur Hälfte vom Hersteller zu gekleistert. Die Aufschrift des Chips lautet: "EST7610", mehr konnte ich nicht entziffern. Google brachte mich darauf auf einen Chip von Enhanced, der als "Voltage Regulator" beziffert wird. Schade, doch keine Schutzschaltungen ab Bord
Eine Schutzschaltung hat sich dann doch noch auf die Platine retten können, eine Schmelzsicherung. Mehr konnte ich aber nicht finden, das Netzteil kann man also spätestens an dieser Stelle als "Chinaböller" zertifizieren. Ein Wunder das seit 2008 alles gut ging.
Einen Hersteller konnte ich auf der Platine nicht entdecken, dieser traute sich wohl nicht seinen Namen dafür her zu geben. Eine Platinenbezeichnung habe ich dann doch noch entdecken können, diese lautet: XHY-400QS-BC REV 1.2
Google brachte mich an dieser Stelle allerdings nicht weiter.
Noch einmal zur Sekundärseite, die 12V-Rail die Trust verspricht ist tatsächlich vorhanden

Es wäre auch noch Platz für eine zweite 12V-Rail gewesen, die Trust aber nicht nutzt. So bleiben auf der Platine so einige Stellen frei.
Kommen wir nun zur Lötqualität. Nun ja, toll siehts hier nicht aus, viele Stellen wirken zu heiß gelötet.
Die Kabelenden wurden professionell gekürzt, indem sie einfach zur Seite gebogen wurden.
So spätestens jetzt sollte eigentlich jeder merken, das man nicht am Netzteil sparen sollte. Für 20-25 Euro bekommt man eben nur das was man bestellt
