Nachdem mein letzter Blog schon über etwas ausgefallenere Wege berichtete, wie man Akkulaufzeiten von Smartphones mit Routereinstellungen teilweise deutlich verlängern kann muss ich erneut auf das leidige Thema Handyakkus eingehen – in Form eines Rants über Google und deren Unfähigkeit, nutzerfreundliche und simple Ladestrategien anzubieten.
Erst wie üblich ein paar Hintergründe über das Thema um alle abzuholen, die vielleicht etwas weniger nerdig unterwegs sind.
Für die meisten Menschen gestaltet sich die Strategie ihres Smartphoneladens etwa so: „Wenn ich ins Bett gehe oder der Akku leer wird stecke ichs an bis ich aufwache oder ich das Handy wieder brauche.“ Das Problem an diesem maximal nutzerfreundlichen Verhalten ist technisch gesehen, dass (Lithiom-Ionen-)Akkus viel schneller verschleißen, wenn sie sehr voll oder sehr leer sind, einfach weil das nennen wir es mal chemische Ungleichgewicht dann besonders groß ist. Ein Handy also abends anzustecken, in ein, zwei Stunden auf 100% zu laden und dann da zu halten bis der Besitzer 6 Stunden später aufwacht und es nutzt ist also so ziemlich der worst case für den Akku.
Nun sind die Hersteller nicht blöd und haben, bei manchen nicht zuletzt weil sie von der EU dazu gezwungen werden ihre Akkus haltbarer zu gestalten, automatische Tricks eingebaut um den Effekt zu minimieren. Viele werden Funktionen wie adaptives Laden kennen, bei denen das Gerät lernt wann sein Beitzer normalerweise aufsteht und den Akku erst kurz vorher volllädt um langes halten auf 100% zu vermeiden. Coole Sache.
Wenn man aber nun einer derjenigen ist, die sein Handy gerne viele Jahre lang benutzen wollen, etwas mehr technikaffin ist und auch keine etlichen Stunden Bildschirmzeit am Tag benötigt gibt es noch die Option, den Akku generell nie ganz vollzuladen und damit seine Lebensdauer bedeutend zu verlängern. Ebenfalls coole Sache. Und hier beginnt das peinliche Rumgeeiere von Google.
Als ehemaliger Sony Xperia Nutzer bin ich es seit 10+ Jahren gewohnt, dass man in den Einstellungen wählen kann, wo der Ladeschluss seines Gerätes liegen soll. Im Menü wird erklärt dass weniger voll laden schondener ist und die Lebensdauer des Akkus verlängert (insbesondere die letzten paar Prozent von 95 bis 100% sind „schlimm“, ob 80 oder 90% ist dagegen weniger relevant) und der Nutzer wird gefragt wie ers haben will. Ich habe dort immer „90“ eingetragen. Das Ergebnis davon: Wenn ich das Handy anstecke fährt es seinen normalen Ladezyklus ab bis 90%, wartet noch 10-15 Sekunden und meldet fertig, stoppt den Ladevorgang und geht in den Bypass, bedeutet der Akku wird praktisch getrennt und das Handy bezieht seine Leistung so lange es angestöpselt bleibt rein aus dem Ladegerät. Beim Laden werde ich immer darauf hingewiesen, dass grade eine Grenze bei 90% gesetzt ist und wenn ich möchte könnte ich per Knopfdruck dieses eine mal auch auf 100% laden wenn man weiß dass es heute nötig ist. Also alles in allem ganz hervorragend gelöst. Ist ja auch wirklich kein Hexenwerk. Oder?
Dann hab ich mir ein Pixel gekauft. Ich dachte das kann nicht deren Ernst sein. Basics, die Sony seit etlichen Jahren völlig selbstverständlich und ausgereift anbietet sind hier unfassbar schlecht bis gar nicht umgesetzt und mit jedem Update wird es gefühlt schlimmer. Aber der Reihe nach.
Google bietet ebenfalls die Option, seine Ladung zu begrenzen um den Akku zu schonen. Gut. Wo kann ich bitte meine gewohnten 90% eintragen? Geht nicht. Google bietet 100% oder 80% Nichts dazwischen. Warum? Weiß keiner. Na gut, dann halt 80. Ich stecke das Gerät an, es lädt ohne jede Info bis 100. Eine Recherche ist nötig um herauszufinden, dass das Gerät das ab und zu macht zum Kalibrieren (mein Xperia brauchte das kurioserweise niemals trotz vielen Jahren Nutzung - ungenau wurde die Anzeige trotzdem nie).
Ok. Zweiter Versuch. Das Pixel lädt tatsächlich bin 80%. Immerhin. Irgendeine Info auf dem Bildschirm ob grade 80 oder 100 das Ziel ist findet man genauso wenig wie den „dieses mal bitte voll laden“ Button der so praktisch war. Wer das Ladegerät abzieht findet sich fast sofort bei 79% wieder. Das zeigt, wie undurchdacht all das programmiert ist: Während das XZ1 Compact vor 10 Jahren schon nach erreichen der Zielmarke noch ein paar Sekunden weitergeladen hat hat das Pixel einfach Eine Programmzeile „if 80 then stop“ drin. Das ist mehr als ein kosmetisches Problem, denn wenn der Akku der nur ganz knapp die 80 erreicht hat auf 79% fällt, beispielsweise wenn die Chemie sich etwas beruhigt hat, startet der Ladevorgang wieder für gefühlte 3 Sekunden weil es soll ja bis 80 geladen werden! Diese „Minizyklen“ 79-80-79-80-79-80 sind natürlich auch ziemlich furchtbar für einen Akku – aber auf die simple Idee, auf „80,5%“ zu laden kommt Google offenbar nicht. Stattdessen gabs mit dem Update vom März 2026 die nächste Änderung die mich fast vom Stuhl kippen lässt:
Nun ist es so, dass bei aktiviertem Ladecap von 80% das Pixel nur bis 77% lädt und danach seine Ladegeschwindigkeit auf 1 W (ja, EIN Watt!) reduziert und damit die letzten 3% in so ungefähr 45 Minuten lädt. Und das ist kein Bug, das ist laut Google ein gewolltes Feature! Wo genau der Vorteil sein soll erklärt sich nicht wirklich (und auch niemand von Google erklärt es). Achja und selbstverständlich hat der Nutzer keinerlei Wahlmöglichkeit, wo kämen wir denn da hin.
Was hat man nun als Nerd für gute Optionen? Eigentlich keine echten sofern man weiter beim Pixel bleiben will. Klar, mir persönlich reichen auch 20-77% Akkuhub für einen normalen Tag problemlos als Wenignutzer, aber für Leute mit mehr Nutzung die dennoch nicht mit Gewalt ihren Akku mit 100% verschleißen wollen bleibt eigentlich nur, die Ladebegrenzung zu deaktivieren und manuell bei etwa 90% rum das Kabel zu ziehen (oder mit kleinen Extragimmicks wie dem „Chargie“ das automatisiert erledigen zu lassen – schlimm genug dass es sowas geben muss weil Hersteller zu stur sind dem Nutzer freizustellen bis wohin er laden will.
Also rattern wir die Akkus doch wieder randvoll weil die Funktionalität um das zu vermeiden so verdammt schlecht implementiert ist. Aber moment – dann gehen die Akkus ja schneller kaputt als die EU anordnet! Natürlich gibt’s dafür auch die „Google-Lösung“: Nach dem 200. Ladezyklus beginnt das Gerät ungefragt eigenständig, heimlich und nicht abschaltbar damit, die 100% nach und nach zu verringern um den Akku länger am Leben zu halten (was der Nutzer sowieso ggf. selbst getan hätte wenn es vernünftig ginge!!). Selbstverständlich zeigt man das dem Besitzer nicht an, man will ja keine 246581 Beschwerden haben warum Handys nur noch bis 97% laden - also werden 99, 98, 97,...% nach und nach als "100%" definiert und angezeigt. Der Nutzer bleibt unwissend und dass das Ding weniger lange durchhält ist ja eh subjektiv, nicht?
Alles in allem finde ich das irgendwas zwischen erschreckend und traurig, wie man hier einfachste Dinge nicht gebacken bekommt aber andererseits einen Riesenaufwand betreibt um das Problem völlig verkompliziert heimlich zu lösen. Was soll der Schrott, Google? Jedes moderne Handy ist technisch problemlos in der Lage, Dinge wie Ladezustand, Ladestrom usw. perfekt zu regeln – und ihr kriegt es nicht hin, dem Benutzer auf Wunsch grundlegende Einstellungen zu bieten die ihm, dem Gerät und dem Hersteller zu Gute kämen?
Wo ist das verdammte Problem dabei, ein Menü für „Akkupflege“ einzubauen, in dem der Benutzer seinen gewünschten maximalen Ladezustand und Ladeleistung begrenzen kann? Warum muss ich, wenn ich beispielsweise mit höchstens 20W bis 90% laden will weil mir das locker reicht und viel besser für den Akku als „volle Kanne bis 100%“ ist, externe Geräte bemühen die per Bluetooth mit dem Handy verbunden den Strom kappen wenn 90% erreicht sind und an einem künstlich kleinen gammligen 20W-Gerät (oder USB-A-Kabel o.ä.) hängen? Es wäre wirklich schön, wenn ein Hersteller, der mit „7 Jahre lang Updates“ wirbt auch Optionen bereitstellen würde, wie man diese 7 Jahre mit dem fest verbauten Akku auch sinnvoll erreichen kann ohne irgendwelche Redneck-Hacks zu bemühen– etwas, was mancher Wettbewerber seit Ewigkeiten anbietet.
Erst wie üblich ein paar Hintergründe über das Thema um alle abzuholen, die vielleicht etwas weniger nerdig unterwegs sind.
Für die meisten Menschen gestaltet sich die Strategie ihres Smartphoneladens etwa so: „Wenn ich ins Bett gehe oder der Akku leer wird stecke ichs an bis ich aufwache oder ich das Handy wieder brauche.“ Das Problem an diesem maximal nutzerfreundlichen Verhalten ist technisch gesehen, dass (Lithiom-Ionen-)Akkus viel schneller verschleißen, wenn sie sehr voll oder sehr leer sind, einfach weil das nennen wir es mal chemische Ungleichgewicht dann besonders groß ist. Ein Handy also abends anzustecken, in ein, zwei Stunden auf 100% zu laden und dann da zu halten bis der Besitzer 6 Stunden später aufwacht und es nutzt ist also so ziemlich der worst case für den Akku.
Nun sind die Hersteller nicht blöd und haben, bei manchen nicht zuletzt weil sie von der EU dazu gezwungen werden ihre Akkus haltbarer zu gestalten, automatische Tricks eingebaut um den Effekt zu minimieren. Viele werden Funktionen wie adaptives Laden kennen, bei denen das Gerät lernt wann sein Beitzer normalerweise aufsteht und den Akku erst kurz vorher volllädt um langes halten auf 100% zu vermeiden. Coole Sache.
Wenn man aber nun einer derjenigen ist, die sein Handy gerne viele Jahre lang benutzen wollen, etwas mehr technikaffin ist und auch keine etlichen Stunden Bildschirmzeit am Tag benötigt gibt es noch die Option, den Akku generell nie ganz vollzuladen und damit seine Lebensdauer bedeutend zu verlängern. Ebenfalls coole Sache. Und hier beginnt das peinliche Rumgeeiere von Google.
Als ehemaliger Sony Xperia Nutzer bin ich es seit 10+ Jahren gewohnt, dass man in den Einstellungen wählen kann, wo der Ladeschluss seines Gerätes liegen soll. Im Menü wird erklärt dass weniger voll laden schondener ist und die Lebensdauer des Akkus verlängert (insbesondere die letzten paar Prozent von 95 bis 100% sind „schlimm“, ob 80 oder 90% ist dagegen weniger relevant) und der Nutzer wird gefragt wie ers haben will. Ich habe dort immer „90“ eingetragen. Das Ergebnis davon: Wenn ich das Handy anstecke fährt es seinen normalen Ladezyklus ab bis 90%, wartet noch 10-15 Sekunden und meldet fertig, stoppt den Ladevorgang und geht in den Bypass, bedeutet der Akku wird praktisch getrennt und das Handy bezieht seine Leistung so lange es angestöpselt bleibt rein aus dem Ladegerät. Beim Laden werde ich immer darauf hingewiesen, dass grade eine Grenze bei 90% gesetzt ist und wenn ich möchte könnte ich per Knopfdruck dieses eine mal auch auf 100% laden wenn man weiß dass es heute nötig ist. Also alles in allem ganz hervorragend gelöst. Ist ja auch wirklich kein Hexenwerk. Oder?
Dann hab ich mir ein Pixel gekauft. Ich dachte das kann nicht deren Ernst sein. Basics, die Sony seit etlichen Jahren völlig selbstverständlich und ausgereift anbietet sind hier unfassbar schlecht bis gar nicht umgesetzt und mit jedem Update wird es gefühlt schlimmer. Aber der Reihe nach.
Google bietet ebenfalls die Option, seine Ladung zu begrenzen um den Akku zu schonen. Gut. Wo kann ich bitte meine gewohnten 90% eintragen? Geht nicht. Google bietet 100% oder 80% Nichts dazwischen. Warum? Weiß keiner. Na gut, dann halt 80. Ich stecke das Gerät an, es lädt ohne jede Info bis 100. Eine Recherche ist nötig um herauszufinden, dass das Gerät das ab und zu macht zum Kalibrieren (mein Xperia brauchte das kurioserweise niemals trotz vielen Jahren Nutzung - ungenau wurde die Anzeige trotzdem nie).
Ok. Zweiter Versuch. Das Pixel lädt tatsächlich bin 80%. Immerhin. Irgendeine Info auf dem Bildschirm ob grade 80 oder 100 das Ziel ist findet man genauso wenig wie den „dieses mal bitte voll laden“ Button der so praktisch war. Wer das Ladegerät abzieht findet sich fast sofort bei 79% wieder. Das zeigt, wie undurchdacht all das programmiert ist: Während das XZ1 Compact vor 10 Jahren schon nach erreichen der Zielmarke noch ein paar Sekunden weitergeladen hat hat das Pixel einfach Eine Programmzeile „if 80 then stop“ drin. Das ist mehr als ein kosmetisches Problem, denn wenn der Akku der nur ganz knapp die 80 erreicht hat auf 79% fällt, beispielsweise wenn die Chemie sich etwas beruhigt hat, startet der Ladevorgang wieder für gefühlte 3 Sekunden weil es soll ja bis 80 geladen werden! Diese „Minizyklen“ 79-80-79-80-79-80 sind natürlich auch ziemlich furchtbar für einen Akku – aber auf die simple Idee, auf „80,5%“ zu laden kommt Google offenbar nicht. Stattdessen gabs mit dem Update vom März 2026 die nächste Änderung die mich fast vom Stuhl kippen lässt:
Nun ist es so, dass bei aktiviertem Ladecap von 80% das Pixel nur bis 77% lädt und danach seine Ladegeschwindigkeit auf 1 W (ja, EIN Watt!) reduziert und damit die letzten 3% in so ungefähr 45 Minuten lädt. Und das ist kein Bug, das ist laut Google ein gewolltes Feature! Wo genau der Vorteil sein soll erklärt sich nicht wirklich (und auch niemand von Google erklärt es). Achja und selbstverständlich hat der Nutzer keinerlei Wahlmöglichkeit, wo kämen wir denn da hin.
Was hat man nun als Nerd für gute Optionen? Eigentlich keine echten sofern man weiter beim Pixel bleiben will. Klar, mir persönlich reichen auch 20-77% Akkuhub für einen normalen Tag problemlos als Wenignutzer, aber für Leute mit mehr Nutzung die dennoch nicht mit Gewalt ihren Akku mit 100% verschleißen wollen bleibt eigentlich nur, die Ladebegrenzung zu deaktivieren und manuell bei etwa 90% rum das Kabel zu ziehen (oder mit kleinen Extragimmicks wie dem „Chargie“ das automatisiert erledigen zu lassen – schlimm genug dass es sowas geben muss weil Hersteller zu stur sind dem Nutzer freizustellen bis wohin er laden will.
Also rattern wir die Akkus doch wieder randvoll weil die Funktionalität um das zu vermeiden so verdammt schlecht implementiert ist. Aber moment – dann gehen die Akkus ja schneller kaputt als die EU anordnet! Natürlich gibt’s dafür auch die „Google-Lösung“: Nach dem 200. Ladezyklus beginnt das Gerät ungefragt eigenständig, heimlich und nicht abschaltbar damit, die 100% nach und nach zu verringern um den Akku länger am Leben zu halten (was der Nutzer sowieso ggf. selbst getan hätte wenn es vernünftig ginge!!). Selbstverständlich zeigt man das dem Besitzer nicht an, man will ja keine 246581 Beschwerden haben warum Handys nur noch bis 97% laden - also werden 99, 98, 97,...% nach und nach als "100%" definiert und angezeigt. Der Nutzer bleibt unwissend und dass das Ding weniger lange durchhält ist ja eh subjektiv, nicht?
Alles in allem finde ich das irgendwas zwischen erschreckend und traurig, wie man hier einfachste Dinge nicht gebacken bekommt aber andererseits einen Riesenaufwand betreibt um das Problem völlig verkompliziert heimlich zu lösen. Was soll der Schrott, Google? Jedes moderne Handy ist technisch problemlos in der Lage, Dinge wie Ladezustand, Ladestrom usw. perfekt zu regeln – und ihr kriegt es nicht hin, dem Benutzer auf Wunsch grundlegende Einstellungen zu bieten die ihm, dem Gerät und dem Hersteller zu Gute kämen?
Wo ist das verdammte Problem dabei, ein Menü für „Akkupflege“ einzubauen, in dem der Benutzer seinen gewünschten maximalen Ladezustand und Ladeleistung begrenzen kann? Warum muss ich, wenn ich beispielsweise mit höchstens 20W bis 90% laden will weil mir das locker reicht und viel besser für den Akku als „volle Kanne bis 100%“ ist, externe Geräte bemühen die per Bluetooth mit dem Handy verbunden den Strom kappen wenn 90% erreicht sind und an einem künstlich kleinen gammligen 20W-Gerät (oder USB-A-Kabel o.ä.) hängen? Es wäre wirklich schön, wenn ein Hersteller, der mit „7 Jahre lang Updates“ wirbt auch Optionen bereitstellen würde, wie man diese 7 Jahre mit dem fest verbauten Akku auch sinnvoll erreichen kann ohne irgendwelche Redneck-Hacks zu bemühen– etwas, was mancher Wettbewerber seit Ewigkeiten anbietet.


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