Das man das so betreiben kann ist mir bewusst, bringt dann aber auch nicht den gewünschten Effekt. Müsste man labortechnisch untersuchen, aber ich würde dem ganzen dann auch Leistungsverbesserungen im unteren zweistelligen Bereich unterstellen. Willst du damit aber wirklich alte Heizkörper die für Vorlauftemperaturen von 70°C und mehr, wie es eben im letzten Jahrtausend üblich war, fit für Wärmepumpen machen musst du die Effektivität der Heizfläche IMMENS steigern. Die Strahlungsleistung einer Fläche steigt mit der Temperatur in der vierten-Potenz, ergo verringere ich diese Temperatur, in dem ich den Heizkörper mit im Mittel deutlich kühlerem Wasser durchströme, verliert dieser einen Großteil seines Leistungspotenzials. Das wieder durch Konvektion ausgleichen muss schon sehr viel Luft bewegt werden, denn hier stößt die vergleichbare geringe Fläche wieder mit rein, denn auch die durchströmende Luft muss sich ja am Blech erwärmen (Wärmeleitung durchs Blech an die Luft) und hier sind die Linearen Faktoren: Fläche x Temperaturunterschied (genauer: Leistung=Fläche*Wärmeleitfähigkeit*Temperaturunterschied). Damit also die vorhandene Fläche maximal genutzt wird darf die Luft garnicht eine hohe Verweildauer haben, denn dann wäre sie auf ihrem Weg durch den Heizkörper schon zu warm um noch einen Temperaturunterschied zum Wasser und damit einen Energiefluss zu ermöglichen. Wir sind ja alles PC-Enthusiasten hier und kennen doch unsere Lüfter und Kühler. Im Prinzip sind das auch Konvektoren. Feine Blechlamellen, die von Luft umströmt die Wärme übertragen und Luft, die die Wärme abtransportiert. Und da wollen wir oft nur bis zu einige hundert Watt transportieren. Ein Heizkörper in einem mittelprächtig gedämmten Bestandsbau muss aber im Winter im Bereich von 1000 bis 2000W transportieren. Wenn dann der Strahlungsanteil auf mickrige 200...300W zusammengeschrumpft ist, dann wirds ein bisschen anpusten mit ein paar 300rpm Lüfterchen es leider nicht bringen können. Das ist so leid es mir tut, harte Physik. Es bringt nicht Nichts, aber kann auch nicht das was hier notwendig wäre leisten. Oder man muss sich eben von einem Komfortpunkt verabschieden.
Die Industrie ist ja nicht doof, es gibt diese Heizkörper mit eingebauten Lüftern ja zu kaufen als Niedrigtemperaturheizkörpern. Liest sich im Prospekt auch immer sehr toll, im Datenblatt wirds dann schon etwas ernüchternder.
Ich habe mal das Datenblatt vom Kermi-Heizkörper rausgesucht:
moderner Flachheizkörper standard (therm-x2 Profil-K): Typ 22 (2 Platten, 2 Konvektorbleche), 0,6m hoch, 1m breit: Vorlauftemperatur 55°C, Rücklauftemperatur: 45°C, Raumtemperatur: 20°C: 854Watt
Niedrigtemperaturheizörper m. Lüfter (x-flair Profil-K): Typ 22 (2 Platten, 2 Konvektorbleche), 0,6m hoch, 1m breit: Vorlauftemperatur 55°C, Rücklauftemperatur: 45°C, Raumtemperatur: 20°C: 1171Watt
Die Angabe ist bei 75% Lüfterdrehzahl beim Standardmodell angegeben, das Eigenheimmodell hat eine Lüfterregelung. Für den Betrieb bei 75% sind 25db in 2m Abstand angegeben, für 100% schon 36dB, wohlgemerkt 2m Abstand, nicht 1m wie in den PCGH Lüftervergleichen soweit ich es gerade im Kopf habe. Der 1m lange Heizkörper hat dazu schon 8 Lüfter, Kantenlänge 8cm würde ich wetten. Wer zur Miete wohnt und Heizkostenzähler am Heizkörper braucht muss auf Anfrage ein Sondermodell ohne Lüfterregelung nehmen, denn die Regelung würde die Messung verfälschen, genauso wie die nachträglich angebrachten Bastellösungen es tun. Würde vermuten das Modell ist einfach bei 75% Drehzahl fixiert.
Zurück zu den Zahlen: Der Hersteller erreicht also bei einem identisch großen Heizkörper durch anbringen von 8 Lüftern mit ca. 25 dB Schallemittierung eine Mehrleistung von 37%
Jetzt rechnen wir nochmal Praxisnah aus:
Angenommen wir haben im Bestand einen ausreichend dimensionierten Heizkörper, montiert in den 90er Jahren, ausgelegt auf 70°C Vorlauftemperatur und 55°C Rücklauftemperatur, Höhe wieder 0,6m, Breite 1m, diesmal Typ22: 1359W
Angenommen dies ist vom damaligen Planer perfekt für diesen Raum dimensioniert worden, wollen wir genau diese Leistung weiterhin erreichen, aber mit möglichst wenig Wassertemperatur, statt 10K Unterschied steigern wir den Durchfluss auf 5K Unterschied, also die doppelte Durchflussmenge (achtung, kostet uns die 8fache Pumpenergie!! Stromaufnahme ca. dritte Potenz zum Durchfluss, das nur am Rande). Angenommen wir installieren nun an diesem Heizkörper unsere Lüfter und erreichen genau wie Kermi einen Leistungsboost von keine Lüfter zu mit Lüfter von 37%:
1359W / 1,37 = 992W muss unser Heizkörper noch ohne Lüfter erbringen.
Also quasi Rückwärts in unseren Heizkörper rechner und die Vorlauftemperaturen senken (dabei 5K Differenz beibehalten) und ich lande bei 56°C Vorlauftemperatur und 51°C Rücklauftemperatur.
Also haben wir 8 Ventilatoren gekauft, verkabelt, eine Steuerung gebastelt, Strom hingelegt, alles irgendwie ansehnlich angebracht, leben mit den Nachteilen der Luftbewegung und den Geräuschen und können unsere Vorlauftemperatur um ganze 14°C senken. Dazu verbraten wir noch die 8 fache Strommenge zu vorher in unserer Umwälzpumpe.
Belassen wir die Spreizung bei 10K, können wir sogar nur 12°C Vorlauftemperatur senken (58°C/48°C), aber immerhin die Umwälzpumpe entlasten.
Ich glaube hier wird klar, dass man weniger gewinnt, als man sich evtl. erhofft.
Und nochmal: Wer will kann sich die Bastelei gerne antun. Für mich bleibt es eher ein Downgrade und würde mich immer für den Einbau von mehr Fläche (=größerer bzw. Heizkörper mit mehr Platten) entscheiden. In unserem Rechnenbeispiel wäre das für unsere ~1350W ein Typ33, 0,6m x 1m Heizkörper, betrieben bei 55°C Vorlauf und 48°C Rücklauftemperatur, also eine leicht kleinere Spreizung mit 7K, dafür 15°C Vorlauftemperatur gesenkt. Kein Lüfter, kein Stromkabel, kein Geräusch, oft mit wenig Aufwand 1 zu 1 auszutauschen.
Diese fertigen Niedrigtemperaturheizkörper kaufen würde ich sogar von abraten, denn die sind auch garnichtmal so günstig, da ist der Aufpreis anders viel besser investiert. Nichtsdestotrotz, jedes Produkt findet ihren Käufer und wenn es nur aus Unwissenheit ist. Und wer basteln will, solls machen. Leider lesen sich diese Artikel und hören sich diese Videos darüber immer etwas zu schön an.