Wenn zwei Parteien sich auf eine außergerichtliche Einigung einlassen, dann i.d.R. weil beide der Meinung sind, recht zu haben, aber nicht, es auch beweisen zu können. D.h. Intel ist zwar der Meinung, richtig gehandelt zu haben, hat aber Angst, dass ein Gericht das anders sehen könnte. Die Behörde ist der Meinung, dass das bisherige Verhalten falsch ist, ist sich aber unsicher, ob das in aktuellen Gesetzen so drinsteht.
-> Einigung. Ergebniss: In Zukunft ist alles ~so, wie die Behörde es will, Intel hat im Gegenzug jetzt Sicherheit was die Vergangenheit betrifft und konnte sicherlich mehr Einfluss auf die neuen Regeln nehmen. Die Konkurrenz profitiert davon, dass die neuen Regeln ein halbes Jahrzehnt früher in Kraft sind. (win-win-win-Situation)
Hätten sie sich auf gerichtliche Verfahren eingelassen, hätte Intel noch jahrelangs so weitermachen dürfen, wie bisher (was in der schnelllebigen Hardwarebranche bedeutet: Wenn das Verhalten für die Konkurrenz wirklich existenzbedrohend ist, dann wäre vermutlich der ein oder andere pleite, bevor ein Urteil steht) und ggf. hätten sie dann (nach enormen Anwaltskosten für die Behörde) einen Freibrief bekommen, das ganze noch so lange fortzusetzen, bis neue Gesetze erlassen werden. (WIN-loose-LOOSE)
Bei einem Urteil gegen Intel wären vielleicht Strafen fällig gewesen, aber deren Schaden für Intel / Nutzen für die Konkurrenz wäre vermutlich auch nicht größer, als die Vorteile für Intel / Schaden für die Konkurrenz durch mehrere Jahre Fortsetzung des aktuellen Verhaltens. (egal, win, egal)
Anm.: Und Strafzahlungen gehen übrigens an den Staat und haben wenig mit dem angerichteten Schaden zu tun. Das sind eben Strafen. Entschädigungen (wie z.B. für die Entwickler, die neu kompilieren und testen müssen) sind eine seperate Angelegenheit. Vor allem sind konkrete Forderungen für die Konkurrenz schwer zu belegen, siehe AMD vs. Intel: Obwohl die EU mit dem Wettbewerbsverfahren gegen Intel klar festgestellt hat, dass die Konkurrenz geschädigt wurde, war es für AMD sinnvoller, Intel nicht vor Gericht auf Schadensersatz zu verklagen -wofür man die Höhe des Schadens hätte beweisen können müssen-, sondern sich mit Intel außergerichtlich zu einigen. Wie sollte man auch zuverlässig beziffern, wieviele Leute z.B. bei einer anderen Angebotspalette bei einem Hersteller auch tatsächlich etwas anderes gekauft hätten?