Ich hab Glück gehabt.
Ich habe nicht lange gebraucht um zu realisieren was ich eigentlich machen möchte ...
NIX.
Beruf Sohn.
Das wäre meine Profession gewesen.
Hat aber leider nicht geklappt, da meiner Familie die Grundlage dafür fehlte.
Ich hab also schon früh neben der Schule her gearbeitet, z.b. als Kassierer im Parkhaus oder im Lager eines Chips-Herstellers. Mit 17 habe ich angefangen in meinem Lieblingsclub in Berlin zu arbeiten. Garderobe, Tresen, Tür.
Eine Zeit lang parallel zur Schule (bzw. war die Schule nur noch eine Ausrede vor meinen Eltern, damit sie mich nicht rausschmeissen^^), später dann als Hauptjob, anstatt zu studieren.
Aber mir war damals schon klar, dass das keine Perspektive hat. Es hat Spaß gemacht, aber mit der Zeit bist Du die Dauerparty (die eigene, und die der anderen) auch irgendwann leid. Vor allem weil es in der Club-Szene dann doch hin und wieder sehr rauh zugeht. Reich wird man auch nicht. Das war eher so Mindestlohn-Arbeit, auch wenn es sowas damals noch nicht gab.
Mit 21 dachte ich ... jetzt fängste halt ne Ausbildung an, und bin durch einen Kumpel in einem Gas-Wasser-Installationsbetrieb gelandet.
Aber das war erst recht nichts für mich. Bei jedem Wetter auf dem Bau oder durch fremde Keller kriechen? Muss ja nicht sein.
Der nächste Kumpel hat mich in einem PC-Laden untergebracht. Das war zur Zeit der 286er. Dort habe ich dann mehrere Jahre PCs zusammengeschraubt. Aber erfüllt hat mich das auch nicht. Zwar hat mich der Chef auch die "dicken" Kisten schrauben lassen, aber ich hab schon damals gelernt, dass die Leute zu 99% "billig" haben wollen.
Ich hasse billige PCs
Der nächste Kumpel hat mich dann zu meinem jetzigen Job gebracht.
Bei mir hat sich immer viel über den Freundeskreis abgespielt.
Er ist eines Tages zu mir gekommen (wir haben unsere halbe Jugend zusammen verbracht, Party, Amiga, Motorrad) und gesagt: Du kennst Dich mit Computern aus, wir brauchen noch einen fürs Fernsehen.
So bin ich beim Fernsehen gelandet. Als 3D-Grafiker. Das steckte damals noch in den Kinderschuhen und wurde von mannsgroßen Kisten in Millionen-DM-Bereich geregelt. Wir haben ein "virtuelles Studio" eines Nachrichtensenders betreut (Greenscreen ganz klassisch, aber die Kamera hat ihre Position dem Computer mitgeteilt und der hat den Hintergrund auf dem Greenscreen entsprechend verschoben. Heute ein alter Hut, im letzten Jahrtausend aber der heiße Scheiss, denn bis dahin sind die Menschen vor dem Greenscreen hin und her gerutscht wenn man die Kamera bewegte^^) und als Abfallprodukt 3D-Grafiken für die Nachrichten produziert.
Den letzten Teil mach ich heute noch, fast 30 Jahre später. Inzwischen an handelsüblichen PCs.
Macht es mich glücklich?
Naja, für jemanden der gerne "Sohn" geworden wäre .. nicht unbedingt.
Aber an sich ist es einer der besten Jobs der Welt.
Die Arbeitsintensität steht und fällt mit der Nachrichtenlage.
Es gibt Tage da sehe ich keine Sonne und werde zugeschissen mit Aufträgen, und es gibt Tage da drehe ich Däumchen und muss schauen wie ich mich beschäftige. Ausgleichende Gerechtigkeit sozusagen.
Und dass ist das gute an meinem Job (zuzüglich der Tatsache dass die früher ganz gut bezahlt haben, und meine Arbeit am Abend getan war, und mich nicht ewig beschäftigt hat).
Das macht mich relativ zufrieden.
Kohle war glücklicherweise nie das Problem bei mir. Ich war immer zufrieden, mit dem was ich hatte, auch wenn das zeitweise nie viel war. Für meine Hobbies hat es jedenfalls meistens gereicht.