AW: Wakü im Anmarsch, Es Ist Vollbracht !! Und es geht weiter: Jetzt kommt ein Monsta!
Versprich dir nicht zu viel davon. Die Tiefe eines Radiators bringt im Hinblick auf die Kühlleistung bauartbedingt grundsätzlich nicht so viel wie mehr Lufteintrittsfläche bei gleichem Volumen und ansonsten vergleichbaren Konstruktionsmerkmalen. Besonders dicke Radis sind daher in aller Regel keine gute Lösung, um Kühlleistungsprobleme bei gleichzeitigem Fokus auf geringe Lautstärke zu lösen, selbst wenn man Modelle mit großen Lamellenabständen und somit verhältnismäßig geringem Luftwiderstand wählt. Nur wenn sich partout nicht mehr effektive Lufteintrittsfläche realisieren lässt (Radi-Sandwiches bringen natürlich nichts) können push/pull-bestückte Monsta-Radis u. U. der einzige Weg sein, wenigstens ein Quäntschen mehr Kühlleistung aus dem Bauraum zu holen, ohne den Lärmpegel zu hoch werden zu lassen. Wenn man aber den Platz für einen doppelt bestückten Monsta-Radi hat, hätten (u. U. mit etwas Bastelarbeit) in der Regel auch zwei dünne Radiatoren mit eigenen Lüftern und eigenen Luftzuläufen Platz, was im Regelfall eigentlich immer effektiver ist.
Der Grund warum die Tiefe eines Radiators im Vergleich zur Lufteintrittsfläche wenig bringt, liegt in der grundlegenden Bauart der ganz überwiegenden Mehrheit aller Wakü-Radiatoren als Querstromradiatoren begründet. Eine Ausnahme bilden hier lediglich passive Konvektoren wie z. B. den Cape Coras und Pseudo-Gegenstrom Rohr-Radis, deren Effekt sich jedoch schwer in Grenzen hält, weil sie dafür wieder nicht Tief genug sind.
Für den Wärmetausch ist stets die lokale Temperaturdifferenz der beiden beteiligten Medien ausschlaggebend. Der ideale Wärmetauscher wäre daher eigentlich ein echter Gegenstromwärmetauscher, bei dem diese Differenz an jeder Stelle stets maximal ist. Diese Bauart ist im Wakü-Bereich aber nicht vertreten. Abgesehen von seltenen passiven Sonderbauformen sind alle üblichen Wakü-Radiatoren wie gesagt als Querstrom-Wärmetauscher ausgeführt, bei denen die Temperaturdifferenz keineswegs überall maximal ist. Es gibt zwar Rohr-Radis bei denen man eine Art Pseudo-Gegenstrom-Prinzip durch gestaffelt durchflossene Rohr-Ebenen realisiert (z. B. bei den AMS-Radis von aquacomputer), aber das ist kein echter Gegenstrom und bringt daher auch nichts Wesentliches (zudem muss man sie dafür richtig herum anschließen, was viele auch nicht raffen).
Bei ganz normalen Querstrom-Radiatoren wie bei allen üblichen Netzradiatoren und den allermeisten Rohr-Radiatoren wird die maximale Temperaturdifferenz lediglich direkt am Lufteintritt erreicht und nimmt über die Tiefe kontinuierlich ab. Je tiefer also ein Querstromradiator ist, desto geringer wir der Wärmeaustausch zwischen Wasser und durchströmender Luft in Tiefenrichtung, weil die Luft bereits in den darüber liegenden Bereichen erwärmt wurde. Deshalb wird ein Querstrom-Radiator grundsätzlich mit größere Tiefe immer ineffektiver. Aus diesem Grund "profitiert" man leistungsmäßig nur bei recht hohem Luftdurchsatz und dem damit verbundenen hohen Lärmpegel von großer Radiatortiefe. Bei Lichte betrachtet profitiert man jedoch auch in dem Fall nicht von besonders dicken Radis, wenn man im gleichen Bauraum z. B. auch zwei dünne Radis mit jeweils eigener Luftzuführung unterbringen hätte können. Das ist im Regelfall immer leiser und effektiver. Unabhängig vom Luftstrom profitiert man also im direkten Vergleich (gleicher Luftwiderstand) nie so stark von großer Tiefe, wie man bei gleichem Radiatorvolumen von mehr Lufteintrittfläche bei geringerer Tiefe profitieren würde. In der Praxis ist der gleiche Luftstrom in letzterem Fall noch dazu leiser zu erreichen, weil selbst sog. Monsta-Radis mit sehr geringen Lamellendichten in der Regel mehr Luftwiderstand bieten als dünne Radiatoren mit etwas höherer Lamellendichte aber gleichen Gesamtvolumens.
Der notwendige Lärmpegel zum Erreichen eines hohen Luftdurchsatzes in besonders tiefen Radis, der die Effektivtätsdefizite etwas auffängt, kann zwar durch sehr weite Lamellenabstände und Push/Pull-Bestückung etwas gesenkt werden, aber am grundsätzlichen bauartbedingten Zusammenhang zwischen Tiefe und zur Verfügung stehender Temperaturdifferenz ändert das nichts. Lediglich wenn man bei dünnen Radiatoren die Lamellendichte zu stark erhöht wird der Luftwiderstand auch dort so hoch, dass wieder laute Lüfter für genügend Luftstrom nötig sind (vgl. diverse AIO-Waküs). Dennoch ist der Wärmetausch auch dann noch am Lufteintritt am höchsten was dazu führt, dass auch in dem Fall Lufteintrittsfläche mehr Kühlleistung bringt als größere Tiefe.
Die Effektivität des Wärmeübergangs auf der Wasserseite spielt bei Radiatoren im Übrigen grundsätzlich eine untergeordnete Rolle, weil die spezifische Wärmekapazität von Wasser viel viel höher ist als die von Luft, aber selbst wenn man diesen Nebenkriegsschauplatz betrachtet sind besonders voluminöse Monsta-Radis prinzipiell im Hintertreffen, weil die größeren Querschnitte der Rohre die Strömungsgeschwindigkeit noch weiter verlangsamen, so dass der Wärmeübergang vom Wasser an die Rohrwand noch schlechter wird. Letzterer hat wie gesagt im Radiator wenig bis keine praktische Relevanz, weil der Wärmeübergang auf der Luftseite, aufgrund der Stoffeigenschaften von Luft, trotzdem der maßgeblich Leistungsbestimmende ist. Aber auch hier sind eben Monsta-Radis theoretisch im Nachteil - zumindest wenn man, bei zum Vergleich herangezogenen dünnen Radis, von Einzelradiatoren, oder von Flächenradiatoren mit geringerem Wasserquerschnitt ausgeht, so wie sie in der Praxis üblicher Weise anzutreffen sind. Aber das ist im Vergleich zur Luftseite wie gesagt eine eher akademische Betrachtung, da die Wasserseite diesbezüglich im Normalfall keine nennenswerte Rolle spielt. Nur wenn der Durchfluss im Kreislauf extrem niedrig wäre, könnte dieses Argument bei Monsta-Radis evtl. zusätzlich zum messbaren Nachteil werden, aber in dem Fall ist der Effekt auf Kühlerseite in der Regel bereits deutlich größer.