Verständnisfrage zu Netzteilen / mein neuer Gaming bzw. Studio-PC

Balanarius

PC-Selbstbauer(in)
Hallo Leute!

Ich musste mich neu anmelden, offenbar ist mein steinaltes Konto hier nicht mehr existent ;)

Ich habe eine Frage an die Community bezüglich Netzteile.

Kurz zum Hintergrund: Den letzten Rechner habe ich mir 2015 zusammengebaut. War damals ein Highend-Gerät und daher hat dieser auch entsprechend lange, also bis heute seinen Dienst verrichtet. Nun musste aber ein neuer PC her, weil Video- und Bildbearbeitung mit dem ganzen aktuellen Photoshop und Blender-Kram (Rendering) nur noch dahinkroch... Mit Games gab es eigentlich weniger Probleme.. Offenbar geht die Entwicklung hier deutlich langsamer von statten als noch vor 10-20 Jahren. In meinen Anfängen musste aller 2 Jahre ein neuer PC her, um aktuelles Zeug spielen zu können. Schön, dass diese Zeiten vorbei sind ;)

Aber nun zum Thema neuer Rechner und die Sache mit dem Netzteil:

Da ich in Sachen neue Hardware und Zusammenbau eingerostet war, habe ich mich ein bisschen eingelesen und folgenden PC zusammengestellt:
- Intel i9 12900K mit be quiet! Dark Rock 4 Tower Kühler und Thermal Grizzly Kryonaut Extreme Paste (ich weiß, die Paste sehen einige als Snaikoil)
- MB Gigabyte Z690 UD S1700/DDR5/ATX (extra ohne WLAN und BT, da ich im Haus alles mit Gigabit verkabelt hab)
- 12GB MSI GeForce RTX 3080 VENTUS 3X PLUS OC LHR GDDR6X
- DDR5 32GB (2x 16GB) G.Skill Trident Z5 1 RGB DDR5-5600
- SSD 1TB Samsung 980 Pro M.2 PCIe 4 - als Boot
- SSD 2TB Samsung 970 Evo Plus M.2 (zum super Preis für unter 100 EUR geschossen) - als Datengrab
- SSD 2TB Intel 660p M.2 (aus dem alten PC übernommen) - damit waren dann alle M.2 Slots voll - als Datengrab
- 1000 Watt be quiet! Straight Power 11 Modular

Gehäuse ist ein
be quiet! Pure Base 500DX Midi (siehe Bilder)

Der Zusammenbau lief super und das System ist schnell mit knapp 18.000 Punkten im 3DMark TimeSpy und ist dennoch flüsterleise...

Was mich aber schockiert bzw. im Sinne der Stromrechnung positiv überrascht: Er zieht gerade mal 480 Watt unter Volllast aus der Dose. Jeder Bekannte mit etwas Ahnung hat mir erzählt: "Nehm bei dieser Konfig in jedem Fall ein 1000W-Netzteil", denn ich wollte eigentlich ein 650W Netzteil nehmen. Jeder hat mir davon abgeraten, aber eigentlich hätten doch die 650W in Anbetracht von 480 Watt bei Last dicke gereicht oder habe ich da einen Denkfehler? Wie gesagt, es ist schon ne Weile her, seitdem ich den letzten PC zusammengebaut habe. Selbst diese vielen Online-Netzteilrechner empfehlen mir bei der Konfig völlig überzogene Netzteile mit bis zu 1200 Watt... irgendwas kapiere ich an der Sache nicht. Ich habe früher immer Netzteile gekauft, die unter Vollast bei 80%, bei sehr guten bis 90% lagen. Hat sich das geändert? Sind die neuen 80% heute 50? :D Wie sieht es mit der Effizienz aus? Spare ich mit dem kleineren Netzteil nicht auch Strom? Was meint ihr? Zur Not würde ich das NT nochmal tauschen. Habe ja 14 Tage Rückgaberecht...
 

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Incredible Alk

Moderator
Teammitglied
Die Netzteildimensionierung hat mit dem tatsächlichen Alltagsverbrauch wenig zu tun. Es stimmt dass deine Hardware im normalen Lastbetrieb wenns nichts extremes ist immer unter 500W liegen sollte, meist sogar eher unter 400 (netto). Dennoch sollte man hier ein Netzteil im Bereich von grob 800 wählen, aus zwei Hauptgründen:
1.) Das Netzteil muss auch dann genug Reserven haben wenn wirklich mal alle Komponenten unter Vollast laufen (Prime95 + Furmark sozusagen), denn dann kommt dein PC durchaus bei 600-700W an.
2.) Wir reden hier immer nur von Durchschnittsverbräuchen. Ja, eine 12GB 3080er verbraucht unter Vollast durchschnittlich 350W wenn ich mich recht erinnere. Das bedeutet aber auch, dass sie eine Millisekunde lang mal 500 haben will und die Millisekunde darauf nur 150W zieht. Diese Schwankungen sieht man natürlich ohne entsprechende Messausrüstung nicht, das Netzteil muss das aber natürlich abkönnen (dafür sind die großen Primärcaps in guten NTs da).

Insgesamt ist dein 1000er NT daher nicht so unpassend wie du denkst. Ja, das 850W Modell hätte auch gereicht (da ist leider bei NTs auch viel Übertreibung im Spiel) aber du hast auch keinen relevanten Nachteil davon dass du jetzt ein 1000er hast außer dass es in der Anschaffung wohl ein paar Euro teurer war. Strom sparen wirst du mit einem kleineren nicht wirklich, die Auslastungen in denen moderne NTs effizient sind sind heutzutage sehr breit (alles zwischen 15 und 100% Last ist effizient)
 
TE
TE
Balanarius

Balanarius

PC-Selbstbauer(in)
Ok.. das war mir echt nicht bewusst, dass die einzelnen Komponenten solche Spitzen abrufen können. Ich dachte die maximalen Werte sind fix definiert, also dass die CPU und GPU nur einen bestimmten Wert maximal erreichen darf, damit diese innerhalb der offiziellen Spezifikation bleibt.

Ich habe das immer so gerechnet: TDP CPU + TDP GPU + 100 für Mainboard/Peripherie usw. und lag früher damit immer super gut.

Konkret bei meinem Setup: CPU TDP 125 Watt + GPU TDP 350 Watt + 100 Watt Rest = 575 Watt, womit ich auf die 650 Watt fürs NT kam mit einer Volllastauslastung von 80-90%, was ja im idealen Wirkungsgrad wäre.

Wieder was dazu gelernt. Zeigt vielleicht auch die Grenzen der aktuellen Technologie auf. Früher gab es einfach mehr Leistung pro Watt. Jetzt erkauft man sich offenbar den Leistungszuwachs zu einem signifikanten Teil über zusätzlichen Stromverbrauch und entsprechender Abwärme....

Danke für die Aufklärung :)
 
TE
TE
Balanarius

Balanarius

PC-Selbstbauer(in)
Ja, überlege ich auch schon... hab vorne schon einen 140mm von be quiet drin... ich kann den aber ganz nach unten schieben und drüber noch 2 weitere verbauen. An die Front passen hinterm Filter 3x 140mm... oben und hinten sind schon 2... wären dann insgesamt 5... gestern waren es 28 Grad bei mir im Studio (leider Dachgeschoss). Da hat der PC beim "blendern" nicht gemuckt.. die Lüfter sind nur langsam gelaufen und an den Schlitzen kam nur kühle Luft... aber es kann in jedem Fall nicht schaden, da noch 2 reinzupacken :D ...
 

Incredible Alk

Moderator
Teammitglied
Ich habe das immer so gerechnet: TDP CPU + TDP GPU + 100 für Mainboard/Peripherie usw. und lag früher damit immer super gut.
Das funktioniert auch heute als grobe Daumenregel immer noch. Nur sind die Boosts heutzutage derart aggressiv geworden, dass man einen etwas höheren Puffer einplanen sollte insbesondere wenns ins HighEnd geht. Bei einer 3060er müsste man noch nicht groß was an der Daumenregel ändern aber Grafikkarten wie 3080+/6800XT+ können schon sehr üble Spikes generieren, insbesondere bei (werks-)Übertaktung. Daher der Rat zum 850er Modell obwohl rein rechnerisch bei "glatten" Lasten das 650er reichen würde.
Gerade günstigere Netzteile die mit solchen Anforderungen größere Probleme haben können sigar dann abschalten, wenn die Nennleistung eigentlich gut ausreicht - und weil in dem Zuge bei 3080/90er Karten da auch schon mal ein 1000W Netzteil abgeschmiert ist bei so manchem User entstehen die Meinungen, man bräuchte für solche Karten zwingend 1200W Geräte, was aber nicht so ist wenn man ordentliche kauft.

Wie gesagt du kannst das SP11 1000W weiter nutzen, das passt schon. Auf das 850er wechseln geht auch wenn du dein Gewissen da beruhigen willst, das 650er ist aber zu knapp.
 
TE
TE
Balanarius

Balanarius

PC-Selbstbauer(in)
Ja, da hab ich was dazu gelernt. Jetzt wo du mir das erklärst, findet man das auch gut beschrieben im Internet auf einen Blogs/Foren.

Ich werde das 1000W von be quiet behalten. wegen den 50er mehr oder weniger.. das kommt bei der Konfig und den Gesamtkosten jetzt auch nicht mehr darauf an und wer weiß, vielleicht packe ich da später mal eine andere Grafikkarte (5080/5090 oder was da irgendwann kommt) und dann bin ich froh, gleich die Reserven zu haben.

Was deine Aussage mit den Netzteilen anbelangt, kann ich dir nur recht geben. Ich würde nie billige Netzteile verbauen. Das wäre wie wenn man sich als Fotograf einen hochwertigen DSLR Body kauft und dann die billigsten Objektive dranpackt und sich dann über die Bildqualität beim Hersteller der DSLR beschwert.
 

Shinna

BIOS-Overclocker(in)
Ich habe das immer so gerechnet: TDP CPU + TDP GPU + 100 für Mainboard/Peripherie usw. und lag früher damit immer super gut.
Die TDP ist heut zu Tage eine quasi substanzlose Zahl, leider!

Dein 12900k hat eine TDP von 125w. Diese bezieht sich aber auf den Baseclock der CPU. Sprich auf 3,2ghz für die P-Cores und 2,4ghz bei den E-Cores. Boosted die CPU aber zBsp. unter Renderlast auf allen Cores dann steigt das mal eben auf 241w. Und je nach BIOS bzw. dessen Einstellungen hält die CPU den Boost dann eben so lange wie es thermisch keine Probleme bereitet.

Bei der GPU ist es ähnlich wie @Incredible Alk bereits erklärt hat. Da kannst Du eben je nach Hersteller und dessen BIOS auch Spikes im Bereich von bis zu 450w bekommen.

Das kann dann auch mit einem extrem guten700w Netzteil laufen. Einfach aus dem Grund, weil auf den 12v Schienen die OCP Triggerpoints((Over Current Protection) meist bei um die 140% liegen. Sprich die Spikes der GPUs werden dadurch "aufgefangen" und das NT schaltet nicht ab. Halten die Spikes aber länger an, als es die Schutzschaltungen vorsehen, macht es "klack" und der Rechner geht aus.
 
TE
TE
Balanarius

Balanarius

PC-Selbstbauer(in)
Ist schon krass, wie sich das geändert hat. Das werde ich dann für künftige Projekte im Hinterkopf behalten.
Wobei der aktuelle Rechner wieder 7 Jahre halten wird, genau wie der Letzte. In 7 Jahren gibt es sicher wieder neue Gesetzmäßigkeiten, die zu beachten sind :D
 
TE
TE
Balanarius

Balanarius

PC-Selbstbauer(in)
Scherzkeks :D

Auf der physikalischen Ebene ist mir das ja klar, obwohl ja selbst da mit jeder weiteren Miniaturisierung auf Nanometer-Ebene bei den CPUs, GPUs und SOCs die Quanteneffekte immer größer werden. Die "Gesetzmäßigkeiten" an dieser Ecke verstehen wir ja alle noch nicht sonderlich gut. ;)

Mit "Gesetzmäßigkeiten" meinte ich ja eher im Zusammenhang mit dem Zusammenbau eines PCs. Bislang gab es ganz klare TDP-Werte und die Komponenten durften bestimmte Spezifikationen nicht überschreiten. Diese "Regel" gilt ja offenbar nicht mehr, zumindest nicht im Highend ;)
 

Incredible Alk

Moderator
Teammitglied
Mit "Gesetzmäßigkeiten" meinte ich ja eher im Zusammenhang mit dem Zusammenbau eines PCs. Bislang gab es ganz klare TDP-Werte und die Komponenten durften bestimmte Spezifikationen nicht überschreiten. Diese "Regel" gilt ja offenbar nicht mehr, zumindest nicht im Highend
Diese Regel gilt nach wie vor, nur ist der Wert der TDP eben nicht mehr der Wert für erlaubte Leistungsaufnmahme.
Etwas detaillierter:

;-)
 
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