AW: Sind Grafiktreiber für AMD-Karten besser als für NVidia-Karten?
[...] das AMD offenene Treiber für Linux hat und NVidia nicht, stimmt das?
Offene Treiber müßte sich ja eigentlich besser weiterentwickeln lassen, nehm ich zumindest mal an.[...]
Moin!
Der Frage müssen wir uns in mehreren Schritten nähern.
Zunächst, einmal das Grundsätzliche:
Offene Treiber haben den Vorteil, dass die gesamte Community am Treiber mitwerkeln kann, so dass Neuerungen oder Bugfixes potentiell schneller umgesetzt werden können, als bei propritären Treibern, wo nur eine relativ kleine Gruppe Zugriff auf den Code hat.
ABER: Treiber müssen ja auch immer auf Hardwareschnittstellen zugreifen, damit sie überhaupt funktionieren können.
Sind diese Schnittstellen nicht bekannt bzw. offen gelegt helfen auch Open-Source-Treiber nicht wirklich weiter, da die Community ja nicht wissen kann, wie die Chipfunktionen tatsächlich im Treiber umgesetzt werden könn(t)en.
Bis vor ca. 1 Jahr war genau das immer das Problem bei den offenen Treibern, sowohl bei AMD als auch bei NVidia, weswegen diese zwar schon irgendwie funktionierten, aber nie auch nur annähernd in der Lage waren, das Leistungsmaximum eines Grafikchips heraus zu holen.
Alternative, insbesondere wenn es darum ging die 3D-Funktionen eines Chips nutzen zu wollen, waren die propritären Treiber, die beide Unternehmen mehr oder weniger Halbherzig (meint: unregelmäßige Updates, meist auch nur bedingt stabil, provozierten gerne Konflikte mit anderen Kernelmodulen...) zur Verfügung stellten.
Hier hat NVidia klar die Nase vorn gehabt! Deren propritären Treiber waren (sind) im Vergleich zu den AMD-Pendants -in einem einem Wort gesagt- besser. (Weil stabiler, komfortabler und i.d.R auch effektiver in Bezug auf die Leistungsfähigkeit des jew. Grafikchips.)
Ich schrieb aber nicht umsonst "...bis vor ca. 1 Jahr..." (...zudem galt Deine Frage ja explizit den offenen Treibern)
Bei AMD hat offenkundig ein Umdenken eingesetzt in Bezug auf ihre Linux-Politik, und das Unternehmen steuert nun regelmäßig quelloffenen Code für Linux bei.
Guckst Du hier:
Neue Generation von quelloffenen Linux-Treibern fur AMD-Grafikchips |
heise open
oder auch hier:
AMD & Linux: Alter Treiber wird aufgegeben, neuer bringt Vulkan-Support |
heise open
nicht zu vergessen, hier:
Linux: Quelloffene 3D-Treiber beherrschen jetzt OpenGL 4.1 |
heise open
Seit Kernel 4.3 sind diese auch direkt im Kernel eingebunden und werden stets verbessert.
Guckst Du hier:
Die Neuerungen von Linux 4.3 |
heise open
Fazit:
Da LinuxMint 18 (Sara) auf Ubuntu 16.04 LTS (Xenial Xerus) basiert und dort der Kernel 4.4 Einzug halten wird, gehe ich davon aus, dass bei beiden Distributionen dank der quelloffenen Treiber AMD-Karten dann out-of-the-box mit vollen Funktionsumfang laufen werden. Guckst Du hier:
Xenial Xerus › Wiki › ubuntuusers.de
Ich hoffe, ich konnte helfen.
MfG!
Iso.