Doch es gibt einen Grund, der nennt sich Glaubwürdigkeit der Spielwelt. Du fährst ja in der Realität auch durch 20 Dörfer wen du zu einem bestimmten willst wo du meist nur 1 bis 2 Dinge was zu erledigen hast und dann wieder wegfährst. Du wirst aber auch nicht in jedem der20 Dörfer dazwischen anhalten und irgendwas machen, nur weil du da durchkommst und auch nicht mit jeder Person, oder auch oft nur einer einzigen Person dort reden.
Du verwechselst hier zunächst einmal Realismus mit Glaubwürdigkeit. Eine guter Autor schneidet alle "unwichtigen" Dinge aus einer Geschichte heraus. Das heißt nicht, dass sie nicht passieren. Das heißt nur, dass sie implizit im Hintergrund geschehen, ohne den Leser/Zuschauer/Spieler zu langweilen. Die eigene Vorstellungskraft erledigt dann den Zusammenhang, wenn die Geschichte den entsprechenden Kontext liefert. (Mit Realismus zu argumentieren ist imo eh völlig widersinnig in jeglichem Genre, das nicht explizit als Simulation, also als realistisches Abbild der Welt, konzipiert ist.)
Beispiel: Geralt muss für eine Quest von Dorf A nach Dorf B.
Möglichkeit 1: Geralt verlässt Dorf A und reitet für 20 Minuten nach Dorf B. Auf dem Weg passiert 19 Minuten überhaupt nichts (man drückt nur stupide zwei Tasten und korrigiert ab und zu mal die Richtung) und vlt. eine Minute geht drauf um ein Monster zu killen, dem man zufällig irgendwo auf dem Weg begegnet.
Möglichkeit 2: Geralt reitetzur Ortsgrenze von Dorf A. -> Blende für 5 Sekunden um Dorf B zu laden. -> Geralt betritt Dorf B.
Beide Möglichkeiten sind absolut ebenbürtig, wenn es um die Glaubwürdigkeit der Spielwelt geht. Bei Möglichkeit 2 wurde einfach nur der langweilige Part rausgeschnitten (Es hat seinen Grund, warum Open World Spiele im Prinzip "Fortbewegungsspiele" sind. Die mit Abstand meiste Zeit verbringt man mit "sinnlosem" Rumlaufen oder Rumreiten...). Wie in einem guten Buch oder Film wird die Handlung auf die "wichtigen" Teile begrenzt. Das hat den Vorteil, dass man natürlich den ganzen Weg von A nach B nicht explizit erstellen muss und man die dadurch frei werdenden Ressourcen in mehr Komplexität, Tiefe und damit letztlich tiefgehenderen und interessanteren Content stecken kann. Das nennt man dann Fokussierung aufs Wesentliche.
Es ist also deutlich glaubhafter wen es von 20 Dörfern 6 Dörfer gibt die nur als Kulisse dienen, man aber nichts dort tun kann, als wen es 6 Dörfer gibt man aber in allen 15 Aufträge bekommt, nur um am Ende auf die gleiche Spielzeit zu kommen.
Es ist imo glaubwürdiger, wenn es nur sehr wenige Dörfer gibt, die auch entsprechend möglichst lebensecht nachgebildet sind (mehr noch als in Witcher 3). Und nicht nur glaubwürdiger, sondern auch interessanter.
Von daher bildet TW3 das schon deutlich realistischer ab als viele andere Spiele zuvor, somal es meist nicht so ist das man in einem Dorf nur einen Auftrag macht und dann dort nichts mehr zu tun ist, nicht selten gibt es da später noch eine oder auch mal zwei ! Quests die erst auftauchen wen man irgendwo anders was erledigt hat, oder aber die Quest im Ort erledigt hat wen man das erste mal dort ist.
Was bildet TW3 denn jetzt genau "realistisch" ab? Das ständige Hin-und Hergelaufe? Warum muss Geralt dann nicht essen, schlafen, kacken?
Sorry, aber ich verstehe das Argument generell nicht bzw. ich finde es höchst inkonsistent. Open World ist scheinbar nur deshalb gut, weil es realistisch ist, dass man von A nach B laufen muss, egal wie spannend das ist (oder auch nicht). Aber andere Elemente sind wiederum schlecht, weil sie "zu viel" Realismus bieten? Witcher 3 ist keineswegs realistischer als TW2, nur weil es eine offene Spielwelt bietet. Es ist auch nicht glaubwürdiger deswegen. Open World ist genauso "gamey" wie level hubs. Es ist eine Designphilosophie, die mit Realismus nur auf den ersten Blick was zu tun hat.
Sorry, aber für mich bedeutet Open World nur, dass Spiele künstlich gestreckt werden, weil man mindestens 50% mit Rumlaufen beschäftigt ist (auch wenn man intensiv Fast Travel nutzt). Es wird im Endeffekt die Story der Grafik bzw. der Spielwelt geopfert (zumindest im Verhältnis). Man erkauft sich schöne Aussichten mit Leerlauf im Gameplay und in der Story. Dafür ist mir schlicht meine Zeit zu schade. Wenn ich dran denke, dass man den interessanten Content in Witcher 3 auch in der Hälfte der Zeit hätte erleben können, bedauere ich die Zeit, die ich da reingesteckt habe.
Im Gegensatz zu anderen Spielen wird einem das aber meist nicht so offensichtlich auf die Nase gebunden.

Solche nicht "dokumentieren" ! Quests gibt es sehr häufig, viele kann man leicht übersehen, grade wen man es wirklich nur so handhabt das man nur einmal wo hingeht und dann meint es gäbe da nichts mehr zu tun.
Glaub mir, ich hab 99% der Quests gemacht, die das Spiel zu bieten hat. Das Spiel besteht einfach nur zu 80% aus verschwendeten Ressourcen und zu 50% aus Leerlauf. Der Rest ist großartig, wenngleich auch negativ von diesen beiden Punkten beeinflusst...