Gut wenn man jeden Publisher als unwürdig empfindet, der die letzten Jahre auf gaas, nft, metaverse und Co. gesetzt hat und dabei in irgendeiner Form gescheitert ist, bleibt eigentlich keiner mehr übrig.
Meines Erachtens muss man das immer auf einer Skala von "gut" bis "böse" betrachten. Square-Enix hat für mich persönlich zu viel Mist gebaut und ist damit eher im "bösen" Spektrum. Capcom hingegen - um das Beispiel noch einmal aufzugreifen - hat noch nicht so viel Mist gebaut, um in dem Spektrum zu landen.
Ehrlicherweise muss man aber schon sagen, dass Gaming in den letzten 15 + Jahren immer weiter durch corporate bullshit zersetzt wurde. Zumindest sehe ich nicht, dass sich Gaming abseits der technischen Seite so viel weiterentwickelt hat.
Über FF16 haben wir ja schon diskutiert, die Kritik ist für mich da halt nicht wirklich nachvollziehbar, aber es gibt quasi bei jedem FF sehr geteilte Meinungen, FFX ist mein absoluter Lieblingsteil, wird im Netz aber teilweise auch komplett zerrissen.
Ich kann als JRPG-Fan nicht verstehen, wie man FF XVI mögen kann. Das Spiel lässt sich auf seine Inszenierung herunterbrechen, die zwar top ist, die Story und die Charaktere sind allerdings eher schwach, da vorhersehbar und das Kampfsystem lässt sich auf Skill-Spam herunterbrechen, da die Stärken aus dem Vorbild DMC nicht übernommen wurden. Für mich ist FF XVI lediglich ein button mashing action game.
Auf der anderen Seite kann ich deine Meinung über FF X nachvollziehen. Das Spiel hatte zwar auch ziemlich deutliche Schwächen (bspw. mehrere hundert Stunden Grinding, wenn man die dark aeons ohne Yojinbo besiegen will), wird von vielen ursprünglichen Squaresoft-Fans aber nicht ohne Grund als das letzte "wahre" FF angesehen. Bei aller Kritik muss man auch zugeben, dass Squaresoft mit FF X eines der atmosphärischsten Spiele aller Zeiten geschaffen hat - das Gefühl an Melancholie, das FF X erzeugt, kann erdrückend sein, wenn man sich darauf einlässt.
Es ist in der Spieleindustrie derzeit sowieso ein klarer Trend erkennbar, durch die gestiegenen Budgets sind Risikos kaum noch möglich und man setzt eben auf bewährte IPs, im Endeffekt befinden wir uns schon in einem kleinen Crash der Branche.
Ich glaube ehrlicherweise, dass das mitunter auch ein hausgemachtes Problem ist. AAA Titel kommen im Zweifel auch ohne hochkarätige motion artists und voice actors aus. Ich glaube auch, dass ein nicht unerheblicher Teil der heutigen Spielebudgets in ineffizienten Unternehmensstrukturen versinkt und das diese Strukturen auch für Mittelmäßigkeit verantwortlich ist, weil niemand mehr wegen der toxischen Arbeitskultur in der Branche für irgendetwas Verantwortung übernehmen will (worunter ehrlicherweise viele Branchen leiden).
Das Gefühl habe ich schon seit Jahren. Mir persönlich ist es auch ein absolutes Rätsel wie bei Steam selbst der millionste Looter-Shooter, Multiplayer-Shooter oder First Person Shooter noch erfolgreich sein kann. Es ist gefühlt alles das gleiche mit der selben Spielmechanik. Es gibt immer mal wieder Ausnahmen, aber aktuell fühlt sich der Markt extrem gebraucht und in die Länge gezogen an. Ich spiele bis auf Helldivers 2 eigentlich nur ältere Games bzw Retro-Games. So ein richtiger Crash und Neuanfang bei Null würde sich so geil und erfrischend anfühlen, man kann es kaum in Worte fassen.
Gaming ist über die letzten 10 Jahre Mainstream geworden. Dazu kommt, dass die potentielle Kundschaft immer mehr unter recency bias leidet und - vielleicht etwas überspitzt ausgedrückt - "nichts Gutes mehr kennt". Da reicht's in der Regel halt aus, wenn ein Spiel "gut genug" ist, damit es von einer ausreichenden Anzahl an Spielern gekauft wird. Nachvollziehen kann ich deine Ansicht allerdings. Bei mir laufen auch vermehrt Retro-Games. Ob es wirklich einen richtigen Crash und einen Neuanfang bei Null geben wird, möchte ich bezweifeln. Dafür ist die Branche einfach "too big to fail".