PC-Lautsprecher 300-400 EUR / Erster Selbstbauversuch.

Deimos

BIOS-Overclocker(in)
Salut!

Ab Januar sollte ich wieder etwas mehr Freizeit haben und möchte gerne ein kleines Selbstbau-Projekt beginnen.

Mein Erfahrungsschatz beim Thema Lautsprecher-Selbstbau ist gleich null. Ich war dem Thema bisher immer eher abgeneigt, sei es aus dem Unglauben, dass da (mit meinen Fähigkeiten) etwas Gutes entstehen kann, oder weil mir die Zeit/Geduld dazu fehlte.

Ich möchts nun aber dennoch gerne mal probieren, auch vor dem Hintergrund, dass ich in 2 - 5 Jahren (wenn bessere Lautsprecher angesichts der Aufstellung nicht Perlen vor die Säue wären) vielleicht mal meine Musik-/Heimkino-Einrichtung ersetzen will und einschätzen kann, was ich von Selbstbau erwarten kann. Abgesehen davon geht’s auch einfach um die Freude, an einem Projekt zu basteln und was Neues zu probieren. :)

So, was solls nun werden?
Momentan nutze ich am Rechner ein Paar Heco Victa 301, mit denen ich ganz zufrieden bin. Je nach Ergebnis würden diese abgelöst werden. Alternativ (will heissen, wenn ich Sch**** baue ;) )werden die Logitech am Zweitrechner ersetzt.
Heisst also Lautsprecher, die bei 60-80 cm Hördistanz noch anständig klingen, was die Grösse wohl schon einigermassen einschränkt. Die Victa mit ca. 30+cm Höhe ist da eig. schon klar zu gross, was auch hörbar ist.

Wünsche an die Klangcharakteristik habe ich nur insofern, dass die Lautsprecher einigermassen homogen klingen soll. Kein Bassgewummer, keine schrillen Höhen, that’s it. Das maximal Mögliche eben, was das Budget eben hergibt. Selbiges liegt bei ca. 300-400 CHF (bzw EUR). Da sollte dann aber alles dabei sein ausser das Finish. (Elektronik, Holz/MDF, …??) Mein Dad ist Zimmerman, hat Zugang zu einer Schreinerei und drechselt im Keller. Da sollte sich also optisch schon was machen lassen.

Kennt ihr da Bausätze, die empfehlenswert wären?

Was muss ich werkzeugmässig alles bereit halten? Momentan kann ich mit Stichsäge, (Stand)Bohrmaschine und Schleifmaschine dienen.
Ein Dremel ist ebenfalls verfügbar. Nach allem, was ich so gelesen habe, sollte es mindestens noch eine Oberfräse sein. Sonst noch was? Die Fräse werde ich wohl noch holen, in anderen Fällen kann wohl auch der Nachbar aushelfen (hat ebenfalls eine Mini-Schreinerei :) ).

So, ganz schön viel Geschreibsel. Ich hoffe, ihr könnt mir bei der Suche nach einem geeigneten Bausatz helfen!

Danke & viele Grüsse,
Deimos
 
Heisst also Lautsprecher, die bei 60-80 cm Hördistanz noch anständig klingen, was die Grösse wohl schon einigermassen einschränkt.

Wie darf man denn das verstehen? Was hat die Hördistanz mit der Klangqualität zu tun?

Ansonsten gib mal bitte ein paar Details zum Raum bekannt, bzw. wo die Lautsprecher darin dann stehen sollen.
 
Google mal nach Vifantastisch, das ist für den Anfang sehr gut und wird dich auch kein Vermögen kosten.
Danke für den Tipp, wirklich coole Dinger! Ist ja Wahnsinn, was die Leute teilsweise designmässig daraus machen!
Sehe ich das richtig, dass ich auf Grund des Breitbänders gar nicht erst eine Frequenzweiche brauche und somit keine Lötarbeiten anfallen?

Wie darf man denn das verstehen? Was hat die Hördistanz mit der Klangqualität zu tun?

Ansonsten gib mal bitte ein paar Details zum Raum bekannt, bzw. wo die Lautsprecher darin dann stehen sollen.
Die LS haben ja ein gewisses Abstrahlverhalten bzw Hoch undTief/Mitteltöner ein unterschiedliches. Wenn der Speaker bei der kurzen Distanz zu gross ist, wirds schwierig da auf der richtigen Achse zu sitzen.
 
Achso, du sitzt sehr nah dran, wird also ein Schreibtischlautsprecher?
Da würde mir noch sowas hier einfallen:
VOX 80

Die Vifantastisch sehen ja mal richtig nett aus, die würde ich gern mal probe hören :)
 
Als kleine Orientierungshilfe zum Werkzeug:
Im Prinzip braucht man für nen einfachen Bausatz neben einem Lötkolben noch einen Akkuschrauber mit dem mann auch Bohren kann und eine Stichsäge. Zum Verleimen dann halt Leim und Schraubzwingen (je mehr desto besser) Dazu fürs Finish eben spezifische Gerätschaften wie Schleifpapier in diversen Körnungen, Pinsel, fusselfreie Lappen,... je nachdem hat.

Wenn man hat kann man beliebig viel mehr sinnvoll nutzen. Bei mir ist zum Beispiel normal keine Stichsäge im Einsatz, sondern meine Tauchsäge, meine Oberfräsen (Kantenbearbeitung und Einsenken der Chassis, sowie für Ausschnitte), mein Schleifer, natürlich meine geliebte Lamellofräse und mein Bohrständer...

Das Ergebnis wird dadurch nicht zwingend klanglich besser, aber zum Einen tut man sich an der einen oder anderen Stelle leichter und optisch wirds z.B. durchs Versenken der Chassis auch ansprechender.

Zu den Boxenbausätzen:
Da gibts geeignete wie Sand am Meer. Für den Schreibtischeinsatz im sehr kurzen Nahfeld sind dabei nicht alle so genannten Nahfelder geeignet, weil die klassisch erst ab ner Distanz von ca. 1m zum Einsatz kommen und darunter nicht optimal funktionieren.

Wichtig bei der Auswahl einer geeigneten Box ist es daher auf das Abstrahlverhalten zu achten. Weil das aber natürlich nicht immer mit veröffentlicht wird muss man sich anhand der geometrischen Gegebenheiten selbst helfen. Dabei gilt, je kleiner die Chassis desto breitbandiger strahlen sie breit ab.
Klingt jetzt doof aber zur Erklärung folgendes: Der Bass wird kugelförmig abgestrahlt, die Grenze zur gerichteten Abstrahlung hängt von der Chassisgröße ab. Ein Chassis fängt in dem Bereich an zu bündeln (und damit von der kugelförmigen Abstrahlung in eine gerichtete zu wechseln), wenn die Wellenlänge die Dimension des Chassis erreicht. Damit ist klar, ein kleineres Chassis bündelt weniger früh und weniger stark als ein großes Chassis.
Bei normalen und großen Hörabständen ist das nicht mehr so kritisch und kann sogar Vorteile haben, bei sehr kurzen Abständen kann das aber bedeuten, dass sich die Musik tonal schon ändert, wenn man mal den Kopf bewegt. D.h. man sollte idealerweise darauf achten, dass kein Chassis in einem Bereich betrieben wird in dem es schon anfängt zu bündeln.

Für den konkreten Fall einer Schreibtischanwendung heißt das vereinfacht, dass ein Tiefmitteltöner max. 5" haben sollte und ein Hochtöner eher 16-19mm anstatt 1" haben sollte. Damit ist man dann schon gut unterwegs und die Wahrscheinlichkeit, dass die Box geeignet ist ist recht hoch.

Desweiteren sollten die Chassis möglichst dicht beieinander liegen. Hier ergibt sich dann ein geringer Laufzeitunterschied und die Schalladdition der einzelnen Chassis gelingt leichter. Davon profitiert die Homogenität und die Räumlichkeit einer Box. Ansonsten sind die Chassis u.U. als eigene Schallquellen herauszuhören - das klingt dann furchtbar und kann im Extremfall dazu führen, dass eine Sängerin je nachdem wie sie singt einmal von oben aus dem HT und einmal von unten aus dem TMT kommt...

Sehr gut geeignet sind auch Breitbänder (die dennoch allermeistens eine kleine "Weiche" in Form eines Sperrkreises benötigen) oder auch Koaxe (gute sind aber nicht wirklich günstig).

Nahfeld hat abgesehen von den Einschränkungen bei der Größe (was aber eigentlich nur eine Einschränkung der max. Lautstärke ist und keine der Qualität) eigentlich nur Vorteile. Einer davon ist der der Unabhängigkeit vom Raum. Du kannst deswegen Fragen nach dem Raum (siehe Hilps) getrost ignorieren! Es spielt nur das Nahfeld eine Rolle, d.h. nur der Bereich direkt um die Boxen. Also eine vorhandene Rückwand oder Ecke z.B. oder auch die Schreibtischplatte. Wenn diese in unmittelbarer Nähe der Boxen sind, so sorgt jede dieser Begrenzungsflächen für einen Bassboost von 3dB! D.h. auf der Schreibtischplatte dirket vor der Wand (so ists bei mir) ergibt sich ein respektabler Boost von +6dB! Das sollte man berücksichtigen und in so einem Fall Boxen bauen, die damit umgehen können. Konkret heißt das, dass in so einem Fall die Box im Frequenzgang einen früh und flach abfallenden Verlauf zum Bass hin haben sollte. Die Wand sorgt dann schon dafür, dass es wieder ein wenig mehr wird.

Als Selbstbauer kann man aber natürlich auch selbst dafür sorgen, das ne Box so abgestimmt ist und muss sich nicht wie bei Fertiglösungen auf das stützen was es gibt (und das ist erstaunlich wenig zumindest im unteren Preisbereich)

So, genug Theorie und mal was zu konkreten Bausätzen:
Ich habe das so gelöst: Meine PC Beschallung
und bin immer noch sehr zufrieden!

Ebenfalls toll finde ich die CT256 und CT266 aus der Cheap Trick Reihe der K+T (siehe unten). Das sind kleine Schreibtischhörnchen, die wirklich geil klingen und durch die unterschiedlichen Bestückungsmöglichkeiten auch im Nachgang noch leicht getunt werden können. Das schöne dabei, die sind mal was völlig anderes und zeigen, das Boxen nicht alle gleich aussehen müssen oder auch nur nach dem gleichen Prinzip ihren Bass abstrahlen müssen (bei Fertigboxen könnte man den Eindruck gewinnen).

Daneben gibt es eine Reihe von tollen Lösungen (die oben genannte VOX80 ist allerdings mehr Schein als Sein - hier wurde die Optik der großen VOXen auf Teufel komm raus in ne kleine Box gezwängt, sieht toll aus, klingt aber ernüchternd). Wenn du dich mal selbst umsehen willst ein paar Links:

Strassacker: Lautsprecher - Boxen - Selbstbau
Lautsprecher Shop | blue planet acoustic
Visaton Startseite DE - eigenes Forum
QUINT-AUDIO
www.intertechnik.de
...

Viele der Vertriebe bieten auch eine Telefonberatung an oder beantworten Fragen per Mail. Ich habe mit den meisten der obigen Anbieter sehr gute Erfahrung gemacht. Ebenfalls ist es bei einigen möglich vorbei zu fahren und sich die Boxen vor Ort anzuhören. Dabei habe ich schon wirklich nette Nachmittage verbracht und kann auch das nur empfehlen! In der Szene wird einem eigentlich immer geholfen, wenn man ein Problem hat.

Daneben gibt es noch die beiden Zeitschriften Klang+Ton (K+T) und HobbyHifi (HH) in denen es reichlich Bausätze gibt und dazu Hintergrundinformationen und Theorie.

So, das solls mal fürs erste gewesen sein...
 
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