Vorsicht Kunde!
Hintergrund: Die unglaublichen Rechenkünste eines Online-Händlers
Amazon Video: Vorsicht Kunde! »
Alles so schön hier!
Viele nette Mitarbeiter verschicken bei Amazon täglich viele nette Päckchen... an die vielen, netten Kunden. Denn Amazon hat sich etwas ganz dolles vorgenommen Sie arbeiten daran, das kundenfreundlicheste Unternehmen der Welt zu werden – Jürgen G. aus Kirtorf kann drüber nur lachen.
Warum? Vor lauter Freundlichkeit scheint Amazon das Rechnen verlernt zu haben. Denn bei Amazon sind 474 Euro minus 237 Euro gleich Null, 237 plus 295 sind 295 Euro und 237 plus 58 macht 532! Da stimmt aber auch gar nix.
Jürgen G. ist ein echt total freundlicher Amazon-Kunde. Im Januar hat er eine gute Idee und kauft bei der Resterampe von Amazon einen Fernseher. Der Preis: 474 Euro Doch nach gut 4 Monaten gibt das gute Stück den Geist auf. Die netten Leute von Amazon sind richtig toll und schreiben: "kein Problem, Herr G., schicken Sie einfach den Fernsehe zurück!" Also macht der Herr G. den Fernseher gleich reisefertig.
Fehler
Kaum ist der bei Amazon angekommen, schreiben die vom netten Kundenservice: "Wir behalten den kaputten Fernseher und Sie bekommen einfach den Kaufpreis zurück." Wir erinnern uns: Der war 474 Euro. Amazon überweist aber nur 237 Euro. Und fühlt sich im Recht. Doch dann bemerkt man den Fehler. Ein Systemfehler sei schuld, in der EDV, die Techniker arbeiten daran. Selbstverständlich wird der volle Kaufpreis zurückerstattet! Prima! Das ist kundenfreundlich. Herr G. bestellt gleich einen neuen Fernseher. Und Amazon ist jetzt so richtig fix – zumindest mit dem Geld-Kassieren. Denn einen Tag nach der Bestellung ist das Geld auch schon abebucht. Amazon holt sich für den Fernseher 295 Euro vom Konto des Kunden! Es fehlt aber noch das restliche Geld von dem kaputten, alten Fernseher. Und: wo ist eigentlich der neue?
Jürgen G. erinnert sich: "Am 1.Juli. erhielt ich dann die Mitteilung, das neue Gerät sei nicht vorrätig. Leider habe man sich da vertan. Es könne nicht mehr geliefert werden." Also: Kein Geld für den defekten Fernseher und auch kein neuer Fernseher!
Noch ein Fehler
Wir rechnen zusammen: Das kundenfreundliche Amazon schuldet Herrn G. insgesamt 532 Euro. Jetzt hat einer bei Amazon eine echt gute Idee: Man werde ihm 237 Euro und 58 Euro überweisen. Das mache laut Amazon dann zusammen 532 Euro!
Schon wieder...
Wieder so ein Rechenfehler! Da fehlt doch noch was, genau, 237 Euro. Herr G. ist fassungslos! Immerhin überweist Amazon die fehlenden 237 Euro für den kaputten Fernseher. Nur das Geld für den nicht gelieferten zweiten fehlt, die 295 Euro, tauchen nicht auf. Jetzt reicht’s dem Herrn G. aber wirklich. Er will endlich das restliche Geld! Doch Amazon kontert: Das Geld, schreibt man, - stehe Ihm nicht zu, denn Jürgen G. hätte den Fernseher nie zurück geschickt. Deshalb sei ihm auch das Geld nicht zu vergüten.
Dem eigentlich sehr netten Herrn G. platzt jetzt die Hutschnur. Wie soll er einen Fernseher zurückschicken, den er nie bekam? Amazon reagiert nun gar nicht mehr. Hofft man, dass der Kunde irgendwann Ruhe gibt? Doch da haben sie die Rechnung ohne den jetzt nicht mehr netten Herrn G. gemacht. Denn der lässt die 295 Euro nun ganz einfach zurück buchen. Jürgen G. schaut sich die Belege noch mal genau an und stellt fest: Alles palletti – die Konten sind jetzt ausgeglichen.
...und noch einer
Denkste. Denn plötzlich rechnet bei Amazon einer nach: und meint, Herr G. bekäme ja doch noch 295 Euro. Also liebes Amazon, jetzt wollen wir’s mit der Kundenfreundlichkeit aber nicht gleich übertreiben...
Rechenschieber gewünscht?
Wie kann es zu so einem Chaos kommen? Eigentlich war der Bestellvorgang mit der Reklamation doch ein ganz normaler Vorgang. Christine Hoeger von Amazon entschuldigt sich bei Herrn G.: "Tatsächlich lag hier ein etwas unglücklicher Verlauf der Rückerstattungen aufgrund zweier technischer Fehler vor, wodurch die Erstattungen nicht so reibungslos wie sonst üblich verlaufen sind. Bitte entschuldigen Sie vielmals die Unannehmlichkeiten. Als kleine Entschädigung werden wir dem Kunden einen Gutschein über 50 Euro zukommen lassen."
Ob die Fehler nun wirklich behoben sind? Unser Tipp: Lieber nochmal genau nachrechnen.