Die Frage, wie viel Geld eine Einbeziehung von Beamten in die gesetzliche Rentenversicherung bringen würde, taucht in der politischen Debatte immer wieder auf. Die kurze Antwort lautet:
Kurzfristig bringt es der Rentenkasse ein deutliches Plus von schätzungsweise 18 bis 20 Milliarden Euro pro Jahr. Langfristig jedoch verpufft dieser Effekt vollständig.
Das liegt an der Logik unseres Rentensystems, das auf dem Umlageverfahren basiert: Wer heute einzahlt, erwirbt damit gleichzeitig Rentenansprüche für morgen.
Hier ist die detaillierte Aufschlüsselung, wie die Zahlen zustande kommen und warum die Rechnung einen Haken hat.
1. Der kurzfristige Effekt: Die Mehreinnahmen
Würden ab morgen alle aktiven Beamtinnen und Beamten in Deutschland (das sind rund 1,7 Millionen Menschen) regulär Rentenbeiträge zahlen, würde auf einen Schlag eine enorme Summe in die Rentenkasse fließen.
- Das Beitragsaufkommen: Die Bruttogehälter aller Beamten in Deutschland belaufen sich zusammen auf rund 100 Milliarden Euro pro Jahr.
- Das Rechenbeispiel: Bei einem aktuellen Rentenversicherungsbeitrag von 18,6% würde das rein rechnerisch zusätzliche Einnahmen von rund 18,3 bis 20 Milliarden Euro pro Jahr für die gesetzliche Rentenversicherung bedeuten.
Dieses Geld stünde der Rentenkasse sofort zur Verfügung und könnte die Kasse für die nächsten Jahre (während die Generation der Babyboomer in Rente geht) spürbar entlasten. Ökonomen nennen das einen sogenannten
"Einführungsgewinn".
2. Der langfristige Effekt: Das dicke Ende für die Rentenkasse
Der Gewinn ist jedoch ein Strohfeuer. Denn die neuen Beitragszahler werden älter und wollen später selbst eine Rente sehen. Langfristig droht der Rentenkasse durch Beamte sogar ein Minusgeschäft aus zwei Gründen:
- Höhere Ansprüche: Beamte haben im Schnitt ein höheres Bildungsniveau und verdienen deutlich besser als der Durchschnitt der Angestellten. Dadurch zahlen sie zwar viel ein, erwerben aber auch überdurchschnittlich hohe Rentenansprüche, die die Rentenkasse später auszahlen muss.
- Höhere Lebenserwartung: Statistisch gesehen leben Beamtinnen und Beamte in Deutschland im Schnitt zwei bis vier Jahre länger als herkömmlich Angestellte. Sie würden also sehr lange Rente beziehen, was die Rentenkasse langfristig massiv belasten würde.
Studien (unter anderem vom
Institut der deutschen Wirtschaft) zeigen, dass die Rentenkasse nach einigen Jahrzehnten – je nach genauem Modell der Umstellung – mit jährlichen
Zusatzausgaben von 33 bis zu 59 Milliarden Euro belastet würde. Die anfänglichen Mehreinnahmen von knapp 20 Milliarden Euro reichen dann bei Weitem nicht mehr aus.
3. Das Problem für den Staat (und die Steuerzahler)
Für den Staat als Arbeitgeber (Dienstherrn) wäre die Umstellung ein extremes Verlustgeschäft, das über Steuern finanziert werden müsste. Der Staat müsste nämlich:
- Den Arbeitgeberanteil zahlen: Genau wie private Unternehmen müsste der Staat für jeden Beamten die Hälfte des Rentenbeitrags (also ca. 9,3%) übernehmen. Das würde Bund, Länder und Kommunen sofort rund 9 bis 10 Milliarden Euro pro Jahr kosten.
- Die alten Pensionen weiterzahlen: Der Staat kann bestehenden Pensionären nicht rückwirkend ihre Versorgung streichen. Er müsste also über Jahrzehnte hinweg die bestehenden Pensionen aus Steuermitteln zahlen und parallel die Rentenbeiträge für die aktiven Beamten aufbringen.
Fazit: Eine Einzahlung der Beamten in die Rentenkasse lindert die finanziellen Probleme der Rente nur kurzfristig. Langfristig löst es den demografischen Wandel nicht, sondern verschiebt die Kosten lediglich in die Zukunft und belastet die Staatskassen durch die doppelte Übergangsfinanzierung massiv.