"Im Koalitionsvertrag von CDU, CSU und SPD heißt es zum Deutschlandticket, der Anteil der Nutzerfinanzierung solle ab 2029 schrittweise und sozialverträglich erhöht werden."
Der Preis des Deutschlandtickets im Nahverkehr soll im kommenden Jahr auf 63 Euro im Monat steigen. Das haben die Verkehrsminister der Länder auf ihrer Konferenz beschlossen. Hintergrund ist ein Finanzstreit mit dem Bund.
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Schade. Es wird eben wieder bei denen gespart, die wenig haben. Die Finanzierung des Dienstwagenprivilegs wird kritisieren aber da wird kein Cent gespart.
Das Dienstwagenprivileg ist noch einmal eine schlimmere Nummer, weil ganz gezielt das obere Drittel der Bevölkerung profitiert. Aber auch das Deutschlandticket ist, genau wie die Pendlerpauschale, tendentiell eine Umverteilung von unten nach oben:
Profitieren tun vor allem Pendler auf mittleren bis längeren Strecken.
Da eine Putzfrau selten ein Haus im weiteren Speckgürtel hat und noch viel seltener in die Verlegenheit kommt, in die Nachbarstadt fahren zu müssen, weil in ihrer eigenen absolut niemand Putzfrauen braucht, pendeln aber überwiegend recht gut verdiendende Ingenieure, höhere Angestellte und ähnliches über lange Strecken. Niedriglohnjobber, die wirklich Unterstützung nötig hätten, haben im Schnitt kürzere Arbeitswege, weil es Scheißjobs halt überall gibt. Dementsprechend lebt die Mehrheit in den Kernzonen der Verkehrsverbände, wo es auch schon vor dem Deutschlandticket Monatskarten für unter 50 € gab. Mit denen konnte man halt nicht zum Urlaub auf Sylt fahren, aber was machen präkar Beschäftigte eher selten? Eben: Urlaub auf Sylt. (Das heißt nicht, dass niemand von denen längere Strecken fährt, aber auch 100000 mit langem Arbeitsweg sind halt nicht wirklich relevant gegenüber 10000000 mit kurzem.)
Wo reguläre Monatskarten zugunsten des Deutschlandtickets eingestellt wurden, zahlen wirklich arme Menschen heute sogar drauf. Profitieren tun dagegen diejenigen, welche ohne D-Ticket eine teurere alle-Zonen- oder gar eine DB-Monatskarte brauchten, denn für die hat man schnell dreistellige Monatsbeträge auf den Tisch gelegt - wenn man entsprechend viel verdient, sonst nimmt man so einen Job gar nicht erst an. (Beibehalten werden kann es imho trotzdem, denn auch wenn es sozial nicht von Vorteil ist, hat es einen Teil besagter Langstreckenpendler vom Auto weggeholt. Aber statt dem großen Wurf, als dem es gerne dargestellt wird, ist das Deutschlandticket in meinen Augen eine mittelmäßiges, schweine teures Populismusprojekt. Z.B. Kostenloser ÖPNV nur in Innenstädten hätte vermutlich eine größere Wirkung für das Klima gehabt, mehr armen Leuten geholfen und das, wenn man die Einsparungen bei Kontroll - und innerstädtischer Straßeninfrastruktur gegenrechnet, vielleicht sogar zum kleinen Preis.)
Habe ja keinen Dienstwagen und fahre Dacia und S-Bahn
Man möge aber bedenken, dass die Zulassungen an Neuwagen als Dienstfahrzeuge in Summe um die 20% liegt.
Bei E-KfZ sogar über 50%.
Die E-Wende wird also derzeit im Wesentlichen von Dienstfahrzeugen getragen.
Und was bringt diese Form der ""Wende"", außer Steuerrabatte für die Firmen und Steuergeschenke für reiche Leute?
Sowohl auf der Situation auf Autobahnen nach als auch den Schilderungen aus einer breiten Palette von Firmen zu Folge, die man so ließt, werden die ganzen Langstreckenaußendienstfahrten, die viel km und somit viel CO2 ausmachen, weiter fossil gefahren. Genauso sind die ganzen innerstädtischen Pflegedienste & Co weiter fossil unterwegs, weil Batteriekleinstwagen viel zu teuer im Vergleich zu deren normalen Billigstmodellen sind. Sub-sub-sub-Lieferunternehmer setzen auch weiterhin auf Verbrenner. Die ganzen höchstsubventionierten Batteriekutschen scheinen nur genutzt zu werden, damit Besserverdiener nicht den, bis in ihren Speckgürtel vollkommen hinreichend ausgebauten ÖPNV nutzen müssen, sondern sich morgens in den automatisch vorgeheizten Tesla (via vom Steuerzahler bezahlter Wahlbox mit vom Steuerzahler unterstützten Strom, ggf. vor dem mit vom Steuerzahler finanzierten Krediten unterstützten Hausneubau) setzen kann.
Fällt aber das Dienstwagenprivileg, haste gerade bei deutschen Herstellern ein noch größeres Problem.
Dass die VW-Dividende wichtiger ist, wird der bereits erwähnten Putzfrau sicherlich einleuchten.
Ich kann jedem der Angst um die Deutsche Autoindustrie hat nur raten sich mal deren Aktienkurse anzusehen.
Trotz angeblich anhaltender Krise haben VW, BMW und Mercedes dieses Jahr ein leichtes Plus zu verzeichnen. Also panisch scheinen die Anleger nicht gerade zu sein.
Jup, bedenkt man zusätzlich noch das ebenfalls schwächelnde Geschäft nicht-Deutscher Autobauer, geht es denen immer noch durchaus gut. Künstlich schwarzgeredet wird in Deutschland nämlich vor allem von einem: Lobbies, die mehr Steuergeld abgreifen wollen.
Trotzdem muss man ganz klar sagen, dass die deutschen Autobaustrukturen schlecht sind. Sehr schlecht. Nicht im Sinne dessen, was man aktuell verkaufen kann, sondern im Sinne dessen, was man in Zukunft verkaufen sollte. Wir praktizieren keinen Leichtbau, wir können keine Batterien, wir wollen keine kleinen Antriebe bauen und bei der Effizienz der Verbrenner hat sich auch schon lange nichts großes mehr getan. Und vieles von dem, was bei deutschen Marken zumindest nach einer Entwicklungsgrundlage aussieht, ist entweder als kaum skalierbare Nische angelegt (viele Batterieautomontagebänder, wo man mal in keinen Stückzahlen nahe der Entwicklungsabteilung was ausprobiert) oder aber es steht im Ausland. Wo übrigens auch alle Investitionen hinfließen.
In sofern sind Subventionen für deutsche Autokonzerne einfach nur ein Verlust für die deutsche Gesellschaft. Das, was aktuell da ist, wird sowieso verschwinden. Das, was aktuell über den Tisch geschoben wird, fließt nach Osteuropa oder China ab. Das, was alternativ für Wohlstand in Zukunft sorgen könnte, wir nicht gebaut, weil entsprechende Rahmenbedingungen ja "schlecht für die [veraltete] Wirtschaft" wäre und weil das Geld weg ist.
Aber sowas hat Tradition: Kohle statt Wind, Diesel statt Solar, Stahl statt Mikrochips, Autobahnen statt Wärmepumpen, Fischkutter auf leeren Meeren und Schweinemast über gülleverseuchtem Grundwasser statt Software. Ich bin schon gespannt, womit andere sich eine goldene Nase verdienen, während wir kein-Funsionskraftwerk bauen, verrostete, überteuerte Panzer bewundern und Schulden in Billionenhöhe zählen. Vielleicht Elektrolyseure/E-Fuel/etc. Würde jedenfalls in die Tradition passen, dass Deutschland führend bei der Grundlagenentwicklung ist, teure Pionierprojekte anstößt und dann komplett aus der "linksgrünversifften Geldverschwendung" aussteigt, wenn sie anfängt, lukrativ zu werden.
(Kann aber natürlich auch anders kommen. In z.B. in Magnetschebebahnen, gasgekühlte Fissionsreaktoren, schnelle Brüter und eine breite Palette chemischer Giftstoffe hat der deutsche Steuerzahler ebenfalls hunderte Milliarden versenkt, aber die Projekte waren derart verfehlt, dass niemand Rentabilität darin gesehen hat. Bei Flugtaxis scheint sich das gerade ähnlich zu entwickeln, zur Überraschung von absolut niemandem außerhalb der Union.)