Also erstmal sind die hohen Preise ja nicht neu.
Ein paar Beispiele:
Ich erinnere mich noch, wie ich anno 2001 Majoras Mask (N64) für 149,- DM erbeutet habe. Ca. 2 Jahre später kostete das brandneue Thief 2 (PC CD-ROM) 79,- DM bei ProMarkt (das war so eine Art MediaMarkt aber nur in Gelb statt Rot

). Inflationsbereinigt sind das eher Preise von jenseits der 100-200€ als die hier befürchteten 100$ für GTA 6, und das waren damals Standardpreise.
AAAAAaaaaaaaaber
(
Achtung ab hier Uralter-Opa-Rant)
Trotzdem würde ich das aber so gut wie nie für moderne Spiele zahlen, schlicht und ergreifend, weil viele Qualitäten o.g. Titel einfach fehlen:
Damals gab es nahezu
perfekte Bugfreiheit und man hatte das Gefühl, dass quasi jedes zweite Spiel, das rauskam, entweder irgendetwas revolutionierte oder so perfekt gemacht war, dass es auch wert war, endlos lange gezockt zu werden. Beispiele: Starcraft anno 1998 ist immernoch Referenz für Multiplayer-Balancing und die aktuellen Path of Exile (egal ob 1 oder 2) kommen nicht annähernd an die Balance von Diablo 2 (2000) ran, obwohl sie den gesamten Rest des Spiels 1:1 kopieren.
Hier zahlte man also, ohne es zu wissen, Standardpreise für Dinge, die für immer Bestand haben würden.
Ich glaube das Lebensgefühl von früher können sich die jüngeren hier gar nicht vorstellen: Die durchschnittliche Qualität war so hoch, dass man auf Spielemagazine vertrauen oder sogar einfach spontan in den Laden gehen und was kaufen konnte, was gut aussah und i.d.R. NICHT enttäuscht wurde. Noch dazu gab man sich richtig Mühe bei Verpackung und Extras (bzw. sowas existierte). Ich erinnere mich an meine britische Version von UT99 GOTY-Edition, die ich wegen der Zensurfreiheit (Blut etc.) und Sprache notgedrungen irgendwie über das Dial-Up-Internet eines Kumpels aus der UK importieren musste:
Dicke Pappbox mit zig Stanzungen, Aufklappseiten, die mit Klett verschlossen werden, Hochglanzbilder, Poster, dickes gedrucktes Handbuch. Das hat dann auch was gekostet,
ist aber einfach mit einem digitalen Key, mit dem man heute lediglich Zugang zu nem unfassbar nervigen 100GB Downloadbalken bekommt, absolut nicht vergleichbar und das fliesst für mich auch 20 Jahre, seit dem es sowas generell nicht mehr gibt, trotzdem stark in den Preis mit ein.
Ich seh es quasi einfach nicht ein, es der Industrie durchgehen zu lassen, dass sie sowas hat sterben lassen.
Ein ausschließlich digital existierendes Produkt ist für mich nicht Kategorie "Videospiel", sondern Kategorie "theoretisch noch ein Videospiel, aber in extrem minderwertiger Form". Wie lang das her ist, dass Kategorie 1 die Regel war, interessiert mich dabei nicht. Sie existierte. Sie war das Maß der Dinge. Holt sie zurück.
Heute wartest du aus Furcht davor, für 80€ einen reinen Scam zu erhalten, grundsätzlich erstmal Monate ab, bis zig Patches erschienen sind, kaufst nur das, was auch aufgrund diverser Reviews vielversprechend wirkt (weil Firmen wie Ubisoft usw. fast nur noch Scams veröffentlichen), besitzt lediglich einen digitalen Key, diesen auch nur, bis Steam irgendwann meint "lol wir sind dann mal pleite/weg/offline" (dann besitzt du gar keine Spiele mehr, weil du nur eine Art Abo gekauft hast, also streng genommen sogar noch weniger als ein rein digitales Spiel) und dann reicht die Qualität insbesondere des Storytelling und Gameplays (alles heute zu einfach/primitiv - bis auf Indies, aber die dann meistens nicht gebalanced) eh nicht an die Klassiker von ca. ~95 bis 2005 ran.
Ich mein:
Was erwartet Ihr denn realistisch gesehen von GTA 6 wenn nicht sowas wie "naja wahrscheinlich Online-Abzocke pur, aber eventuell wirds ja fast so gut wie Teil 5 und natürlich grundsätzlich exakt dasselbe durchgekaute Spielprinzip wie seit San Andreas (2004)". Wir reden hier von *dem* Titel des Jahrzehnts - und er ist bereits bevor es überhaupt ein großes Preview mit Weltkarte, Hauptfiguren usw. gibt festzementiert als ein weiterer Abklatsch ohne Innovationen, eine weitere Variation von etwas, das wir alle schon viel zu oft durchgespielt haben.
Nicht nur das: Man muss ja erstmal beten, dass es nicht woke ist, denn sonst taugt es nichtmal als Abklatsch.
Ich sehe in neuen Titeln einfach keinen Reiz mehr. Nicht wegen mir, sondern wegen den Titeln/der Industrie. Das Gameplay ist eher simpler als damals und gleichzeitig trieft den Werken aus jeder Pore, dass sie seelenlose Machwerke eines gefühlstoten Konferenzraumes und nicht der Phantasie von jemandem entsprungen sind, der unbedingt eine Geschichte erzählen wollte. Und dass das NICHTS mit meinem Alter zu tun hat, merke ich z.B. daran, dass ich jetzt vor kurzem erst Arx Fatalis von 2002 entdeckt hatte und mir dieses besser gefällt als moderne Titel (keine Nostalgie vorhanden, da damals verpennt/übersehen, es ist einfach objektiv wertiger als moderne AAA Titel).
tl;dr: Früher war alles besser.