AW: Mercedes Benz F015: Auch in der Zukunft gibt es Selbstmördertüren
Diese Technik wird zunehmend besser. Das tolle an Computern ist, dass sie im Gegensatz zu Menschen auf Kommando mit allen bekannten Informationen und Reaktionen gefüttert werden können und diese niemals vergessen oder in Panik geraten. Ich glaube auch nicht, dass ein autonomes Auto vom schreienden Kind auf der Rückbank abgelenkt, oder Nachts nach 6h Fahrt auf der Autobahn in Sekundenschlaf verfallen wird. Es wird nicht, weil es "schneller am Ziel" sein möchte, zu schnell fahren und auch nicht, weil es vergessen hat, ob eine Geschwindigkeitsbegrenzung vorliegt a) mit 80 herum gurken oder b) 260 fahren.
Ein Leistungsfähiger Rechner zusammen mit flotten Sensoren registriert wahrscheinlich >1.000x/Sekunde Veränderungen in seiner Umgebung und kann sofort logisch, nicht gesteuert von Reflexen oder Panik, darauf reagieren. Da möchte ich mal einen menschen sehen, der hier hinterherkommt. Ein junger Mensch, der darauf trainiert ist und dem gesagt wurde "Fahr gerade aus, es wird irgendwann ein Ton erklingen, dann machst du eine Vollbremsung" braucht vermutlich trotzdem noch mind. 0,2 Sekunden um zu reagieren. Ganz zu schweigen von jemandem mit langsameren Reaktionen und vor allem, wenn derjenige nicht darauf vorbereitet ist.
Kein Mensch kann die gesammelten Informationen, die beispielsweise alle Autos ab BJ 2015 von Mercedes aufzeichnen, kennen und sich zunutze machen. Ein vernünftiges System kann immer mit jeglichen Informationen gespeist werden, die dafür sorgen, dass schon nach kurzer Zeit nahezu alle Situationen bekannt sind und korrekt darauf reagiert werden kann.
Fahrzeuge können sich gegenseitig mit Live-Daten füttern und somit immer genau wissen, wo welche Straßenverhältnisse herrschen: Glatteis auf der Autobahnausfahrt? Öl auf der linken Spur? Defekter LKW auf der rechten Spur? Blitzeis kurz vor der Ampel? Alles bekannt
bevor das Auto überhaupt in der Situation ist.
Das Entscheidende jedoch ist, dass ein Großteil davon nur verhältnismäßig kleine Verbesserungen sind. Mit Abstand die meisten Unfälle sind auf Überschätzung, Unachtsamkeit, Leichtsinnigkeit, Drogen, Übermüdung, Raserei, etc. zurückzuführen. Und es braucht kein faszinierend intelligentes System um all diese Probleme auszumerzen. Es braucht einfach nur eine nüchterne Betrachtung, die eine Maschine nun einmal hat, sowie konstant bleibende Fähigkeiten, nicht so unzuverlässig wie z.B. Müdigkeit oder Gefühlszustand eines Menschen.
Auszug aus der Unfallauswertung des statistischen Bundesamtes von 2011:
8,9 % der Ursachen bei Unfällen mit Personenschaden in Deutschland 2011 waren
allgemeine Unfallursachen, wie Straßenglätte durch Regen bzw. Schnee oder
Sichtbehinderung durch Nebel. Technische Mängel als Unfallursache stellte die Polizei
lediglich bei 7 von 1 000 unfallbeteiligten Fahrzeugen fest. (…)
Personenbezogene Unfallursachen (Fehlverhalten der Beteiligten) stellte die Polizei
387 928 mal bei Unfällen mit Personenschaden fest, das waren durchschnittlich 1,3
Fehler je Unfall oder 658 Fehlverhalten je 1 000 Unfallbeteiligte. Der größte Teil dieser
Fehlverhalten, nämlich 65,5 %, wurde entsprechend ihrer Unfallbeteiligung den PkwFahrern angelastet.
Von den 254 120 Fehlverhalten der Pkw-Fahrer waren die häufigsten Unfallursachen
"Abbiegen, Wenden, Rückwärtsfahren, Ein- und Anfahren" mit 18,6 %, die Missachtung der Vorfahrt bzw. des Vorranges mit 17,4 %. Alkoholeinfluss wurde 3,7 % der
unfallbeteiligten Pkw-Fahrer von der Polizei angelastet, eine Zunahme von 6,9 %
gegenüber 2010. Seit 1991 ist die Häufigkeit dieser Unfallursache bei den beteiligten
Pkw-Fahrern um 68,7 % zurückgegangen. Um 59,6 % verringert hat sich in diesem
Zeitraum die Unfallursache „nicht angepasste Geschwindigkeit“. Dagegen sind
Abstands- und Abbiegefehler bei den Pkw-Fahrern im mittelfristigen Vergleich lediglich
um 11,3 % bzw. 7,8 % zurückgegangen.
658 Fehlverhalten je 1 000 Unfallbeteiligte. D.h. alleine wenn das autonome Fahrzeug nichts besser macht als der Fahrer, außer dass es erheblich weniger Fehlverhalten an den Tag legt, lässt sich die Zahl der Unfälle (drastisch!) reduzieren.
Und die Aussage, Leute sollen mal Autofahren lernen ist, salopp gesagt, Bullshit! Bei einem Unfall sind meist zwei beteiligt. I.d.R. hat einer völligen Murks gemacht, und der andere a) falsch darauf reagiert (was kein Vorwurf sein soll, man kann eben nicht innerhalb von deutlich unter einer Sekunde die komplette Umgebung analysieren, wissen wer wo und wie schnell unterwegs ist, um entsprechend einem anderen Fahrer auszuweichen) oder b) ebenfalls völligen Murks gemacht.
Noch sind die Fahrzeuge sicherlich nicht ausgereift und haben gerade im Stadtverkehr noch Ihre Probleme - Menschen aber auch!
Im Gegensatz zum Menschen, bei denen man jedem Fahrer alles beibringen muss und die unmöglich alles lernen können, entwickeln sich diese autonomen Fahrzeuge jedoch kontinuierlich weiter. Es dauert vermutlich nicht mehr lange, dann sind diese Fahrzeuge dem Menschen auch im Stadtverkehr überlegen. Und von da an werden sie immer besser.
Sehr interessant finde ich aber auch die Vorteile dieser Technik: Signifikante Erhöhung der produktiv nutzbaren Zeit. Beispiel:
30min an- und abfahrt von der Firma täglich. 1h, in der man etwas machen könnte: Arbeiten (Mails schreiben, Auswertungen und Berichte prüfen), Lesen, Film schauen,..
10min Fahrt zum Einkaufen alle zwei Tage: Zeitungsartikel lesen
2h Fahrt zu den Verwandten alle zwei Wochenenden, danach wieder zurück, also 4h.
Die Liste lässt sich noch ergänzen und jeder kann sich ganz grob überlegen, wie viel Wachzeit er alleine bei seinem aktuellen Auto z.b. mit 60.000 gefahrenen Kilometern und einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 80km/h, die vermutlich
deutlich geringer ist, mit Fahren verbracht hat.
Dann neue Möglichkeiten der öffentlichen Verkehrsmittel. Es gibt natürlich genug Menschen, die weiterhin mehr Autos brauchen (bzw. unbedingt wollen). Aber es gibt sicher auch einige Partner/Familen, die lieber die - sagen wir mal niedrig angesetzt 300€ / Monat - sparen indem sie auf einen Zweitwagen verzichten und sich statt dessen für 200€/ Monat einen autonomen Fahrdienst ordern, der einen morgens zuhause abholt und abends von der Firma nachhause fährt. Zeit, in der ich etwas tun kann und gleichzeitig spare ich übers Jahr hinweg genug Geld für einen netten Urlaub. Ich glaube alleine die Zeitersparnis würde mich aber schon dermaßen verlocken, dass ich das sogar wenn die Ersparnis auf +-0 ausgeht nutzen würde. Aktuell öffentliche Verkehrsmittel sind so eine Sache...2x Umsteigen, Fußweg zum Bahnhof, Meist längere Verbindungen - da gibt es Nachteile. Ein autonomes Auto wäre genauso schnell am Ziel wie ich, wenn ich selbst fahre.
Anm.: Ich sehe gerade - das wurde wieder ein Text der Sorte "Viel zu lang, liest sowieso keiner", aber es tut gut seine Gedanken einfach mal nieder zu schreiben
.gif)