Man kann den Code und den späten Commit auch nüchterner bewerten. Nichts gegen direkte Kommunikation, aber man kann auch direkt sein, ohne sich so aufzuspielen. Auch wenn dich dein Gegenüber nervt. Erst recht in geschriebener Kommunikation hat man genug Zeit seine Worte nochmal zu überarbeiten.
Torvalds hatte bereits mehrfach erklärt, warum er auf diese Weise antwortet: Er will nichts Beschönigen wenn Code schlecht geschrieben ist. Entwickler sollen sich nicht in falsche Sicherheit wiegen und dann Wochen oder Monate später erfahren, dass der Code eigentlich komplett umgeworfen gehört, weil er nicht mehr wartbar ist.
Und man will nach Möglichkeit keine Egomanen heranzüchten, die ihren eigenen Code als "den heiligen Gral" ansehen und jedwege Änderungsvorschläge daran, selbst wenn er noch so praktisch wäre, abschmettern. Linus' Verhalten sorgt frühzeitig dafür, dass sich ebenjene Egomanen an derart empfindliche Teile wie des Betriebssystem-Kernels garnicht erst festsetzen können. Er beleidigt ja bewusst "nur" die Arbeit die jemand in den Code reingesteckt hat, aber nur in (zumeist seltenen) Ausnahmefällen den Entwickler, der es verbockt hat.
Dahinter steht auch die kompromisslose Philosophie von ihm, dass das Projekt Linux Vorrang vor allem anderen hat - es geht darum, die Dinge einzubauen, die Linux nach Vorne bringen und die Dinge rauszuschmeißen, die es bremsen. Er zieht das halt auch knallhart durch.
Und es hat auch den immensen Vorteil, dass Konflikte frühzeitig ausgetragen werden, statt irgendwo unter der Oberfläche brodeln zu lassen bis irgendwann ein ausbrechender Vulkan daraus wird. Man weiß, woran man ist. Entweder man kann mit der Situation umgehen und daraus lernen, oder man verzieht sich und vergeudet nicht seine Energie und seine Lebensfreude dabei, Code beizutragen, der offenbar bestimmten Qualitätsansprüchen nicht genügt. Und das ist ja das Schöne: Mit Linus kann man ja reden, er erklärt einem klipp und klar was Sache ist...