ruyven_macaran
Trockeneisprofi (m/w)
Der Eingangssatz hat jedenfalls noch einen Ansatz von Lösung. Danach geht es wieder von vorne los, in dem du nur hervorhebst, dass die IDF, durch externe finanziert, da Chaos und Unheil stiftet. Der Vollständigkeit halber muss aber auch gesagt werden, dass es ebenso für Hamas und Co. gilt.
Ich habe eine Antwort auf die Frage gebeben, was geschehen soll.
Nicht auf die Frage, was "gesagt werden muss"

Gesagt wird ja auch mehr als genug, aber sobald es ans machen geht ist man halt auf die beschränkt, die überhaupt irgendwas machen können. In der Region gibt es
- Einen kleinen kriminellen Haufen fanatisch Hassender
- Einen (innerhalb seiner formellen Grenzen) demokratischen Staat, der zu den best finanzierten der Welt gehört
- Eine große Zahl von Menschen die so arm und in einer so üblen Situation sind, dass sie dir heute nicht sagen können, ob sie bis Ende der Woche noch leben werden.
Ich bin sicher, du hast eine lange Liste von Dingen, die über jede einzelne der Gruppen "gesagt werden müssen". Aber bei welcher macht es Sinn, über Handlungen zu reden, die das Geschehen in Richtung Frieden lenken?
An dieser Stelle ein Bild, des aktuellen Geschehens:
https://asset-2.tstatic.net/tribunn...bom-sejumlah-bangunan-di-Jenin-Tepi-Barat.jpg
Nein, das sind nicht Hamasstellungen im Gazastreifen. Das waren die Zuhause von geflüchteten Familien in Fatah-Gebiet.
Wiederaufbau, Reparation, und am besten Abbau dieser ekelhaften Wand, zwecks Eingliederung der gesamten palästinensischen Bevölkerung sollten dann folgen. Das könnte theoretisch sogar nach DDR-Mauerfall Beispiel laufen.
Der Schutzwall, so völkerrechtswidrig er leider auch platziert wurde, ist eine der wenigen brauchbaren Aktionen Israels in den letzten 20 Jahren: Eine Maßnahme, welche die Gefahr für Israelis durch Terroristen (und damit eine Quelle für neuen Hass auf ""Palästinenser"" im allgemeinen) drastisch reduziert hat, die aber kaum !zusätzliche! Gründe für Palästinenser geschaffen hat, ihrerseits Hass gegenüber Israelis zu entwickeln. Solche Trennung wird man leider noch sehr lange aufrechterhalten müssen, da es ein extremes Gefälle im Lebensstandard zwischen beiden Seiten und eben jede Menge Rachegelüste gibt. Das muss abgebaut werden, um eine friedliche Vereinigung zu ermöglichen, nicht umgekehrt.
Gähn!Du bist glaube ich neu im Thread.
All das hatten wir hier 1000 mal schon.
Er ist lange genug dabei (und zumindest mir gegenüber Argumenten-resistent/Diskussions-unwillens genug), dass gefühlt 10% der letzten Äußerungen dieser Art von ihm wiedergekäut wurden.
Ist es das denn wirklich? Auf mich wirkt das nämlich anders.
Es war ja so, dass die Israelis sich aus dem Gazastreifen zurückzogen, sogar Siedlungen räumten, es dann quasi zu einem Putsch durch die Hamas kam und seitdem immer wieder aufs Neue aus Gaza heraus Israel angegriffen wurde, bis es schließlich in dem Terroranschlag mündete, der den jetzigen Zustand des Gazastreifens zur Folge hatte.
Das hast du bis zur Fehlerhaftigkeit verkürzt. Die Hamas hat erst Wahlen im Gaza-Streifen gewonnen, sich dann mit der IDF angelegt, daraufhin ist Israel einmarschiert, und hat sich dann, ja, später wieder zurückgezogen (unter eichlich Zerstörung, versteht sich). Aber sie ist nicht dauerhaft draußen geblieben und schon gar nicht gilt das für ihre Projektile. Von der Machtergreifung der Hamas bis zum 6.10.23 wurden in Gaza 5358 Palästinenser durch Israelis getötet. Darunter 1685 Frauen und Kinder, von denen vermutlich keine direkte Gefahr für Isarelis in Israel ausging. Jeder einzelne Tote ist einer zuviel, aber wenn Gewaltakten automatisch in großflächige Zerstörung "münden" würden, wie du das so euphemistisch ausdrückst, ohne dass irgend jemand die Schuld an der weiteren Eskalation trägt, dann würde Israel heute deutlich anders aussehen. Staub- statt Fels-oder-Betonwüste z.B.
(Im gleichen Zeitraum gab es übrigens weitere 932 tote Palästinenser in Israel selbst und im Westjordanland. Opfer palästinensischer Aktivitäten in Israel wiederum wurden 78 israelische Zivilisten, aber die Datenbank von B'tselem gibt leider keine genaue Zuordnung der Täter her. Nach 2015 wurden zumindest über die Hälfte, wie weit drüber lässt sich nicht sagen, der Morde mit Methoden verursacht, deren Reichweite nicht für eine Tat aus Hamas-Gebiet ausreicht.)
In den letzten 18 Jahren hat genau wer in Gaza etwas gegen dieses von (Iran immer wieder unterstütztes) Treiben der Hamas unternommen oder
sich dagegen ausgesprochen?
Unter anderem tausende Bewohner des Gazastreifens haben das gemacht, trotz des erheblichen Risikos, dass damit einhergeht. Beispiel
Es mag auch an der westl. Presse liegen, aber ich kann mich nicht daran erinnern, dass man seitens der Hamas in den letzten 20 Jahren einen Hauch von Versöhnung mit dem nicht mehr weg zu bekommenden Nachbarn, dem man zudem hoffnungslos unterlegen ist, gesucht wurde. Soweit ich denken kann, ging es denen in Wort und Tat immer nur um die vollkommen illusorische Vernichtung Israels.
An der westlichen Presse oder der Hamas kann das nicht liegen, aber vielleicht an deinem Erinnerungsvermögen oder an deinem Medienkonsum. Wiki listet schon mal Waffenstillstandsangebote. Die (kurzlebige) Akzeptanz der PLO durch die Hamas wurde ebenfalls positiv bewertet, da ausdrücklich die demokratische (also nicht militärische) Repräsentation palästinensischer Anliegen vereinbart wurde und weil die PLO ihrerseits Israel anerkannt und die Oslo-Friedenspläne ausgehandelt hatte. Nach dem demokratischen Wahlsieg 2006 hat die Hamas ihren palästinensischen Staat auch nur im UN-mandatierten Staatsgebiet, nicht in der gesamten Region Palästina ausgerufen. Später ging es tendentiell eher wieder bergab (für mögliche Anlässe siehe die getöteten Palästinenser oben), aber Mitte letzten Jahrzehnts wurde immerhin noch beschlossen, ein paar antisemtisch interpretierte Zeilen aus der Charta zu schmeißen und durch ein klar antizionistisches Leitmotiv zu ersetzen. Auf dem Papier ist die Hamas seitdem zwar (weiterhin) eindeutig gegen Israel und für ein Palästina from-to, aber es ist nicht mehr zwingend von Vernichtung die Rede, und insbesondere nicht der Israelis. Die Bildung eines gemeinsamen, religionsneutralen, demokratischen Staats, indem alle friedlich und gleichberechtigt nebeneinander leben können, wäre mit der heutigen Charta der Hamas vereinbar und für diese wurden eben noch 2017 ältere, schärfere Formulierungen gestrichen.
Ich will damit nicht sagen, dass die Hamas in irgendeiner Weise friedfertig oder vertrauenswürdig ist. Ein Schritt in die richtige Richtung ist noch lange keine Ankunft am Ziel und trauen würde ich einem Hamas-Mitglied nur soweit, wie ich eine Handgrante werfen kann. Die älteren Friedensangebote kamen zudem oft in Situationen, in denen Israel sich mehr und mehr Gebiet nahm und/oder mehr und mehr zerstörte, sie gingen mit Forderungen nach weitgehender oder vollständiger Freilassung aller Gefangen einher und Grenzen wurden immer nur an Stellen akzeptiert, die einen Rückfall gegenüber dem Status Quo um mehrer Jahrzehnte (und somit zugunsten der Palästinenser) bedeuten und den die Hamas zuvor vergeblich mit militärischen Mitteln zu erreichen versucht hat. Im Großteil also eher "retten was zu retten ist"-Versuche. Auch hinter deren Vorstellung von einem Zusammenleben stehen Fragezeichen, wenn man das Verhältnis zur Fatah bedenkt. (Wobei man zur Verteidigung der Hamas sagen muss, dass die Fatah die Demokratie aufgekündigt hat, nicht umgekehrt. Mit der Unterstützung Israels und des Westens übrigens, was bis heute ein Problem auf palästinensicher Seite darstellt, da es seitdem überhaupt keine Fraktion mehr gibt, der friedliche Palästinenser vertrauen.)
ABER: Die Hamas besteht eben nicht nur aus Kämpfern, sondern es gibt auch einen politischen Teil, der Ziele am Verhandlungstisch erreichen will und mit dem man verhandeln kann.
Oder sagen wir "es gab". Bis 2023 hatten gerade diese gemäßigten Anhänger eine weit unterdurchschnittliche Lebenserwartung und dass seitdem so ziemlich alles von der Hamas ausgelöscht wurde, das sich nicht in Tunneln verkriecht, um andern in den Rücken zu schießen, sollte jeder mitbekommen haben.
Und vor allem: Die Hamas ist nicht "die Palästinenser". Wer über die nötige Ausrüstung verfügt, kann auch sehr gut an ihr vorbei agieren und sie so isolieren. Das ist die Strategie, die ich fordere. Die IDF dagegen ist die Armee eines demokratischen Volkes.
Und deren Taten sind halt die Kehrseite der Medaille: Seit der Ermordung Rabins muss man auch israelische Friedensinitativen mit der Lupe suchen, während israelische Kriegsbemühungen unübersehbar sind. Wie Eingangs schon dargelegt ist aber Israel halt die Seite, die jedesmal als Sieger aus den bisherigen Durchläufen der Eskalationsspirale hervorgegangen ist und deswegen als einziger Akteur über die nötigen Ressourcen verfügt, die nötig sind, um Brücken über Abgründe zu bauen.

