Meine persönliche Theorie lautet, dass sich bei den ersten Zionisten-Siedler eine ganze Menge an Toxizität vermischt hat. Sie waren selber alle traumatisiert durch den Holocaust und genereller Verachtung in Europa, sind jedoch zugleich auch in diesem rassistischen Sozialdarwinismus sozialisiert worden, zudem wurde ihnen die Lehre des Ober-Zionisten Theodor Herzl eingeimpft, dass nur ein "Judenstaat" ihre Probleme lösen wird.
In Palästina angekommen haben sie sich natürlich wie das auserwählte Volk verhalten, welches ein heiliges Geburtsrecht auf die gesamte Levante hat (zionistischer Sozialdarwinismus kicks in), um dort die seit Jahrhunderten ansässige Bevölkerung stetig immer mehr zu vertreiben und in eine Ecke (Gaza) zu drängen. Das alles natürlich mit großer finanzieller Unterstützung ihrer europäischen/amerikanischen Freunde und Pro Zion Lobbys und heute steht man vor riesigen Stacheldraht-Mauern und sperrt Menschen in Ghettos, ironischerweise genau die gleiche Tyrannei, dessen ihre Großeltern selber Opfer waren.
Wie ich schon geschrieben hatte: Der Konflikt zwischen Zionisten und ansässiger Bevölkerung ist älter als die Gründung Israels oder der zweite Weltkrieg. Bis zu Zerschlagung des osmanischen Reichs hatten die Zionisten naturgemäß wenig vor Ort zu melden respektive muslimische Herrscher den Daumen drauf. Aber in der Zwischenkriegszeit gab es bereits Kämpfe, Anschläge, etc. zwischen beiden Fraktionen. Die ist ersten Panzerfahrzeuge in Palästina waren nicht israelisch, sondern britisch...
Die deutlich verschärfte Eskalation nach dem zweiten Weltkrieg lief auf zionistisch-wird-israelischer-Seite dann natürlich genau nach deiner Beschreibung ab: Die Akteure hielten sich schon vorher für die gotterwählten Alleinherrscher über das Land und auf einmal waren sie das auch politisch.
=> Vertreibung von Leuten, die das Land seit 50+ Generationen als ihre Heimat betrachteten.
=> Eskalationsvorlage für die arabische Seite.
Diese war ihrerseits schon reichlich angepisst gegenüber den Briten und jedem, der als Nutznießer der Briten auftrat. Denn entweder war von den britischen Kolonialtruppen unterdrückt worden und verlangte Wiedergutmachtung (z.B. dieses schöne Land da mitten drin...) oder aber man hatte mit den Briten zusammengearbeitet, dabei in den Kriegen viele Verluste eingesteckt, und sah sich legitimiert, eine Belohnung zu erhalten (z.B. dieses schöne Land da mitten drin) und vor allem gab es damals auch eine panarabische, nationalistische Bewegung. Der hatten die Briten Palästina schon fest versprochen (dachten jedenfalls die Araber), zwecks Gründung eines großen, zusammenhängenden, arabischen Staates. Etwas, dass man sich schon während der unterdrückenden Herrschaft durch türkische Herrscher zum Ende des osmanischen Reichs erträumt hatte.
Und anstatt diesen Traum wahrzumachen, gegeben die Briten das versprochene einfach ein paar Halbgläubige und die vertreiben dann auch noch das Brudervolk?
=> Aggro auf 11
Die nächsten Eskalationsstufen sind Geschichte:
=> Arabische Staaten akzeptieren die Entscheidung der Briten/UN (damals keineswegs alle Nationen beinhaltetend) nicht, sondern wollen ihre stehende Heere nutzen, um den paar frisch eingetroffenen Israelis die Leviten zu lesen
=> Israelis sind verständlicherweise richtig angepisst und, dank der massiven Unterstützung aus Europa und USA, keineswegs kampfschwach, während sich die umliegenden Staaten in ihrem Nationalismus etwas überschätzt haben.
=> Israel schnappt sich weitere Gebiete, die eigentlich nicht vorgesehen waren
=> arabische Völker sind noch angepisster, versuchen es mit vermeintlich mächtiger sowjetischer Unterstützung nochmal auf kriegerischem Wege
=> Israelis sind noch angepisster, aufgrund des Stellvertreterkriegscharakters mit voller US-Unterstützung wieder siegreich
=> Israel noch einmal größer, noch mehr Ansässige enteignet/entrechtet
=> Araber noch angepisster
Repeat as (completely un)necessary.
Im Laufe der Jahrzehnte gingen die Angriffe gegen Israel zwar von immer kleineren Bündnissen aus, aber die Eskalationsspirale aus "gibt sich nicht mit seinen Verlusten ab => verliert noch mehr" auf arabischer Seite und "fühlt sich zu recht in seinem Existenzrecht bedroht => nimmt noch weniger Rücksicht auf die Wünsche seiner wanna-be-Mörder" auf israelischer Seite dreht sich bis heute.
Es kann wirklich sein, das es der Iran diesmal überspannt hat und die Israelis diesmal mehr als nur Nadelstichvergeltung üben.
Stellt sich nur die Frage, was die Israelis gegen den Iran machen wollen? Morde an Regime-Mitgliedern und/oder Wissenschaftlern sind wahrscheinlich, klar, aber rein geographisch ist das militärische Säbelrassen zwischen den beiden schon immer lächerlich gewesen. Die können halt wenig mehr als geheimdienstliche/terroristische Anschläge gegeneinander durchführen. Und aus israelische Sicht wären größere Aktionen derzeit auch aus soziopolitischen Gründen ein Fehler, denn die würden mehrheitlich das iranische Volk treffen. Aber das ist ja gerade selbst in zunehmender Opposition zum iranischen Regime.
Um ganz ehrlich zu sein: Sollte der Iran seine Finger kontrollierend (und nicht nur unterstützend) im Spiel gehabt haben, wäre "Ablenkung vom Innenpolitischen" einer der naheliegensten Gründe für den Angriff zum jetzigen, escheinbar willkürlichen Zeitpunkt.
Wie gesagt, komplett eine Spirale der Gewalt ist wieder neu entfacht worden.
Die Gegenseite rechnet vermutlich damit....
Mit Sicherheit rechnet sie damit. Sonst hätte sie nicht so viel Aufwand für die Massengeiselnahmen getrieben. Die werden wir leider als menschliche Schutzschilde (respektive als Überreste derselben) wiedersehen. Hoffen wir, dass es nicht noch übler läuft und die Hamas sich von IS-Gräultaten inspirieren lässt, um den Druck zu erhöhen. (Was glücklicherweise nicht zum bisherigen Vorgehen der Hamas passt und natürlich auch genau gegenteilige Folgen hätte. Aber sagt ja niemand, dass die Hamas schlau ist.)
Was erwartest du da?
Diese Menschen sind im Grunde genauso verblendet und empfänglich für das Gift der HAMAS wie es die Hitlerjugend im Dritten Reich, für die NS-Idiologie, war. Da wird reine Härte genau gar nichts daran ändern, außer die Saat für die nächste Runde Gewalt zu legen.
Wesentlich empfänglicher sogar noch, denn denen muss man keine Märchen erzählen, um Böses im gewählten Feind zu sehen. Jeder im Gaza-Streifen leidet unter den bisherigen, gegen die Hamas gerichtete Maßnahmen (und unter solchen, die noch weitaus älter als die Hamasherrschaft sind), praktisch jeder dürfte Angehörige aus dem engeren Umfeld oder Freundeskreis durch israelische Angriffe verloren haben. Der Hass ist real, im Gegensatz zu Hitler muss die Hamas ihn nicht herbeireden. Nur für ihre Zwecke kanalisieren. Das wegen den Bedingungen im Gazastreifen auch Bildung und zum Teil sogar Informationsmöglichkeiten unter dem Niveau des durchschnittlichen Deutschen der 30er Jahre liegt, macht das auch sehr einfach.
Ähm was?
Was hat denn bitte die verblendete Nazi Ideologie außer militärische Härte und eine allumfassende Niederlage gestoppt?
Die Kriegsmaschine der Nazis hat Härte gestoppt, ja. Aber die Ideologie lebte weiter, tut das ja leider bis heute. Und die Fortschritte, die dagegen erzielt wurden, kamen vor allem durch Bildung, Aufklärung und internationalen Austausch in den 60ern bis 80ern zustande, vorangetrieben von der Täter-Nachfolgegeneration. Die waren zwar teilweise recht penetrant, aber härte bedeutete bei denen "lass noch etwas länger darüber reden"
Ich weiss was er gesagt hat und man kann da anderer Meinung sein oder sich wünschen das andere Dinge passieren.
M.A. nach wird es den Gaza Streifen in ein paar Tagen nicht mehr geben, weil es diesmal zu viel war und die "Demütigung" Israels als Staat vor seiner eigenen Bevölkerung wirklich an 9/11 erinnert, insoweit wird die israelische Armee handeln und es wird nichts vom Gaza Streifen übrig bleiben, was noch alles danach kommt weiss ich nicht, aber bei dem vorher gesagten bin ich mir sehr sicher.
Wenn Israel einen Völkermord an zwei Millionen Palästinensern durchzieht, dann
...
weiß ich ehrlich gesagt auch nicht, was dann. Das ist so meilenweit jeder Vorstellungskraft, dass ich nicht einmal spekulieren kann.
Und wie soll man das machen, wenn Hamas Anhänger keine Uniform tragen, die sie direkt erkennen lassen würde?
Und wenn 50% der Aktionen, die man kurzfristig gegen die Hamas unternehmen könnte, dazu führen, dass eine weitere Person Hamas-Sympathisant oder -Anhänger wird...
Wenn Hamas die Waffen niederlegt ist Frieden, wenn Israel die Waffen niederlegt gibt`s tote Israelis.
Den Spruch hatten wir gestern schon und er ist seitdem nicht richtiger geworden.
Und das ist genau das, was mich am meisten verwunderte. Die Israelis, mit denen ich befreundet bin, erzählen immer wieder, dass die streng gläubigen Juden und die streng gläubigen Mohamedaner keinerlei Probleme miteinander haben. Die machen genau dasselbe. Im wesentlichen Frauen unterdrücken.
Es sind ganz andere Kräfte, die vermutlich dahinter stecken.
Der reine Glaube ist nicht die Ursache des Problems, aber die Gläubigkeit ein wichtiger Verstärkungsfaktor. Auf beiden Seiten gibt es eine große Überlappung zwischen religiösem Fanatismus und Nationalismus. Und nichts ist schwerer zu stoppen als jemand, der der Meinung ist, mit Gott an seiner Seite für sein Land zu sterben. Leute von so einem Tripp runterzubringen braucht eher Jahrzehnte denn Jahre - oder eine Kugel zwischen die Augen.
Moralisch hätte ich mit letzterem nicht mal ein Problem, als Strenggläubige sehen die das ja sogar als Beförderung an, aber selbst ohne Kollateralschäden (was unmöglich ist) führt es halt zur Radikalisierung der Angehörigen. Netto reduziert man durch Tötungen nicht die Zahl der Extremisten in der Region, sondern nur die Zahl der Zivilisten.
Es geht auch weißlich nicht darum das die USA so schnell auf dem Zahnfleisch gehen. Da habe ich mich vllt doof ausgedrückt. Es geht tatsächlich darum, wie weit die Regierung sowas dem US wähler verkaufen kann.
Die theoretische Möglichkeit 2 Kriege zu führen ist das eine. Die Rückendeckung an der Heimatfront etwas ganz anderes. Und genau da sehen wir verschleiß. Die Amerikaner stellen das Engagement in Europa durchaus in Frag. Und ich kann das verstehen.
Berechtigter Einwand, aber die Sympathien für Israel in der US-Bevölkerung sowie der Einfluss der zionistischen Lobby in den USA sind gigantisch. Die meisten Europa-Engagement-Gegner stehen sogar hinter Trump und gerade der war es, der die Botschaft nach Jerusalem und einen Persilschein für die Übernahme des Westjordanlands ausgestellt hat. Auf kurze Sicht wird die US-Regierung mehr als genug Rückendeckung haben und es gibt in der Gegend kein Militär, dass einen längeren offenen Krieg gegen Israel oder gar Israel + USA führen könnte. Eine Eskalation auf supranationaler Ebene würde, mit der jetzt als Reaktion auf den Terror bestehenden militärischen Bereitschaft, eher dem Sechstagekrieg ähneln: Israel hätte mit den Kräften vor Ort den Sieg errungen, bevor die Verbündeten überhaupt ihre Transpoter ausgemottet haben.