Bei der ganzen Geschichte rund um den K7 wird leider in der nostalgisch verklärten Sichtweise oft vergessen, dass der K7, abgesehen von Rechenleistung, kein gleichwertiges Produkt zum P3 und P4 war. Kein eigenes Ökosystem, sprich Chipsatz (Irongate war cremig braun), kein Hardwareschutz, Boxed praktisch nicht existent. Intel lieferte ein Komplettpaket. Bei AMD war man auf Partner angewiesen. Manche kümmerten sich besser, manche schlechter. Und das Markering von AMD war, naja wo war das eigentlich?! Jeder OEM, der Support und Gewährleistung liefern musste, hat sich da zwei mal überlegt ob sich der Ärger finanziell lohnt (unabhängig von den fragwürdigen Praktiken des Mitbewerbers).
Mit dem K8 wars besser. Man hatte zwar mit NV einen guten Chipsatzpartner, und den Speichercontroller hatte man selber im Griff, aber trotzdem konnte man da noch heftig ins Braune greifen. Intel war Intel, und lief wie Intel, auch im Standard-MediaMarkt-PC. Der P4 brauchte zwar mehr Strom, aber Intel lieferte trotzdem ebenbürtige Leistung, und im Gegensatz zu AMD den Kühler, um die Leistung abzuführen, und die Plattform wo er reinpasst.
Diesen Nachteil wirklich in Angriff genommen hat AMD erst mit Übernahme von ATI, und gewirkt hats erst mit K10. Sie haben zwar Chipsätze vorher geliefert, aber die waren teilweise so crap, da hätten sich andere geschämt. Aber Bulldozer konnte selbst der beste Chipsatz und das tollste Boxdesign nicht retten. Boxedkühler waren obsolet. Vorher hatte der Core2 AMD den Hintern bis zum Scheitel aufgerissen. Ich hatte sogar vor kurzem noch einen Thuban und einen Piledriver zum Vergleich in Retros, das is echt peinlich was da geliefert wurde.
Die große Revolution mit Zen war m.M.n. nicht alleine die CPU, sondern auch dass zum ersten Mal ein Gesamtpaket geliefert wurde, das von Tag1 an angemessen lief. Man könnte auch sagen, AMD ist endlich erwachsen geworden.
Bei GPUs siehts sehr oberflächlich betrachtet ähnlich aus. Man zappelt hinterher, versucht über die Rohleistung zu punkten und macht den Rest über den Preis, und spart beim Marketing. Jeder 6-Jährige kennt inzwischen NV, auch wenn ers wie die Hautcreme ausspricht, und NV bietet nach außen Hin das perfekte Komplettpaket, AMD die Bastlerlösung (Redstone auf RDNA3, lächerlich).
Dazu kommt noch: Abgesehen von Zen 1-3 hatte AMD immer nur ein Spitzenprodukt, wenn die Konkurrenz Mist gebaut hat. Netburst, 14nm, und bei NV die NV30 und Fermi gaben AMD bzw. ATI die Gelegenheit zu glänzen. Noch peinlicher wirds beim Treibersupport für Windows, Blaugrün gewinnt auch hier fast immer.
Also wenn ich die Antwort auf die Frage der Schlagzeile geben darf: Intel hatte es in Wirklichkeit nie so notwendig wie heute, über den Preis zu spielen. Vor Zen war das Paket einfach nicht auf Augenhöhe, und so einen Markt übernimmt man nicht mit einem teilweise guten Produkt und billigen Preisen, sondern mit jahrelangem Vertrauensaufbau.