"Ausgereift" bedeutet, dass etwas alle Funktionen sauber erfüllt, die es erfüllen sollte. Also ein gutes Produkt. Wenn "neu" für dich ein Selbstzweck ist, scheidet es natürlich trotzdem aus, denn Reifung braucht Zeit und kein Software-Hersteller nimmt sich diese vor dem Launch. Aber viele verlangen von einem Betriebssystem nur, dass sie damit Programme aufrufen und ausführen können. Solange das Betriebssystem diesen Zweck erfüllt, ist "neu sein" komplett optional. Das heißt auch, dass ein neueres Betriebssystem die schlechtere Wahl ist, wenn es diesem Zweck weniger gerecht wird, also nicht ausgereift ist. Und Systeme, die bestimmte Bedienschritte ersatzlos streichen sind objektiv immer benachteiligt. Ausgehend von dem sehr ausgereiften Stand, den die Windows-GUI über die letzten 2,5 Jahrzehnte erreicht hat, ist auch der Ersatz eines Elements durch ein neues durchaus riskant. (Die Beurteilung dessen ist im Einzelfall natürlich etwas subjektiv, aber die Windows-11-Innovationen verletzen einige sehr weit anerkannte Usability-Grundsätze.)
Betonen möchte ich aber noch einmal die Bedingung aus dem ersten Satz: Ein "ausgereiftes Produkt" macht alles sehr gut, was es machen soll. In der Windows-Geschichte wurde meiner Meinung nach Windows XP diesem Anspruch am ehesten gerecht, aber Windows XP sollte zum Beispiel anfangs kein x86-64 beherrschen, kein Direct X 11 bieten, kein sinnvolles Scheduling auf Prozessoren mit sehr vielen oder gar unterschiedlichen Kernen übernehmen, etc... . Während XP also weiterhin das ausgereifteste und zu bevorzugende System ist, um Office 2000 auf einem Core 2 Duo mit 4 GiB RAM zu starten, ist es absolut ungeeignet für einen modernen High-End-PC. Umgekehrt unterliegt es übrigens auch Windows 98 SE meilenweit, wenn es darum geht, auf einem Retro-Gamin-System Titel von den ersten MS-DOS-Tagen bis weit in die Direct-X-9-Ära auszuführen. Aber Windows 11 fehlen solche Abgrenzungsmerkmale gegenüber Windows 11 nahezu vollständig. Wer kein Alder- oder Raptor-Lake-Scheduling benötigt, stellt in der Regel nur Anforderungen, die sowohl Windows 10 als auch Windows 11 zu erfüllen versuchen. Hier kann Windows 10 als ausgereifteres System also die bessere Wahl sein.
Das alles gilt unabhängig vom eigentlichen Umstellungsaufwand, der kommt noch hinzu. Und du hast sicherlich recht wenn du sagst, dass Aufschieben nichts bringt, sondern wenn dann nur vermeiden. Im Falle von Windows ist das aber, aufgrund der recht konstanten Anforderungen an ein Betriebssystem, eng verwandt. Ich schiebe die Einarbeitung in ein neues Betriebssystem zum Beispiel schon so lange vor mir her, dass ich Windows 8 und Windows 10 komplett vermieden habe und der Rechner macht immer noch alles, was er soll.
.gif)
(Beim nächsten Mainboard- oder GPU-Upgrade komme ich dann aber endgültig nicht mehr darum herum, mich in ... Linux einzuarbeiten.)