NatokWa´s Antwort ging schon in die richtige Richtung, da ich keine Kaufberatung möchte sondern die Performance auf Anwendungsbeispiele bezogen.
Naja, genau das ist eben nicht in zwei Sätzen festzumachen. Die "Peak-Performance" ist bei einem höher getakteten Quad-Core in der Regel natürlich auch höher. Bedeutet, in vielen Spielen höhere Max-FPS, in entsprechenden Anwendungen ist er ebenfalls schneller. Hier passt der Vergleich mit dem Sportwagen.
Der 6-Kerner hat einen geringeren Maximal- bzw. Turbo-Takt, dafür aber 50% mehr Kerne, die doppelte Speicherbandbreite, und den größeren Cache. Er ist also eher ein "Sport-Kombi". In der Spitze (Max.-FPS) etwas langsamer, aber dafür in der Regel solider, also zb. auch mal bessere Min.- bzw. Average-FPS (oder Frametimes). Nutzt die Software das Potential des Hexa-Cores, sei es den ca. doppelt so großen Cache, die höhere Speicherbandbreite, das Plus an Kernen, dann ist der Hexa auch in allen Bereichen (auch den Max.-FPS) schneller - und das im besten Fall sehr deutlich.
Jetzt kommt es auf deine Anwendungen an, bzw. auf deine Ansprüche.
Man kann es auch einfacher runterbrechen: Ein Hexa-Core kann im ungünstigsten Fall
etwas langsamer als ein höher getakteter Quad-Core sein, wenn die Anwendung den Fokus einzig auf den Takt legt (der einzige Vorteil des Quads). Im besten Fall kann der Hexa aber
deutlich schneller sein, wenn die Anwendung die zusätzlichen Kerne, oder den doppelt so großen Cache, oder die doppelt so große Speicherbandbreite, oder alles zusammen, nutzt.
In Grob: Ein 10% höher getakteter Quad-Core kann also im besten Fall ca. 10% schneller sein, im ungünstigsten Fall aber auch 30-50% (oder mehr) langsamer.
Entscheidend ist nicht in welchen Anwendungen welche CPU schneller ist, sondern welche Anwendungen (und im welchen Verhältnis) der einzelne User benutzt (und welches Budget er hat). Es macht keinen Sinn Geld für den Hexa draufzulegen, wenn ich zb. eh immer nur 2 alte Spiele spiele, die evtl. sogar nur 2 Kerne nutzen. Genauso macht es keinen Sinn einen Quad zu kaufen, wenn meine Lieblingsspiele zufällige solche Spiele sind, die jetzt schon mit einem Hexa besser laufen. Und besser laufen bedeutet nicht die meisten FPS zu haben, sondern die konstantere Bildausgabe, also das bessere "Spielgefühl". Hier taugen übrigens die normalen Benchmarks auch nur sehr eingeschränkt etwas (Frametimes bzw. Frameverlauf werden häufig gar nicht ermittelt).
Bezieht man jetzt noch die "Zukunft" (zb. die nächsten 5 Jahre) mit ein, und Spiele bzw. Anwendungen von denen man heute noch gar nicht weiß, womit sie besser/schneller laufen, dann wird es noch schwieriger die "richtige" Entscheidung zu treffen. Aus dem Grund hab zb. ich schon 2012 dem Quad-Core auf wiedersehen gesagt. Ich kann mit im ungünstigsten Fall 10-15% weniger Performance (verglichen mit einem Quad von damals!) leben, wenn ich dafür im besten Fall ein Plus von 50% (oder mehr) bekomme. Genau das ist auch der Grund, warum ich pauschal den meisten Usern (mit entsprechendem Budget) zu keinem Quad-Core mehr rate. Gerade wenn eine lange Laufzeit (mein Hexa-System wird in wenigen Tagen 5 Jahre alt, exkl. der 980Ti, und wie es ausschaut brauche ich auch 2017 noch nicht upgraden) angepeilt wird, und man sich bzgl. Anwendungen/Spiele nicht festlegen kann (oder will), dann macht ein "Sport-Kombi" (Hexa/Octa) rein logisch betrachtet einfach mehr Sinn.
Allerdings kommt jetzt noch die "Komponente" Lebenszeit (EOL) dazu. Steht eine neue Generation bzw. Plattform vor der Tür, macht die Anschaffung einer teuren "alten" Plattform evtl. auch schon keinen Sinn mehr (aus P/L-Sicht). Teure Plattformen sollte man nur dann noch gegen Ende ihrer Lebenszeit kaufen, wenn man die Performance brauch, und absolut nicht mehr noch weitere Monate warten kann. Oder sich von der neuen Plattform keine wesentlichen Verbesserungen verspricht. Andernfalls kann es sonst durchaus auch sinnvoll sein, stattdessen eine günstigere Mittelklasse-Plattform (mit Quad statt Hexa/Octa) zu kaufen, und die Anschaffung seiner "Enthusiast-Plattform" erstmal zu verschieben. Außer man braucht zb. unbedingt die zusätzlichen Lanes der großen Plattform, dann gibt es eh keine Alternative.
Genau deswegen gibt es immer wieder ausladende Diskussionen, weil es sehr viele Faktoren zu berücksichtigen, und tlw. noch unbekannte Variablen abzuschätzen gilt. Das einzige was mMn in Stein gemeißelt ist, es war noch nie so sinnvoll wie heute, bei der "Basis" (CPU und RAM) für ein "Performance-Polster" (zb. Octa statt Hexa) etwas draufzulegen. Noch nie sind CPUs so langsam bzw. gut gealtert wie es aktuell der Fall ist. Ging im Desktop/Mainstream-Bereich der Sprung vom 1- zum 4-Kerner damals (vor über 10 Jahren) innerhalb von 18-24 Monaten, dauerte es dann schon ca. 3 Jahre bis zum ersten 6-Kerner (Gulftown). Und der 6-Kerner hält sich jetzt schon 6 Jahre im Mainstream-Bereich. Und doch kaufen die meisten User immer noch "nur" Quad-Core CPUs.