Und selbst wenn etwas zu komplex ist, um es von einem normalen Compiler automatisch umsetzen zu lassen:
Zwischen Architekturen, die deutlich mehr als der 486er können, und heute, liegen locker zwei Jahrzehnte. Kann mir doch keiner erzählen, dass es da keine seit >10 Jahren unverändert genutzten Kompatibilitätslayer gibt, die man auch die nächsten 20 Jahre unverändert in eine angepasste Edition des Kernels kopieren könnte?
Ist ja nicht so, als würde gängige Linux-Distributionen von Hause auf 486ern laufen, da braucht es sowieso speziell abgespeckte Fassungen. Die könnten auch einen modifizierten Kernel nutzen. Aber es wäre halt schön, wenn die Distribution-Maintainer diese Anpassungen nicht selbst (und ohne Ahnung von Kernelcode) vornehmen müssten, um von neuen Entwicklungen auf höheren Leveln (z.B. Sicherheitsfixes weit jenseits der Hardware-Befehlssätze) zu profitieren.
Irgendwann ist auch mal gut! 37 Jahre sind eine sehr lange Zeit und was macht man in 2026 noch aktuelles mit einem 486er ?
Mikrocontroller bauen. 486 war die letzte weithin lizensierte x86-Ausbaustufe und wurde
und wird dementsprechend für ein Unzahl an eingebetteten Schaltungen genutzt, die kaum Rechenleistung brauchen, bei denen Kompatibilität zu gewohnten Programmierumgebungen aber nett ist. Seit einiger Zeit haben ARM und RISC-V diesen Bereich natürlich für Neukonstruktionen übernommen. Aber in Anwendungsgebieten mit klar umrissenen Aufgaben gibt es eben keine "Weiterentwicklung". Was einmal funktioniert hat, wird teils über Jahrzehnte unverändert produziert – inklusive 486er-Kern. Und während es bei Desktop-Betriebssystemen wie Windows egal wäre, ob sie dazu kompatibel sind, dient der Linux-Kernel eben als Grundlage für unzählige Embedded-Anwendungen.
Wer da tätig ist, dürfte jetzt auf der veralteten Version hängenbleiben. Vermutlich in den meisten Fällen kein technisches Problem, da eben keine Weiterentwicklung stattfindet und vor 20 Jahren designte Microcontroller nicht selbständig online gehen. Aber Code auf zwei verschiedenen Basen zu pflegen, weil die Version für eine Hardware-Variante nicht mehr maintained wird, klingt trotzdem nicht nach wertvoller Verwendung von Lebenszeit.
Hab auch gerade geschaut, Wikipedia sagt, dass Win 2000 schon einen Pentium 133 MHz gefordert hatte, aber vielleicht lief der 486 trotzdem noch. Wohl eher eine Frage ob der Befehlssteuersatz des 486 ausreichend war
Die offiziellen Angaben haben wenig mit dem tatsächlich notwendigen zu tun, sondern reflektieren teilweise Microsoft Produktpolitik, zum Teil Empfehlungen für annehmbare Leistung. Für Windows 7 ist z.B. das niedrigste, was ich finden konnte, ein auf 5 MHz untertakteter Pentium Pro. Leistungsmäßig also noch ein viel schwächerer Prozessor als ein durchschnittlicher 486er. Aber wenn es um harte Kompatibilität geht, hängt irgendwann alles an bestimmten Befehlen die entweder verstanden werden oder nicht. Bei geringfügig neueren Systemen (486er kenne ich direkt nicht) ist zum Beispiel die Energieverwaltung über ACPI häufig ein Thema. Die braucht eigentlich kein Betriebssystem, um zu funktionieren. Aber wenn es während des Boots explizite Reaktionen erwartet und die nicht kommen, weil irgend ein Pentium-Board noch nie etwas von solch futuristischem Zeug gehört hat, dann bootet es halt nicht weiter.