AW: GTX 570 - riskanter Umbau und der Lohn der Mühe
Hallo Leute, nach längerer Abwesenheit im Forum stelle ich gerade fest, dass mein alter Thread über meinen kleinen Mod zu neuen Ehren gekommen ist. Es sind ja einige Fragen aufgelaufen, die ich (z. T. etwas spät) in der Reihenfolge des Eingangs beantworten will. Zunächst möchte ich mir aber für die vielen guten Wünsche bedanken, dass meine Graka lang leben möge. Bis jetzt läuft sie nach wie vor schnell, kühl und leise.
@ fangorn:
Wenn mich nicht alles täuscht, ist das von dir gepostete Bild ein Referenzdesign. Gerade dafür sind die Austauschkühler ja alle konzipiert. Offensichtlich weicht meine Graka zumindest in diesem Detail vom Referenzdesign ab.
Die Lüfter auszutauschen hatte ich auch zuerst überlegt. Aber weil der Kühler nur lauwarm wurde, während die GPU sehr warm war, war ich mir sicher, dass ich ein Problem mit der Wärmebrücke zwischen Heatspreader und GPU hatte. Dass ich den Kühler schlecht montiert hatte, konnte ich ausschließen. Wenn der Kühlkörper gar keine Wärme zum Abführen hat, ist ein alternativer Lüfter natürlich sinnlos.
Für die Spawas habe ich den Teil der original vorhandene Metallplatte abgesägt, der sie im Originalzustand kühlt. Weil die Wärmeleitpads dabei gelitten hatten, habe ich alle zu kühlenden Teile mit Wärmeleitkleber betupft, bevor ich die Platte wieder draufgesetzt habe. Da die Platte durch das Zurechtsägen ja viel Oberfläche und damit Kühlleistung verloren hat, habe ich zusätzlich noch einige schwarze RAM-Kühlkörper, die ich noch rumliegen hatte, draufgeklebt. Auf dem dritten Bild, das ich eingestellt habe, kann man sie auf der rechten Seite (gleich links neben der Reihe von Kondensatoren) schwach erkennen.
@ Rail:
Eine schöne Idee, das mit dem Bauteil Moving. Sollte das Mode werden, stehe ich für Sponsorenverträge gerne zur Verfügung.
@ h@mz@:
Ich habe das Lötzinn genommen, das ich sowieso rumliegen hatte. Konkret heißt die Legierung L-Sn60PbCu2.
@ hulkhardy1, @ hwk:
Das Lot enthält tatsächlich eine geringe Menge Kupfer. Hat mich auch überrascht, aber weil es nur in Spuren in der Legierung vorkommt, ist die Schmelztemperatur von reinem Kupfer unerheblich.
@ deppvomdienst:
Mittlerweile nehmen sich die guten WLP´s nicht mehr viel. Die MX-4, die Hulkhardy erwähnt, ist ganz sicher eine der allerbesten, aber der Unterschied zu den übrigen Top-WLP´s liegen bei wenigen Grad Celsius, was in der Praxis völlig irrelevant ist. Kauf dir einfach eine der guten einschlägigen Sorten und du bist auf der sicheren Seite. Ich achte bei Tests für WLP´s mitlerweile eher darauf, wie einfach die WLP sich entfernen lässt. Unter diesem Kriterium findet man immer noch zwei, drei sehr gute WLP´s.
Die Sache mit dem Verteilen der WLP wird völlig überbewertet. Ich verteile die Paste immer mit einer Kreditkarte glatt auf der CPU oder GPU, aber bei näherer Betrachtung ist das nicht nennenswert besser, als wenn man einfach einen Tropfen auf die Mitte der GPU bzw. des Heatspreaders gibt und dem Anpressdruck des Kühlers das Verteilen überlässt. Der Grund dafür ist ganz einfach, dass es nahezu unmöglich ist, die Paste wirklich eben zu verteilen. Auch beim Auftragen mit einer Karte entstehen unweigerlich Lufttaschen, die erst durch das Anpressen des Kühlers mit WLP ausgefüllt werden. Ich streiche die Paste nur noch aus Gewohnheit auf und weil ich auf diese Weise sicher gehe, dass ich nicht zu wenig (würde zu Luftspalten führen, was schlecht für die Kühlung ist) oder zu viel (die Paste wird seitlich rausgequetscht, was technisch nichts macht, aber rumschmiert) auftrage.
Die benötigte Menge kannst du einfach testen, indem du erst einmal einen sehr kleinen Tropfen (etwa Stecknadelkopfgros) aufträgst, den Kühler drauddrückst und ihn wieder abnimmst, um zu sehen, wie die Paste sich verteilt hat. Dann bekommst du ein Gefühl für die richtige Menge. Entweder wischst du die "Testpaste" dann ab und wiederholst das Ganze oder du setzt den Kühler einfach wieder drauf.
Im Internet findet man Anleitungen, in denen geraten wird, so wenig wie irgend möglich aufzutragen, angeblich soll am besten der Heatspreader durch die Paste hindurch schimmern. Ich halte das für Unsinn. Ein Kühler braucht in jedem Fall einen ordentlichen Anpressdruck, was unweigerlich dazu führt, dass zu viel WLP aus dem Spalt herausgepresst wird, sofern sie dünnflüssig genug ist, was für alle guten WLP´s gilt. Ich bewege den Kühler vor dem Aufschrauben bzw. Festklicken immer noch ein wenig hin und her, um möglichst viel Paste rauszuquetschen und eventuelle Lufteinschlüsse zu minimieren. Dass das die Kühlung messbar verbessert, glaube ich eigentlich nicht wirklich. Das ist auch eher eine Gewohnheit ohne echte technische Notwendigkeit.
Der ganze Aufriss um das Auftragen ist dadurch entstanden, dass WLP Wärme gar nicht wirklich gut leitet (das tun die meisten Metalle oder z. B. Wasser viel besser), sondern eben nur sehr viel besser als Luft. Darum ist es im Prinzip richtig, dass die Schicht WLP so dünn wie möglich sein sollte, aber wie bereits erklärt, ergibt sich das mehr oder weniger von selbst und macht in der Praxis keinen technisch relevanten Unterschied. Man sollte bei aller Begeisterung für das Thema das Verhältnis zwischen Aufwand und Nutzen nicht vergessen. Warum sollte man sich unheimlich viel Mühe machen, wenn der Erfolg darin besteht, dass die GPU z. B. mit 74° C statt 76° C unter Last läuft? Solche Überlegungen sind nur für Extrem-Overclocker interessant.
Munter bleiben!