Ich hoffe doch, dass der Abwärtstrend nicht weitergehen wird, sonst heißt es 2050, die goldenen Zeiten des Gamings war 2020. Das wäre echt traurig?
Andererseits war früher nicht immer alles besser? Vielleicht ist es auch nur normal, dass man als erwachsener Mensch die Dinge aus der eigenen Kindheit/Jugend aus einer nostalgischen Retro-Brille heraus verklärt.
Ich würd mich aus dem Fenster lehnen und behaupten, dass die Spiele wirklich früher besser waren. Ein Ur-Doom oder Tomb Raider Classic-Teile fesseln noch heute, wenn man sich mit der Steuerung vertraut macht und spielen sich genauso frisch und interessant wie damals. Auch gab's die ganze "darf man das"-Debatte damals noch nicht in der Form, dass sogar die Zielgruppen versuchen sich gegeneinander aufzuhetzen.
Ab Anfang der 90er bis Mitte der 2000er kam mit 3D-Grafik halt die letzte echte gameplayrelevante technische Neuerung und dementsprechend wurden auch Experimente mit Spielen gemacht. Ohne so weitreichende Marktforschung was Inhalte angeht waren auch teils absurde oder geschmacklose Dinge dabei. Aber eben auch absolute Überraschungshits. Duke Nukem oder Serious Sam würden auf dem heutigen Markt nicht entstehen können. Ikonen wie Lara Croft oder Samus Aran würden in modernen Debatten zerredet. Projekte wie Gothic oder Dark Messiah oder auch das klassische GTA würden kaum grünes Licht bekommen.
"Gaming" oder Zocken wie das damals noch hieß war in dem Zeitraum um die Jahrtausendwende noch nicht Mainstream, was man ja auch der Gründung vom PCGH sieht. Computer wurden erst ab Mitte der 2000er wirklich auch mit Gaming-Marketing versehen und der Markt nach allen Regeln der Kunst vermessen. Da irgendwo würde ich auch das Ende der "guten" Spiele sehen, die nicht dem Zwang unterlagen, irgendwelchen Zielgruppen abliefern zu müssen. Irgendwo zwischen 2008 und 2010 war meiner Einschätzung nach Schluss mit regelmäßigen Erscheinungen von interessanten Spielen in verschiedenen Genres. Man muss mittlerweile wirklich Suchen, um nicht den ganzen Sequels, Prequels und Copycats auf den Leim zu gehen: Große (gameplayverändernde) Grafische Sprünge sind nicht mehr zu erwarten(da war Crysis 1 optisch so ziemlich der letzte Augenöffner), Risiken beim Setting geht niemand mehr ein(über Far Cry 2 z.B. redet kein Mensch mehr, war wohl zu exotisch)und Storywriting kommt direkt aus der Hölle, um niemandem auf die Füße zu treten.
Abseits vom Tripple-A gibt es sicherlich noch innovative Spiele, aber die genießen kaum die öffentliche Wahrnehmung, die den Projekten sicherlich gut täte. Trotz solchen sinnvollen Dingen wie Steam-Greenlight geht das meiste in der Flut des ganzen Abfalls unter.
Um nicht allzu pessimistisch zu klingen: Ja ab und zu können die AAA-Entwickler es noch und ein Spiel nimmt einen voll mit, aber die Frequenz nimmt wirklich ab. Die letzten modernen Titel, die ich gespielt habe und wirklich "rund" fand waren DMC5, Talos Principle, Asssasins Creed: Origins, die neue Hitman Trilogie und das Resident Evil 2 Remake. Reichlich wenig für 1 Jahrzehnt!
Eben, das habe ich versucht, mit meinem Post aus meiner Sicht zu erklären und gleichzeitig die Frage an die noch jüngere Generation zu stellen, ob es noch immer so ist. Kam vielleicht nicht bei jedem so an

Aber das Beispiel mit deinen Kindern lässt erahnen, dass es wahrscheinlich die ersten, prägenden Jahre mit Computerspielen sind, die man im Nachhinein so feiert.
Ich denke das kann man auch weitestgehend objektiv festnageln:
Am Auffälligsten sind immer Gameplay und Story. Das eine zieht noch nach 20Jahren(das Beispiel mit den Kindern)und macht Spaß. Das zweite lässt einen Titel in Erinnerung bleiben, auch Jahre nachdem man das Spiel angefasst hat. Musik würde unter Umständen auch noch dazu zählen.
Der Rest unterliegt den üblichen Alterserscheinungen(Steuerung/Grafik z.B.) und kann eigentlich nie (generationsübergreifend) Kriterium sein, solange es den Anforderungen genügt). Niemand würde Konsolenspiele heute noch mit ausschließlicher D-Padsteuerung programmieren, wie die erste Version der Playstation es benötigte.