Interessanter Artikel... Danke!
Intel nutzt doch viele Patente von AMD, richtig?
Ich meine z.B. x86-64x oder Memory-Controller. Leider wurde das im Bericht nicht erwähnt. AMD nutzt soweit ich weiß ja nur ein Patent (x86). Nicht?
Aber auch egal. Für ne kleine Zusammenfassung ist dieser Artikel genial!
Die Annahme ist unzutreffend. Intel und AMD verfügen über ein (bereits mehrmals erneuertes) vollumfängliches Cross-Lizenz-Abkommen, dass es dem jeweils anderen Teilnehmer ermöglicht sämtliche x86-relevanten Patente mitzunutzen. Ohne dieses könnte AMD gar keine x86-kompatiblen-CPUs fertigen und auch Intel würde ohne den Zugriff auf die entsprechenden AMD-Patente zumindest ins Schlingern kommen.
Darüber hinaus als Background: AMD begann als reine CopyCat, indem man in den 80ern durch den Druck von IBM von Intel die Fertigung ihrer x86-CPUs in Lizenz zugesprochen bekam. In den 70ern und Anfang der 80er war das noch relativ normal und auch bspw. TI und andere fertigten x86-CPUs in Lizenz.
*) Beispielsweise kann AMD gemäß des Abkommens auch AVX-512 mit den diversen Subsets implementieren.
**) Konkret durfte AMD ab 1991 offiziell x86-386-kompatible CPUs fertigen. Nach Jahren der Verhandlung zahlte Intel 18 Mio. US$ wegen Vertragsbruch, AMD zahlte 58 Mio. US$ wegen Patentverletzungen und AMD erhielt eine unbeschränkte Lizenz zur Verwendung des 386- und 486-Microcodes. (Das Verfahren selbst wurde offiziell erst 1995 mit einem Vergleich beendet.)
AMD ruhte sich jedoch zuerst auf diesem Abkommen aus und fertigte nur weitestgehend unveränderte Klone der Intel-Designs. Beispielsweise der Am386DX war ein nahezu exakter Klon des 80386DX und der ab 1993 gefertigte Am486 war weitestgehend eine Kopie des i486.
AMDs erste echte Eigenentwicklung war der K5 (1996), der zu wesentlichen Teilen auf deren hausinterner RISC-Architektur basierte, jedoch blieb der Erfolg aus, da man hier mit vielen Problemen und Verzögerungen in der Entwicklung zu kämpfen hatte. Erste echte Bewegung kam erst 1997 ins Spiel mit dem K6, der jedoch keine echte Eigenentwicklung war, sondern mittels der Übernahme von NexGen zugekauft wurde (NexGen plante das Design als Nx686 zu vermarkten).
Unter der Ägide des ehemaligen NexGen-Chefs Atiq Raza entstand dann der K6-2 mit der eigenen Instruktions-Erweiterung 3Dnow! und vor allem der Athlon.
Der MOS-6510, allerdings war der nicht von Intel.
Lol, du hast es eigentlich schon selbst gesagt ... der war von MOS Technology Inc. Die Firma wurde 1969 gegründet und 1970 kaufte sich Allen-Bradley als mehrheitlicher Eigner ein. Nachfolgend übernahm man etliche Ingenieure von Motorola, was später zu einem Eklat führte, der die Firma nahezu in den Ruin führte. 1976 einigte man sich mit Motorola auf einen Vergleich *) und noch zum Jahresende hin wurde die Firma von Commodore aufgekauft.
Der MOS 6510/8500 war eine modifizierte Variante des Ur-MOS 6502 aus dem Jahre 1975, den Commodore mit einigen zusätzlichen Chips bspw. im C64 verwendete, so bspw. dem MOS 6567/8562 für die NTSC-Ausgabe und dem MOS 6581/8580 SID für die Soundgenerierung und -ausgabe.
Der MOS 6502 dürfte so manchem Nerd auch vom Apple I bekannt sein, ein von Steve Wozniak entwickelter Einplatinencomputer. Der Apple II, nun als "vollständiger" Computer, verwendete weiterhin unverändert diese CPU (wie auch etliche andere bekannte Kleincomputer um den Wechsel des Jahrzehnts herum, weil er sehr günstig im Einkauf war).
*) Das Problem war hier, dass man parallel zum MOS 6502 den kleineren MOS 6501 einführte, der Pin-kompatibel zum Motorola 6800 **) war und unter Beteiligung der übernommenen Motorola-Ingenieuren entwickelt wurde und zu einer großangelegten Patentklage führte. Allen-Bradley wollte sich nicht mit dem Multimillionen-Dollar-Konzern Motorola anlegen und verkaufte kurzerhand seine Anteile zurück an die MOS-Gründer und MOS Technology Inc. stand alleine da und zahlte schlussendlich eine Strafe von 200.000 US$, der sehr erfolgreiche 6501 durfte nicht mehr vertrieben werden und man einigten sich auf ein Patent-Austauschabkommen. Wenige Monate später übernahm dann Commodore die Firma.
**) MC6800, der Bestandteil des M6800-Mikrocomputersystems ist, das u. a. zusätzlich aus einigen ICs für die serielle und parallele Kommunikation besteht. Als Vorbild für das Design diente der altbekannte DEC PDP-11.
Motorola musste aufgrund des Marktdrucks durch den MOS 6501 den Stückpreis eines MC6800 von 175 US$ pro Stück auf 69 US$ reduzieren. Den Pin-kompatiblen MOS 6501 bot MOS Technology Inc. jedoch mit sehr aggressiven 20 US$ pro Stück an. Im November 1975 leitete Motorola daraufhin eine Patentklage ein.