Zunächst sei mal gesagt, dass ich illegales Filesharing nicht grundsätzlich gutheißen möchte, aber auch nicht verteufeln möchte.
Ein paar Sachen konkret zur Studie:
- Filesharing per se ist ganz bestimmt nicht illegal. Es kommt darauf an, was getauscht wird.
- Und dann haben die da natürlich nur die besten Kommentare veröffentlicht, die zu ihrer Meinung bzw. Sache passen.
- Ob 320 Probanden repräsentativ sind, sei mal dahingestellt.
- Und was die Studie besonders fragwürdig macht ist die Tatsache, dass die Fragen oft nicht eindeutig formuliert sind und demnach Interpretationsspielraum lassen. Das schmälert natürlich die Validität der Studie ungemein.
- Von Objektivität braucht man hier wohl gar nicht erst anfangen zu sprechen
Mit dem Ladendiebstahl kann man es einfach
nicht gleichsetzen, weil kein Gegenstand verloren geht, der dann nicht mehr verkauft werden kann.
Wenn ich im Laden ein Buch mitgehen lasse, dann kann das Exemplar nicht mehr verkauft werden.
Wenn ich das Buch dagegen downloade, kann es weiterhin verkauft werden.
Das ist ein entscheidender Unterschied!
Dann ist die Frage, ob jeder, der was runtergeladen hat, auch das Produkt in jedem Falle gekauft hätte.
Wenn nicht, gibts auch keinen Verlust zu beklagen. Die Frage ist, wie oft dies der Fall ist und wie oft nicht.
Ein Jugendlicher, der sich 20 Filme im Monat runterlädt, hätte sicher nicht das Geld gehabt, alle im Kino zu sehen oder auf DVD zu kaufen.
An diesem Beispiel sieht man, dass man den Verlust nicht 1:1 verrechnen kann und sollte!
Sicher wird es Verlust geben, aber eben nicht 1:1!
Heutzutage kann man eben nicht mehr alles kaufen. Ob man dann moralisch gesehen auf den Rest verzichten sollte ist eine andere Frage.
Und natürlich gibt es auch die Leute - zu denen auch ich mich zähle - die ein Produkt runterladen, testen und bei Gefallen das Original im Laden erwerben. Dass diese Leute so selten sein sollen glaube ich erst, wenn ich dazu eine vernünftige Studie in die Hände bekomme!
Auch das spricht ganz stark dagegen, dass jeder Download gleich dem Verlust des Kaufpreises entspricht!
Gründe fürs illegale Downloaden:
Es ist oft bequemer, schneller und einfacher als normale Downloads oder gar der Kauf im Laden. Und sicherer insofern, als dass man nicht mit seinen Bankdaten im Internet hantieren muss.
Illegal: Kein Kopierschutz, Suchmachinen, schnelles Runterladen, grade mal 1 Click nötig um Download zu starten, bei Games: keine CD zum Spielen nötig.
Legal: Kopierschutz, der evtl. Probleme macht, Nerviges Kaufen, Raussuchen von TANs, Geld überweisen etc. pp. Kurzum: es ist lästig. Neuerdings bei Spielen: erhebliche Probleme, wenn ich es wieder verkaufen möchte!
Dann kann man Musik auch noch bei Youtube aufnehmen oder im Radio, im Inetradio etc. pp. Mit Filesharingdownloads spart man sich einfach den Aufwand.
Früher haben wir stundenlang vorm Radio gehockt und alles mögliche auf Kassette aufgenommen! Genauso Videoaufnahmen aus dem TV. Das wurde noch nie so verteufelt wie heutzutage.
Ich möchte nochmals betonen, dass ich es grundsätzlich nicht gutheißen oder legalisieren möchte gegen das Urheberrecht zu verstoßen. Ich möchte allerdings darauf hinweisen, dass man die ganze Sache etwas differenzierter und entspannter sehen sollte! So schlimm, wie es die Industrie verkaufen möchte, ist es mit Sicherheit nicht. Und die verwendeten Studien sind wissenschaftlich gesehen meistens von
ziemlich magerer Güte (=Qualität).