Immer geht es um Grafik heutzutage. Ich dachte es geht ums Gameplay und dass das Spiel spaß macht.
Also mir gehts um viel mehr als um Grafik. Aber gerade bei einem Open World Spiel ist nun mal die Technik wichtig, weil man ein gewisses Maß an technischer Finesse braucht, um lebendige und glaubwürdige Welten zu erschaffen. Ein Witcher 3 wirkt eben nun mal viel glaubwürdiger und lebendiger als Fallout 4. Wie jedes Bethesda Spiel davor wirkt die Welt steril und irgendwie "gamey". Dass die Charaktere - auch ganz in der Tradition von Bethesda Spielen - nicht wirklich lebensecht aussehen sondern genau im Tal des uncanny valley landen, trägt nicht gerade dazu bei, dass das Spiel glaubwürdiger wirkt.
Aber mal abgesehen von der Grafik: wieder mal legt man scheinbar keinerlei Wert auf das Storytelling oder gut geschriebene und glaubwürdige Charaktere, die einem länger als eine Minute im Gedächtnis bleiben. Storytelling ist bei aller "Freiheit" für mich nun mal ein essentieller Teil eines guten RPGs. Ohne das ist Fallout nur ein Spielplatz für virtuelle Gewalt in einer post-apokalyptischen Welt, nicht mehr und nicht weniger. Übrigens finde ich auch diese Anpreisung der "ultimativen Freiheit" mal wieder lustig (bzw. eher traurig): denn Freiheit bedeutet hier vor allem die Freiheit, jedermann jederzeit töten zu können. Man hat also immer die Wahl, einfach Gewalt auszuüben. Mit wirklicher Freiheit hat das nichts zu tun. Ganz im Gegenteil: Bethesdatypisch sind die Dialogoptionen sehr begrenzt und es geht eben hauptsächlich früher oder später ums Rumballern.
Freiheit Bethesda-Style: du darfst jedermann jederzeit mitten in die Fresse schießen (ohne richtige narrative Konsequenzen natürlich), aber du darfst kaum jemandem in der Spielwelt sagen, dass du ihn gern hast und gerne ein Bier mit ihm trinken würdest.
Da ist mir ein Spiel mit weniger "Freiheit" wie Witcher deutlich lieber, das sich bewusst ist, dass ultimative Freiheit in Videospielen nicht existieren KANN. Also spannt man einen entsprechenen Kontext, um das möglichst gut zu kaschieren. In Witcher kann man keine Zivilisten einfach so abschlachten. Warum auch? Das macht einfach überhaupt keinen Sinn und man muss imho schon irgendwo ziemlich gestört sein, wenn einem das Spaß bereitet...
Für mich ist Fallout mal wieder ein Running- und Gewaltsimulator, das sich den Anstrich eines RPGs gibt.
Einzig positiver Punkt ist imo hier das VATS Kampfsytem. Das ist zwar auch sehr auf Gewalt getrimmt, bietet aber immerhin mehr spielerische Tiefe als ein reines FPS Ballersystem...