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Druck, Durchsatz und Kennlinie bei Pumpen und Lüftern

Sinusspass

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Druck, Durchsatz und Kennlinie bei Pumpen und Lüftern

Titelbild.png

Bei Wasserkühlungen stellt sich recht oft die Frage nach Pumpen und Lüftern. Natürlich gibts da reichlich Empfehlungen, aber ich möchte hier ganz gerne mal die Details durchgehen. Das heißt, ich werde keine zehn Pumpen und hundert Lüfter durchgehen und auch nicht erklären, wie genau eine Pumpe oder ein Lüfter Wasser bzw Luft in Bewegung setzt, sondern welche Angaben man vom Hersteller bekommt und was man damit anfangen kann. Ich werde das primär anhand von Pumpen, vornehmlich der Laing DDC und D5, durchgehen und danach auf Lüfter adaptieren.

Inhaltsverzeichnis

Die Grundlagen

Wenn man sich Pumpen für die Wasserkühlung so ansieht, wird man immer mit mehreren technischen Angaben bombardiert. Wichtig sind hier erstmal nur die beiden Angaben Druck und Durchfluss. Diese beiden Angaben sind die Grundpfeiler der Pumpenleistung, anhand derer man festmachen kann, was die Pumpe grundsätzlich so taugt.

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Der Durchfluss

Hier sehen wir bei den leistungsstärkeren Pumpen oft sehr hohe Werte, beispielsweise 1500l/h bei der D5 oder auch 600l/h bei der DDC 1T+ bzw. 3.2. Das sind natürlich sehr gute Werte, da greift man doch sofort zur irrsinnig starken D5 und freut sich auf seine 1500l/h. Die Ernüchterung kommt dann, wenn man zum ersten mal auf den angezeigten Wert beim Durchflusssensor schaut (so man denn einen verbaut hat). 200l, 150l, gar nur 60l werden angezeigt. Ein Messfehler? Keineswegs! Die Durchflussangabe des Herstellers ist ein absoluter Maximalwert. Dort wird nur angegeben, was die Pumpe bei überhaupt keinem Gegendruck schaffen kann. Für die Wasserkühlung denkbar unnütz. Wer jemals seine Hand in einen Wasserstrahl (sei es der Gartenschlauch oder die Duschbrause) gehalten hat, der weiß, dass es die Hand zu einen zurückdrückt und zum anderen dass das ganze Wasser dann seitlich verteilt wird. Die seitlichen Spritzer kommen aber bei weitem nicht so weit, wie der ungestörte Wasserstrahl käme, weil ein Widerstand im Weg ist, den der Wasserstrom entweder überwinden -was er sowohl bei der reingehaltenen Hand als auch in der Wasserkühlung besser nicht macht- oder durch den er umgeleitet wird. In der Praxis trifft letzteres zu. Die Hand oder der Kühler, Radiator, Winkelanschluss, Filter, Schnelltrenner,.... leiten den Fluss am Material entlang und stellen einen Widerstand dar, sprich genau das, was mit der Angabe des maximalen Durchflusses nicht eintritt.

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Der Druck

Auch hier gibt es viele Werte, oftmals mit mehreren Metern Förderhöhe oder einer Zahl in Bar angegeben. Der Hintergrund dabei ist, dass die Erdanziehungskraft über die Atmosphäre einen gewissen Druck auf alles am Erdboden erzeugt. Bei normaler Höhe, sprich der Meeresoberfläche und mit geringer Abweichung auch auf wenigen 100m Höhe sind das 10m Wassersäule oder 1 Bar. Man kommt von der Wassersäule also einfach auf Bar, indem man den angegebenen Wert durch 10 teilt. Soviel zur einfacheren Vergleichbarkeit der Werte. Jetzt haben wir die angegebene Förderhöhe von beispielsweise 3,7m. Das ist mal wieder nur ein Maximalwert, sprich ein Druck bei genau gar keinem Durchfluss. Hier ist es genau wie beim maximalen Durchfluss - hat man etwas von dem anderen Wert, gilt er schon nicht mehr. Sprich, wenn auch nur etwas Durchfluss vorhanden ist, war es das mit den 3,7m Förderhöhe, man hat weniger.

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Das Zusammenwirken beider Eigenschaften

Nun, die Antwort ist recht simpel: Es ist wie beim elektrischen Strom. Der Druck ist direkt mit der Spannung vergleichbar, der Durchfluss mit dem Strom und die hineingehaltene Hand oder aber der Kreislauf ist der Widerstand. Das bedeutet, ein Kreislauf erzeugt abhängig vom Durchfluss einen Widerstand und damit einen Gegendruck, welcher den anliegenden Druck ausgleicht. Sprich, wenn man mehr Druck hat, kann man mehr Gegendruck überwinden und damit mehr Durchfluss haben.Kurz gesagt, mehr Druck heißt mehr Durchfluss im gleichen Kreislauf. Aber um nun zu unserer Grundfrage zurückzukommen, welche Pumpe denn nun die bessere ist, müssen wir uns anschauen, wie sich Druck und Durchfluss denn abseits der Endpunkte verhalten, und genau da kommt die Kennlinie ins Spiel.

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Die Kennlinie

In der Regel werden heutzutage Kreiselpumpen verwendet. Diese basieren alle auf einem rotierenden Impeller, der das Wasser in Bewegung versetzt und nach außen drückt, teils durch die Zentrifugalkraft, teils durch die Geometrie des Impellers. Sie alle haben einen maximalen Druck- und einen maximalen Durchflusswert, dazwischen liegt die Kennlinie, welche niemals diese Maximalwerte überschreiten kann.

Die Kennlinie gibt an, bei welchem Durchfluss eine Pumpe welchen Druck halten kann; die Form kann dabei eine gerade Linie oder aber eine Kurve sein, abhängig ist dies von der Pumpengeometrie. Sehen wir uns dazu mal so eine Kennlinie an.
Kennlinie_DDC 3.1.png Quelle
Dies ist die Kennlinie einer normalen DDC 3.1 bzw. 1T. Dazu haben wir noch die Leistungsaufnahme, weil man solche Grafiken eben immer mit Leistungsaufnahme erhält. Für uns soll die jetzt nicht weiter stören, wir konzentrieren uns auf die durchgezogene Linie.

Hie sehen wir das direkte Verhältnis von Druck zu Durchfluss, beispielsweise erreichen wir bei 2m Förderhöhe oder aber 0,2 Bar Druck ziemlich genau 300l/h. Hört sich nach viel an, nicht wahr? Wird man mit einer DDC allerdings quasi nie erreichen. Denn da kommt der Gegendruck des Kreislaufs ins Spiel.

Wenn Wasser durch den Kreislauf strömt, trifft es auf zahlreiche Hindernisse, prominentestes Beispiel ist die Feinstruktur eines Kühlers. Das Wasser wird verwirbelt, umgelenkt und durch die engen Kanäle gepresst. Die Strömungsdynamik erzeugt einen Widerstand bzw. Gegendruck. Da addieren sich die einzelnen Widerstände. Man kann das gut mit Elektrizität vergleichen. Schließt man einen ohmschen Widerstand an einem Pol der Spannungsquelle an, misst man am anderen Ende die selbe Spannung. Schließt man aber den Kreislauf, sprich man erzeugt einen Strom, verliert man über den Widerstand die ganze Spannung. Das selbe passiert in der Wasserkühlung. Lässt man das Wasser fließen, frisst der beispielhafte Kühler den Druck auf. Nun hat man aber nicht nur einen Kühler im Kreislauf, sondern mindestens noch einen Radiator, oft noch mehrere weitere Komponenten, die alle einen Widerstand darstellen. Da hat man natürlich nach der ersten Komponente noch Druck übrig, welcher erst in den folgenden Komponenten verbraucht wird. Würde man dabei vom gleichen Gegendruck ausgehen, wie wenn nur ein Kühler im Kreislauf ist, hätte man mehr Gegendruck, als die Pumpe an Druck erzeugen kann. Das funktioniert natürlich nicht. Der Gegendruck entspricht also immer dem Druck, den die Pumpe erzeugt. Der Durchfluss erzeugt dabei den Gegendruck. Der gesamte Gegendruck des Kreislaufs bildet sich dabei aus den einzelnen Gegendrücken der Komponenten. Damit diese einzeln genommen niedriger sind als der gesamte Gegendruck, muss der Durchfluss niedriger sein, als wenn man nur eine Komponente im Kreislauf hat. Man kann nun auf der Kennlinie den Durchflusswert ablesen. Gehen wir beispielsweise mal von 0,3 Bar Gegendruck aus. Im Fall der DDC hätten wir dann ungefähr 175 l/h. Umgekehrt kann man anhand des Durchfluss ablesen, welchen Druck die Pumpe gerade aufbringen muss und davon ausgehend gegen welchem Gegendruck sie arbeitet. Nehmen wir nun beispielhaft mal einen Kreislauf, bei dem die DDC auf voller Leistung die oft empfohlenen 60 l/h erreicht. Schauen wir auf die Kennlinie, sehen wir ungefähr 0,34 Bar. Kurz gesagt, die Pumpe erreicht nahezu ihren vollen Druck! Und das bei üblichem Durchfluss.

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Mehrere Kennlinien im Vergleich

kennlinie ddc.pngQuelle
Eine weitere DDC-Kennliniengrafik, allerdings mit dem Zusatz der schneller drehenden und damit stärkeren DDC 3.2 bzw. 1T+ sowie einer Angabe zur Leistungsaufnahme.

kennlinie d5.jpgQuelle
Und eine D5-Kennliniengrafik, wenn auch ohne Achsenbeschriftung. Zur Erinnerung: Maximaler Durchfluss (x-Achse) 1500l/h, maximaler Druck (y-Achse) 3,7m bzw. 0,37 Bar. Hier sehen wir deutlich, dass die die Kennlinien erheblich unterscheiden können, ganz abhängig von der Geometrie der Impeller.

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Erklärung zu den unterschiedlichen Linien in den Diagrammen

Unterschiede zwischen den einzelnen Varianten der DDC werden ausschließlich über die Drehzahl erzeugt. Die 1T+ (4500 Umdrehungen) dreht schlicht schneller als die 1T (3600 Umdrehungen). Ebenso die Angabe der D5. Abgebildet werden alle 5 Stufen der normalen D5-Vario: 1800 Umdrehungen, 2400 Umdrehungen, 3200 Umdrehungen, 4000 Umdrehungen und 4800 Umdrehungen.
Eine höhere Drehzahl ist schlicht und einfach der simpelste Weg, die Pumpenleistung und damit den Druck und Durchfluss zu steigern.

Aber wie vergleicht man nun richtig? Nun, man schaut sich den Bereich an, in dem der Durchfluss erwartungsweise liegt bzw. den man anstrebt. Für die DDC haben wir das ja schon durch, bei 60l/h 0,34 Bar Pumpen- und Gegendruck. Im Fall der D5 sieht die Sache sehr ähnlich aus, die Grafik verzerrt hier deutlich, weil die Skala der x-Achse sich deutlich unterscheidet. Auf die Grafik der DDC skaliert ergibt sich eine weit flachere Linie für die D5, welche den Druck wesentlich besser hält. Zum Vergleich kann man sich die beschriftete Kennlinie hier ansehen.

Man merkt dabei aber, dass das Wegbrechen der Kennlinie bei utopischen Durchflusswerten geschieht. Bei einem üblichen Kreislauf erreichen sowohl DDC als auch D5 bestenfalls 200 l/h, oft deutlich weniger. Der Gegendruck bei höherem Durchfluss ist gerade bei größeren Kreisläufen gewaltig.
kennlinie ddc gegendruck.png
Hier eine bearbeitete Grafik zur Veranschaulichung ohne Anspruch auf technische Richtigkeit, in Wahrheit weicht der Gegendruck ab und ist keine starre Linie.

Man hat also, egal ob 60 oder 200l/h, mit der normalen DDC 1T immer 0,3x Bar Druck. Will man nun mehr Durchfluss, muss man entweder mehr Pumpen verbauen oder aber eine mit stärkerem Druck wählen, sprich eine schneller drehende DDC (welche dann natürlich auch mit entsprechender Drehzahl betrieben werden muss). Hat man nun zur 1T+ gegriffen, hat man da, wo man zuvor 0,34 Bar Pumpendruck hatte (60 l/h) nun ~0,455 Bar Pumpendruck. Der Kreislauf erzeugt bei dem Durchfluss aber nur 0,34 Bar Gegendruck. Was passiert? Der Durchfluss steigt, damit steigt der Gegendruck. Gleichzeitig sinkt der Pumpendruck etwas mit steigendem Durchfluss, sodass man sich bei sagen wir 0,45 Bar Pumpen- und Gegendruck sowie 75 l/h treffen. Für noch mehr Durchfluss kann man dann zu einer noch stärkeren DDC greifen, die es in Form der DDC 3.25 gibt, aber auch da ist irgendwann Ende. Eine DDC kann auch nicht unendlich schnell drehen und das wird irgendwann auch einfach zu laut. Bei der Wasserkühlung ist Lautstärke aber genau das, was niemand haben will, mehr Drehzahl ist also keine Lösung. Da helfen nur noch mehrere Pumpen...

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Mehr Pumpen oder auch die Addition der Kennlinien

Kennlinien verrechnen ist grundsätzlich einfach. Man addiert sie. Ende des Absatzes...
Natürlich nicht. Wie man addiert, unterscheidet sich anhand der Einbauweise. Es gibt da zwei Möglichkeiten, parallel und seriell bzw. in Reihe. Genau wie beim Strom addieren sich die Parameter abhängig der Einbauweise. Verbaut man die Pumpen oder Stromquellen parallel, addieren sich die Strom-/Durchflusswerte, verbaut man sie seriell, addieren sich die Spannungs-/Druckwerte. Ebenso verhält es sich für die ganzen Kennlinien.

Ich bin aufgrund der einfacheren linearen Kennlinie dabei zur D5 gewechselt, für andere Pumpen verhält es sich natürlich ebenso. Man vergebe mir meine Bildbearbeitungsskills in Paint.
d5 parallel.png
Das wären 2 D5 parallel im Kreislauf. Zusammen erreichen sie theoretische 3000 l/h, aber beim maximalen Druck tut sich nichts. Die wesentlich steilere Gegendrucklinie ergibt sich dabei aus der Skalierung der x-Achse und sollte auf die Kennlinie einer DDC umgerechnet in etwa gleich steil sein wie in den vorherigen Grafiken. Wie man sieht, sieht man nichts.

Nun ja, nicht ganz. Einen geringen Mehrwert bietet die 2te, parallel eingebundene D5 schon. Vielleicht 0,005 Bar, also eine halbe zweite Nachkommastelle, oder aber, um es weniger pessimistisch aussehen zu lassen, 0,05m Förderhöhe. Ist auch nicht besser.

Verbaut man die Pumpen aber seriell und addiert den Druck...
d5 seriell.png
Da tut sich was. Man erreicht den doppelten maximalen Druck und kommt so auf der Durchflussachse wesentlich weiter. Auf das vorige Beispiel mit 0,34 Bar bei 60 l/h umgemünzt haben wir hier 0,68 Bar und (mit einer geraden Gegendrucklinie) 120 l/h.

Jetzt aber die Ernüchterung: Man wird in der Praxis keine Verdoppelung des Durchflusses erreichen, tut mir leid. Zum einen frisst ein Dualtop oder mehr Single-Tops oder einfach gesagt der zusätzliche Teil des Kreislaufs immer etwas Druck der ersten Pumpe bereits auf, zum anderen ist der Gegendruck keine gerade Linie. Das habe ich hier nur der Einfachheit halber so eingetragen. Es ist eine exponentielle Kurve (auch nicht ganz richtig, es ist die Summenfunktion der exponentiellen Widerstandskurven aller verbauten Komponenten), man braucht also für den doppelten Durchfluss mehr als das Doppelte an Pumpenleistung, eher Richtung dreifache Pumpenleistung.

Man kann parallel und seriell natürlich kombinieren, entscheidend ist dabei, dass immer Pumpenkonstellationen mit gleichem Druck parallel verbaut sind, sonst verliert man die überschüssige Leistung und fällt auf den Wert der schwächeren Kombination. Hat man also 2 serielle D5 und 2 serielle DDC 3.2 parallel verbaut, sprich 4 Pumpen, erreicht man maximal 0,74 Bar, sprich den maximalen Druck zweier serieller D5. Aufgrund der Kennlinien macht es aber nahezu nie Sinn, Pumpen parallel zu verbauen, mit einer rein seriellen Kombination erreicht man auch bei 6 und mehr Pumpen oft noch die besten Werte. Klar, irgendwann kippt das und ein teilweise paralleler Aufbau macht mehr Sinn, aber da ist man dann in extremen Bereichen, in denen man ohnehin aufgrund des Drucks schon Probleme bekommt und deren Vorteil in der Praxis den Aufwand nicht rechtfertigt.

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Unterschiedliche Pumpen

Man ist nicht an baugleiche Pumpen gebunden, auch wenn der Text das bisher vielleicht impliziert hat und ich bisher auch nur Kennlinien baugleicher Pumpen addiert habe. Das geschah der Einfachheit halber, man kann also nahezu bedenkenlos unterschiedliche Pumpen verbauen, auch wenn die Addition der Kennlinien dann wirklich keine schöne Aufgabe wird. Man sollte dabei lediglich beachten, dass der maximale Durchfluss einer Pumpe nicht niedriger als der tatsächlich anliegende Durchfluss ist. Das kann vorkommen, wenn man vorher eine sehr schwache Pumpe mit vielleicht 200 l/h an Maximaldurchfluss eingesetzt hat und dann zu einem sehr starken Modell gegriffen hat, welches mehr als diese 200 l/h durch den Kreislauf fördert oder aber einen Kühler mit integrierter, schwacher Pumpe in einen bestehenden, gut versorgten Kreislauf integriert. In diesem Fall wird die schwache Pumpe nutzlos, wird gar zum Widerstand.

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Die Wahl der richtigen Pumpe

Nun kommen wir doch zu dem Teil, auf den alle gewartet haben: Die Kaufempfehlung, wenn man so will. Nach all der trockenen Physik wird es nun nass und geht an die Praxis.
Ohne jetzt eine Diskussion über den Sinn oder Unsinn von so und so viel Durchfluss anstoßen zu wollen, 60 l/h reichen, mehr bringt aber schon noch thermische Vorteile.

Wie man jetzt schon gelesen hat, ist der Druck bzw. die Förderhöhe das entscheidende Kriterium für viel Durchfluss. Der maximale Durchfluss ist dabei in Bereichen, die man noch mit vertretbarem Aufwand in Kreisläufen, wo sich Gedanken über Durchfluss lohnen, erreichen kann, quasi immer durch den Druck bestimmt. Da ist die gesamte Kennlinie und deren Verlauf nicht mal wichtig, weil man eben immer so nahe am Maximaldruck ist, dass man auch mit vollem Durchfluss noch fast den maximalen Druck hat. Kurz gesagt, man muss quasi nur auf den Pumpendruck schauen, wenn man eine Pumpe nach Leistung kaufen will. Es spielen natürlich auch andere Aspekte, allen voran die Geräuschentwicklung, mit rein, um die geht es hier aber nicht.
In der Hinsicht ist die Empfehlung eigentlich immer DDC 3.2. Unter allen gängigen Wasserkühlungspumpen gibt es kaum eine, die mehr Druck schafft als eine schnell drehende DDC. Klar, im Industriebereich sieht die Sache anders aus, aber Industriepumpen setzt aus gutem Grund (in der Regel Lautstärke) kaum jemand ein. Wenn eine nicht reicht, dann wird eine zweite durch den höheren Gesamtdruck den Durchfluss noch mal deutlich steigern.

Beachten muss man bei der Jagd nach maximalem Durchfluss allerdings den Druck. Wie man an der Grafik zu 2 seriellen D5 gesehen hat, ist der Druck, den serielle Pumpen aufbauen können, enorm. Verbaut man dann sehr viele Pumpen direkt hintereinander, können diese mehrere Bar an Druck aufbauen. Dann wird es für den Kreislauf gefährlich, denn bei diesem Druck beginnen Hardtubeanschlüsse, die mit einfachen Dichtringen arbeiten, zu versagen. Andere Hardtubeanschlüsse und Schlauchanschlüsse mögen mehr vertragen, aber auch da sind Grenzen gesetzt. Zu Sicherheit sollte man bei hoher Pumpenzahl diese über den Kreislauf verteilen, sodass möglichst Komponenten zwischen den Pumpen sind und der Pumpendruck durch diese deutlich reduziert wird. Im Idealfall ist der Druck der vorangehenden Pumpe genau aufgebraucht, wenn das Wasser die nächste erreicht, dies ist aber schwer abzustimmen. Eine grobe Abschätzung reicht in der Hinsicht allerdings bereits aus und betritt ohnehin nur Nutzer, deren Pumpleistung 1 Bar deutlich überschreitet.

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Wie bei Pumpen, so bei Lüftern

Was für Pumpen gilt, gilt auch für Lüfter. Natürlich sind hier die Kennlinien anders, so erreichen Lüfter nur wenige mm Wassersäule an Druck, andererseits ist der Volumenstrom in der Regel bedeutend höher. Zudem stellt selbst ein Radiator bei weitem keinen so hohen Widerstand dar, so verliert man durch einen Radiator in der Regel 50% des Luftstroms, bei dickeren Radiatoren mit dichten Finnen, die man in einer leisen Wakü aber ohnehin nicht einsetzt, auch mehr, bei Slim-Radiatoren oder Radiatoren mit sehr geringer Finnendichte auch durchaus weniger. Daher befindet man sich deutlich weiter im Bereich rechts auf der Kennlinie, in etwa mittig zwischen maximalem Druck und maximalem Durchsatz.

DifferentFanCharacteristics.pngQuelle
Hier wären die üblichen Kennlinien von Lüftern aufgeführt. Radiallüfter haben eine Kennlinie sehr ähnlich zu den meisten Kreiselpumpen, schließlich sind sie auch sehr ähnlich aufgebaut. Axiallüfter, also die üblicherweise verwendeten Lüfter im PC, haben hingegen üblicherweise eine anders geformte Kennlinie. So bauen sie weniger maximalen Druck auf und dieser fällt bedeutend schneller ab, um dann mit steigendem Durchsatz konstant zu bleiben oder gar minimal zu steigen, bis der schließlich komplett abfällt. Der maximale Durchsatz ist dabei bedeutend höher als bei Radiallüftern. So verhält es sich zumindest bei vielen druckoptimierten Lüftern. Angepasste Lüftergeometrien können auch hier in anderen Kennlinien resultieren.
Noctua-NF-A12x25-1-pcgh.pngQuelle
Der Vergleich stammt direkt von PCGH. Hier sieht man die unterschiedlichen Kennlinien dreier Lüfter von Noctua und im Vergleich dazu Widerstands- bzw. Gegendruckkurven. Wie man deutlich sieht, entscheidet hier die Druckstabilität in Verbindung mit einem angemessenen Maximaldruck über die Leistung. Während sowohl der F12 als auch der S12 dem A12 in einzelnen Maximalwerten überlegen sind, gewinnt der A12 durch seine starke Performance im mittleren Bereich eindeutig, gerade auf Radiatoren. Während der S12 schlicht so wenig Druck aufbaut, dass er selbst als einfacher Gehäuselüfter gegen den A12 versagt, wo nur wenig Gegendruck herrscht, so schafft der F12 trotz des höheren Maximaldrucks gegen einen normalen Radiator weniger Durchsatz. Natürlich gibt es Extremfälle wie sehr restriktive Radiatoren (Bsp. HwLabs Black Ice Nemesis GTR), wo die Widerstandskurve so steil ist, dass eigentlich nur der Lüfterdruck entscheidet und die Kennlinie beinahe egal ist, ähnlich wie bei Pumpen.

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Push-Pull

Eine parallele Schaltung geht bei Lüftern schlicht kaum. Natürlich kann man über einen Luftkanal den Luftstrom mehrerer Lüfter zusammenführen und auf einen Lüfterplatz lenken, nur macht das in der Praxis niemand, einfach weil der Aufwand das Ergebnis nicht rechtfertigt. Bei seriellem Einsatz sieht das anderes aus, der ist keineswegs unsinnig und kommt sogar häufiger vor: Push-Pull stellt nahezu genau das dar, was mehrere Pumpen machen. Dabei reduziert der saugende Lüfter den Gegendruck für den blasenden bzw. umgekehrt erhöht der blasende Lüfter die Druckdifferenz zwischen der Saugseite des saugenden Lüfters und dem Atmosphärendruck. Im Prinzip passiert also genau das selbe wie beim seriellen Einsatz von Pumpen, die Kennlinien addieren sich über den Druck. Dadurch liegt genau dieser zusätzliche Druck an, was den Schnittpunkt zwischen Kennlinie und Gegendruckkurve weiter in Richtung des maximalen Durchsatzes verschiebt. Im Gegensatz zu Pumpen ist hier jedoch nicht von einem Anstieg in Richtung einer Verdoppelung zu rechnen, da man sich ohnehin bereits deutlich näher am maximalen Durchsatz befindet. Man kann eben nicht mehr als die theoretischen noch fehlenden 40-50% bis zum Maximalwert erreichen. Da man aber Gegendruck hat und den Lüfterdruck "nur" verdoppelt, sind allenfalls 20, vielleicht 25% mehr Luftdurchsatz möglich. Daher und weil Radiatoren (gerade dünne) nicht linear mit Luftstrom skalieren, darf man sich von Push-Pull nicht zu viel versprechen, ~20% bessere Temperaturen sind bei niedrigen Lüfterdrehzahlen und dünnen Radiatoren allerdings im Rahmen des möglichen. Natürlich profitieren sehr restriktive Radiatoren deutlich stärker davon.
Zu beachten ist das auch bei unterschiedlichen Bestückungen und Drehzahlen. Leistet eine Seite bereits mehr als die andere, sprich, der Durchsatz trotz Widerstand durch den Radiator ist höher als der maximale Durchsatz, den die schwächere Seite erreichen kann, wird diese zur Bremse und verschlechtert den Durchsatz durch den Radiator sogar. In einem solchen Fall ist Push-Pull gar kontraproduktiv. Selbst wenn die maximale Leistung der schwächeren Seite nicht geringer, sondern höher als die Leistung gegen den Gegendruck der anderen Seite ist, muss sie nicht unbedingt viel bringen. Wenn die schwächere Seite nicht einen vergleichbaren Druck wie die stärkere aufbaut, kann sich auch kein deutlich höherer Druck aufbauen und somit nicht relevant mehr Luft durchströmen. Im Idealfall bauen beide Seiten also gleich viel Druck auf, sprich die Drehzahl sollte bei gleichen Lüftern nahezu identisch sein. Die Pull-Seite kann hier durch geringe Effekte bei der Luftstromverteilung auch etwas schneller drehen.

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So, ich hoffe, ich konnte ein paar Fragen zur Funktion der eigenen Wasserkühlung klären. An sich sollte man sich so von nichts mehr überraschen lassen können.
 
Zuletzt bearbeitet:

ursmii

PC-Selbstbauer(in)
den tollen artikel hab ich mir gleich gebookmarked. :daumen:
den kann man(n) dann verlinken wenn d... fragen zum x-tem mal kommen :wall:
 
TE
Sinusspass

Sinusspass

BIOS-Overclocker(in)
Genau dafür hab ich den auch geschrieben. ;) Die Frage taucht leider viel zu oft auf.
 

Sniperxxxcool

Freizeitschrauber(in)
Der Artikel kann für uns Wakü-Fans sehr interessant sein, aber für Anfänger ist er etwas zu kompliziert. Würde ihn deshalb nicht bei Anfängerthreads verlinken. Damit schreckt ihr die Neulinge ab. Würde da eher zu einer kurzen Zusammenfassung tendieren.
 
TE
Sinusspass

Sinusspass

BIOS-Overclocker(in)
Der verschwindet schon noch in der Versenkung der Inaktivität. So ist er eben zum Verlinken da, wenn einer wieder mehr wissen will als "bau dir die Pumpe ein und gut ist". Am Ende schreibt man dann doch den ganzen detaillierten Text. So gehts leichter. Ich hab ja noch mehr als den hier in der Mache.
 

Tekkla

Software-Overclocker(in)
Ich finde den gar nicht zu kompliziert. Es gibt die technische detaillierte Ausführung und das Wakü for Dummies Fazit immer bei einander. Das macht den Beitrag doch gerade so gut.
 
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