Musste gerade noch mal über Wissenschaft, insbesbesondere theoretische Physik "damals und heute" nachdenken. Ein entscheidender Unterschied ist vielleicht dieser:
In der Antike
wusste man, dass ein Schiff am Ende des Meeres über den Rand der Erdscheibe stürzt. Zu Galileos Zeiten
wusste man, dass alle anderen Himmelskörper sich um die Erde drehen. Der Leiter des US-Patentamts 1899
wusste, dass alles erfunden war, was es zu erfinden gibt und wollte die Hütte deshalb zuschließen. Und bis Einstein
wusste man, dass Newtons Physik vollständig die Welt und das Universum erklärt (auch wenn die vermaledeite Merkurbahn das nicht einsehen wollte).
Seit der Quantentheorie haben Physiker, auch ihr heutigen, einen Vorteil gegenüber ihren wissenschaftlichen Vorfahren: Im Gegensatz zu ihnen
wisst ihr, das eure Erklärungsmodelle unvollständig sind. Der vermeintliche wissenschaftliche Stillstand (besser: das Ausbleiben eines Durchbruchs, nach dem aktiv gesucht wird) zieht sich wahrscheinlich vor allem aufgrund dieses Bewusstseins scheinbar endlos hin. Der Vorteil aber bleibt. Das sollte euch eher Mut machen als zu frustrieren.
Spekulation: Womöglich fehlt es gar nicht an klugen oder sogar genialen Köpfen. Vielleicht ist die Erkenntnissuche an einem Punkt angelangt, an dem sie so komplex und schwierig geworden ist, dass "wir" einfach eine Zeitlang brauchen, um den nächsten Schritt zu schaffen. Was sind schon ein paar Jahrzehnte, wenn man den Blick in der Menschheitsgeschichte zurück wandern lässt? Wir sind es nur nicht mehr gewohnt, geduldig zu sein.
