Während es regelmäßig zu Lemmingjahren kommt, lässt sich etwa alle 32 bis 36 Jahre ein so genannter Lemmingausbruch dokumentieren. In Folge von Platz- und Nahrungsmangel werden die Tiere aggressiv und beginnen sich gegenseitig zu beißen und zu verletzen. Dieses Verhalten geht dem Aufbruch auf eine größere Massenwanderung als sonst üblich voraus, bei der die Berglemminge die Höhenzüge verlassen und gemeinsam talwärts ziehen. Dabei zwingt ihr angeborener Instinkt die kleinen Nager, auf der Suche nach neuen Territorien, immer geradeaus zu laufen. Sie überwinden sogar Hindernisse wie Flüsse und Schluchten, mitunter auch, indem sie klettern, springen oder schwimmen. Berglemminge können auf diese Weise Strecken von über 100 Kilometern zurücklegen, wobei viele von ihnen unterwegs sterben und so selbst zur Regulierung ihrer Überbevölkerung beitragen. In vermenschlichender Weise wurde solches Verhalten oft als „Massenselbstmord“ beschrieben. Dieser Mythos erlangte durch den 1958 von der Walt Disney Company produzierten Tierfilm Weiße Wildnis große Verbreitung, in dem spektakuläre Bilder von Lemmingen gezeigt werden, die sich einen Abhang hinunterstürzen. Die Aufnahmen sind aber nicht unter den natürlichen Lebensumständen der Lemminge entstanden. Bei den Dreharbeiten kamen Hunde zum Einsatz, damit gefilmt werden konnte, wie sich die Lemminge den Abhang hinunterstürzen.