Tja, aber dafür hat es Arbeitskräfte gebraucht. Dat war sozusagen eine Win Win Situation.
Jeder einzelne der genannten technischen Fortschritte (und eigentlich auch alle anderen) hat zwar ein paar neue Arbeitsplätze geschaffen, mehrheitlich aber alte ersetzt. Die zwei Personen, die einen frühen Zug gefahren und vielleicht noch 1-2 weitere, die ihn gewartet haben, waren deutlich weniger als die 10 jetzt arbeitslosen Kutscher plus Stallmeister, die zuvor den Verkehr auf der gleichen Route bedient haben. Für letztere ging es entsprechend bergab. Aber besagter Zug konnte halt auch 3-4 mal mehr Personen transportieren als zuvor die Kutschen. Für diese Menschen, denen Langstreckenmobilität zuvor gar nicht erschwinglich war, hat sich das Leben durch die Technik deutlich verbessert – auch wenn die Bahnfahrt gegebenenfalls deutlich unbequemer als die Kutsche war.
Auch das ist ein Muster, dass sich auf viele technische Fortschritte einschließlich KI übertragen lässt. Letztere macht zum Beispiel als Illustrator, als Anlageberater, als technischer Gutachter oder als Psychologe einen viel schlechteren, bedenklichen fehlerreichen Job als bisherige, humane Experten. Aber zu denen hatten viele keinen oder nur eingeschränkten Zugang und besser als nichts ist die KI meistens. Genauso, wie sie oft schlechter aber halt viel bequemer ist, als Dinge selber zu machen, für die man nicht zwingend Experte sein müsste.
Was passiert, wenn OpenAI in den nächsten Jahren nicht genug verdient, um die enormen Investitionen zu rechtfertigen und Investoren zufrieden zu stellen?
Das zentrale Problem ist, dass OpenAI keinen nachhaltigen Wettbewerbsvorteil hat. Technologisch liegen Google, Anthropic, Meta und andere auf ähnlichem Niveau. Mal ist der eine Anbieter besser, mal der andere.
Die Modelle werden zunehmend austauschbar und erscheinen in immer kürzeren Zyklen weil OpenAI immer der beste sein möchte (sind sie aber nicht mehr, schon lange nicht mehr)
Gleichzeitig ist KI kein klassisches Softwaregeschäft, sondern extrem kapitalintensiv. Rechenzentren, GPUs und Energie verursachen laufende Kosten (müssen ständig neugekauft werden), die mit der Nutzung skalieren. Um profitabel zu sein, wären Einnahmen in Milliardenhöhe pro Monat nötig, OpenAi sagte mal mindestens 200€ pro benutzter, alle Benutzer die es aktuell verwenden. Umgelegt auf die Nutzer würde das sehr hohe Preise bedeuten, in einem Markt, in dem kostenlose oder querfinanzierte (Google) Alternativen existieren, die technisch gleich oder besser sind.
Das eigentliche Risiko liegt weniger bei OpenAI selbst als in der starken Abhängigkeit von Wirtschaft und Börse vom AI-Narrativ. Ein großer Teil der aktuellen Bewertungen basiert auf der Erwartung zukünftiger Gewinne und AGI.
Sollte sich herausstellen, dass KI diese Erwartungen wirtschaftlich nicht erfüllen kann, droht eine massive Neubewertung, eher vergleichbar mit der Dotcom-Blase als mit einem einzelnen Firmenzusammenbruch.
OpenAI wird nicht die die gesammte Techbranche mit reißen sondern alle Firmen, viel weitreichender als es 2008 war.
Ein Kollaps der KI-Branche würde nicht den Nutzen von KI für andere Branchen verschwinden lassen. Letzterer beruht auf dem real möglichen respektive dürfte aktuell sogar noch weit darunter liegen, weil man erst einmal ausprobieren muss, was KI tatsächlich sinnvoll leisten kann. Diesen Nutzen kann sie aber auch in Zukunft weiter erbringen, nur die Weiterentwicklung wird nach dem Platzen kollabieren. Aber heutige Gewinnerwartungen stützen sich noch nicht mehrheitlich auf den Nutzen von Weiterentwicklungen einer Technologie, deren gewinnbringenden Nutzen auf heutigem Niveau man noch vergeblich sucht.
Ganz anders die Unternehmen innerhalb der Blase: Deren Geschäftsziele lassen sich bestenfalls erreichen, wenn sie den gesamten Markt übernehmen. Und das kann von vier großen und mehreren kleineren Akteuren halt nur einer. Die andern müssen aufgeben, ehe KI rentabel werden kann und werden dabei ihre Anleger und Investoren mit in den Abgrund reißen.
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