BUILDLOG: Let's Go Next Gen

TheGermanEngineer

BIOS-Overclocker(in)
Hallo,

es ist mal wieder Zeit für ein neues Projekt. Es ist schon eine ganze Weile her, aber ich baue meine Gehäuse prinzipiell selbst. 2019 gab es dazu meinen ersten Buildlog hier im Forum. Das System, das darin eingezogen ist, stammte aber bereits aus dem Jahr 2017, der darin verbaute Intel Core i7 6700K kam sogar schon im August 2015 auf dem Markt, und ist damit bereits über 10 Jahre alt. Windows 11 bekommt es damit auch nicht mehr, zumindest nicht offiziell. So langsam schien es mir also an der Zeit für ein neues System zu sein, zumal die verfügbare Hardware am Markt auch wieder einigermaßen interessant ist.

Das aktuelle Gehäuse war von Anfang an nicht darauf ausgelegt irgendwann andere Hardware zu beherbergen. Das ist angesichts des Aufwands und den Kosten natürlich etwas schade, aber damals war auch nicht unbedingt abzusehen, in welche Größendimensionen die Grafikkarten wachsen würden. Außerdem gibt es so wieder etwas zu planen, zu bauen und zu dokumentieren.

Als Komponenten sind geplant:
CPU: AMD Ryzen 7 9700X
Mainboard: ASUS ROG Strix B650E-I Gaming WiFi
DRAM: 2x16 GB G.Skill Flare X5 DDR5-6000 36-36-36-96
Kühler: Thermalright AXP90-X53 Full Copper
GPU: Sapphire RX 9070 XT Pulse
PSU: Corsair SF750 Platinum
SSD: Kioxia Exceria Pro SSD 2 TB

Inhaltsverzeichnis

1. Planung

Fertigungstechnisch möchte ich mich bei diesem Projekt weiterentwickeln. Beim aktuellen Gehäuse sowie auch meinem letzten Buildlog habe ich recht einfache Sperrholzplatten aus Buche und Birke verwendet. Hin und wieder, wenn meine Gehäuse Gegenstand einer Diskussion waren, kam auch die Idee auf, das ganze aus einem edleren Holz zu bauen. Genau das möchte nun auch tun und daher Schwarznuss verwenden. Leider bekommt man diese Art nicht in so großen Platten, schon gar nicht zu günstigen Preisen. Aber @Zerosix-06 hat mich mit seinem Projekt inspiriert, indem er zwei einzelne, schmalere Brettchen verwendet hat, und diese per gefräster Ausklinkung miteinander verbunden hat. Genau das habe ich nun auch vor, und kann so schmalere und günstigere Brettchen verwenden. Auch auf Gehrungen habe ich bisher immer verzichtet. Mit einer Fräse, die ich für die Ausklinkungen ohnehin brauche, ist aber auch das kein Problem mehr. Bis mein bestelltes Holz ankommt, kann ich noch etwas üben.

Ein kleiner Hinweis an der Stelle: Mir ist bewusst, dass manchen die Verwendung von Holz in PCs missfällt, nachdem es mit dem Fractal Design North massentauglich geworden ist, und andere Hersteller mit eigenen Ideen nachgezogen sind. Ich möchte hier daher betonen, dass ich Gehäuse dieser Art bereits lange vor diesem Trend baue und das auch weiterhin so tun werde. Es kann einem gefallen, oder auch nicht. Und das ist in Ordnung so.

Konzeptionell wird es ein mittlerweile recht klassisches Sandwich-Gehäuse. Der dazu benötigte PCIe-Riser macht mir in Verbindung mit PCIe 5.0 zwar schon etwas Sorgen, aber das ist auch Teil der Herausforderung, um das Volumen im Vergleich zum letzten Projekt nochmal etwas zu reduzieren. Rund 11 Liter sind angepeilt, während das letzte Projekt auf rund 12,5 Liter kam, und mein aktuelles Gehäuse auf 21 Liter Volumen kommt. Ich mag es, meinen Projekten ein Zitat als Motto zu geben. Für dieses lautet es "Engineers like to solve problems. If there are no problems handily available, they will create their own problems." - Scott Adams.
SFX_Sandwich_FRONT_MAINBOARD_SIDE.png SFX_Sandwich_BACK_MAINBOARD_SIDE.png

Um die GPU trotz der engen Platzverhältnisse zuverlässig ein- und ausbauen zu können, bediene ich mich an einer entfernbaren Trägerplatte an der Rückseite, sodass die GPU von hinten eingebaut werden kann. Die Pulse hat am anderen Ende der Backplate außerdem Verschraubungspunkte, die ich nutzen möchte, um die GPU mittels einer Halterung auch am anderen Ende des Gehäuses sichern zu können (nicht dargestellt). Das sollte vor allem beim Transport sehr hilfreich sein. Insgesamt sollten so Triple-Slot-Grafikkarten bis 320 mm Länge und 120 mm Breite ins Gehäuse passen können.
SFX_Sandwich_GPU_SIDE_REMOVABLE.png SFX_Sandwich_NO_MESH_GPU_SIDE.png

Auf der anderen Seite geht es recht unspektakulär weiter. CPU-Kühler können bis zu 67 mm hoch sein, geplant ist aktuell ein Vollkupferkühler mit 53 mm Höhe. Die Verwendung von Kupfer habe ich mir auch an anderer Stelle vorgenommen, konkret für die Netzteil- und Grafikkartenhalterung, auch wenn man davon am Ende relativ wenig sehen wird. Für Schrauben und Füße werde ich auf Edelstahl und schwarz eloxiertes Aluminium zurückgreifen, weil Kupfer hier sehr unüblich ist. Ein Alternativgedanke wäre Messing gewesen, das wäre für Schrauben und Füße im Bereich des Möglichen gelegen. Aber durch die Wahl des Kühler stand diese Entscheidung dann doch bereits fest.
SFX_Sandwich_NO_MESH_MAINBOARD_SIDE.png

Die Seitenteile möchte ich wieder mit Akustikstoff bespannen. Das hat sich auch beim letzten Projekt bewährt, und sollte optisch und thermisch gute Resultate liefern. Im vorderen Bereich soll ein Lüfter die Luft nach draußen befördern, die insbesondere vom letzten GPU-Lüfter durch den Flow-Through-Teil des Kühler erwärmt wurde.
SFX_Sandwich_GPU_SIDE.png

Bis jetzt wirken die Renderbilder auf mich noch recht unspektakulär, ich denke der dunkle Farbton und die wenigen Details an der Außenseite machen dies aus. Aber in echt wird das final sicher wieder einen tollen Eindruck machen.
Das Holz ist noch unterwegs, an der Netzteilhalterung bin ich aber bereits dran. Es sollte also schon bald weitergehen.​
 
Zuletzt bearbeitet:
Oh, ein Eigenbau, bin schon gespannt, was du hier präsentierst. Dein letzter Buildlog war super. :)

Ich find's witzig, dass wir im Großen und Ganzen die gleiche HW haben, bloß hab' ich einen 76X, eine SN770 und WaKü.

Nachdem mich das ITX-Fieber böse erwischt hat, bin ich mittlerweile einiges an Gehäusen und Kühlern durch. Für mich persönlich ist das A4H2O Layout so ziemlich das Optimum, weil ich kleine Gehäuse mag, aber recht anspruchsvoll bin, was die Lautstärke anbelangt.

Der 97X sollte sich leichter kühlen lassen als mein Hitzkopf, vielleicht bekommst du das Ding mit dem AXP90 ja gut in den Griff. Ich hatte sowohl den AXP90-X53 FC, als auch den BlackRidge(Rev.D) und einen L9a und hab' alle nach 10 Minuten wieder ausgebaut, weil mir die Lüfter um die Ohren geflogen sind. :ugly:

Aktuell sind also ein Modultra LoBo und ein TX240 im Einsatz und damit kann ich die CPU voll ausfahren.
Aber jetzt hör' ich wieder auf, ist ja dein Projekt. :-D

Viel Spaß beim Basteln und fleißig Bilder machen nicht vergessen. :)
 
Ja, spannend, aber die 9070 XT ist auch einfach eine tolle GPU, und speziell die Pulse sollte sowohl nicht zu teuer, als auch leise sein. Das Netzteil ist bei SFX ja eigentlich auch ein No-Brainer. Der DRAM war für mich jetzt ein Panikkauf. Eigentlich wollte ich den T-Create von TeamGroup nehmen. Das schwarz-goldene Design hätte perfekt gepasst, auch wenn ich statt Messing ja doch Kupfer verwende. Aber natürlich explodieren da gerade die Preise, sodass ich mir dann zumindest die Flare X zum akzeptablen Preis besorgt habe. Den Gedanken, gleich mehr als 32 GB zu nehmen, habe ich in den Zuge direkt beerdigt.

Schade, dass dich der AXP90-X53 nicht so überzeugt hat. Ich hoffe einfach mal auf das Beste. Bis 67 mm Höhe könnte ich notfalls noch gehen, ein AXP120-X67 würde also auch noch passen, nur leider gibt es den nicht in Kupfer. Vielleicht tausche ich auch den Lüfter vom AXP90-X53 noch gegen einen NF-A9, der von Thermalright ist schließlich ein Slim-Lüfter, und den Platz hätte ich ja eh.
 
2. Einzelteile

Das Holz ist da und es geht an die Arbeit. Ich habe mir Schwarznuss in verschiedenen Größen mit 5 mm Dicke bestellt, sowie einige in 3 mm für die Rahmen der Seitenteile. Mein erster Eindruck von der Schwarznuss war zwiegespalten. Zunächst zeichnen sich die einzelnen Teile dadurch aus, dass sie sehr präzise, gerade und plan sind. Insbesondere letzteres war bei der Baumarktware der letzten Projekte nicht der Fall. Allerdings erschien mir die Farbe deutlich gräulicher als erwartet. Ich habe also an einem Stück schon mal etwas Hartwachsöl aufgetragen. Das hatte ich final ohnehin vor. Das Ergebnis kann überzeugen. Auch wenn der rohe Farbton für mich mittlerweile seine eigene Schönheit entwickelt hat, bietet sich diese Endbehandlung definitiv an, um die Struktur im Holz besser hervorzuheben.
20251024_133612.jpg

Als erstes kommen fast alle Teile auf die Fräse. Ich habe hierfür einen einfachen Frästisch mit Anschlag für meine Makita RT0702C gebaut. Üblicherweise bekommt man die Teile in Schritten von 100 mm. Mein Gehäuse soll 165 mm breit werden. Ich bräuchte also 200 mm Breite, die aber mehr als doppelt so teuer sind, denn der Baum muss dafür schließlich deutlich dicker sein. Zwei schmalere Teile zu verbinden kostet mich also weniger.
Mit einem Nutfräser fräse ich eine 10 mm breite und 2.5 mm tiefe Nut in die lange Seite. Zwei solcher Teile können dann miteinander verleimt werden, um ein breiteres Stück zu erhalten. Durch die Ausklinkung ist das Stück dann zwar nur 190 mm breit, aber das reicht mir, denn ich brauche nur 165 mm.
20251021_182244.jpg

Zugeschnitten werden die Teile dann mit dem unpräzisesten Werkzeug in der Werkstatt: Mit der Stichsäge. Aber kein Problem, denn alle Kanten werden dann auch mit der Fräse begradigt, und zwar mit einem Bündigfräser. Dieser hat an einem Ende ein Kugellager mit dem selben Durchmesser. An diesem lässt sich das Werkstück entlangführen, und alles unter dem Kugellager wird auf die selbe Breite abgefräst. Ich klebe hierfür mit doppelseitigem Klebeband ein Reststück mit gerader Kante auf, das mir als "Guide" dient.
20251026_154332.jpg

Die Gehäuseteile sind größtenteils fertig. Sie sind so angefertigt, dass die Fuge der Ausklinkung sich auf der Außenseite genau in der Mitte befindet. Ich habe ehrlicherweise gar nicht auf die Maserungen geachtet, als ich die Teile zusammengeleimt habe. Im Bottom-Teil passen die Maserungen gut zusammen. Im Top-Teil hat die eine Hälfte aber eine ganz andere Maserung. Ich hätte ohnehin kein zweites Teil mit einer ähnlichen Maserung gehabt, aber sie ist auch besonders genug, dass ich sie definitiv sichtbar präsentieren möchte. Also habe ich mich bewusst dazu entschieden, dieses Teil als Top einzusetzen, und nicht als Bottom.
20251027_142110.jpg 20251027_142204.jpg

Auf der Innenseite ist die Fuge entsprechend zu einer Seite verschoben, hier zu sehen am Front-Teil. Alle vier Hauptteile haben an ihren kurzen Kanten eine 45°-Gehrung. Ich habe hier einen 45°-Fasefräser verwendet. Auch dieser hat ein Kugellager wie ein Bündigfräser und der Vorgang ist der gleiche, nur dass die Kante nicht gerade, sondern schräg ist.
20251027_142313.jpg

Der Endgegner war wie immer das Back-Teil. Der entfernbare Teil hat überraschend gut funktioniert. Der dünne Steg ist wie immer heikel, ließ sich aber aufgrund des geringen Platzes zumindest anteilig auf 45° fräsen, und mit einfacherem Handwerkzeug auf die volle Breite erweitern.
Das eigentliche Back-Teil ist mir jedoch einmal gebrochen (unterer Teil) und einmal angebrochen (oberer Teil). Zwei Faktoren spielen hierbei gegen mich: Zum einen läuft die Gehrung hier auch genau durch die Mitte, auf der Innenseite von außen betrachtet nach rechts verschoben. Dadurch habe ich nun zwei frei stehende Teile, die dadurch effektiv nur auf 2.5 mm Höhe von einem durchgängigen Stück Holz verbunden sind. Zum anderen arbeite ich hier mit Massivholz, und nicht mehr mit Sperrholz wie bei vorherigen Projekten, sodass hier auch keine Holzfasern quer verlaufen, die für deutlich mehr Stabilität sorgen würden.
Aber am Ende dürfte das aber nur halb so schlimm sein, da sie vollständig mit angrenzenden Teilen verleimt werden.
20251027_142435.jpg 20251027_142528.jpg

Der Tray ist recht unspektakulär. Bevor ich die Standoffs einsetze, werde ich wie immer mit einem alten Mainboard testen, ob die Bohrlöcher gut gesetzt sind.
20251027_142609.jpg

Aus den 3 mm dicken Teilen habe ich mehrere Streifen angefertigt, und dessen Enden auf die Hälfte der Dicke ausgefräst. Daraus entstehen zwei gleiche Rahmen, die ich mit Akustikstoff bespannen werde, welche dann die Seitenteile ergeben.
20251027_142026.jpg

Es bleibt noch die Netzteilhalterung. Diese besteht aus Kupferblech. Die vier Ecken werden noch um 90° nach oben gebogen.
20251027_141944.jpg

Auf ein paar Komponenten warte ich noch, darunter einen USB-C-Anschluss, Stromanschluss und die Füße. Sobald diese da sind, kann es an den Zusammenbau gehen.
 
Bin schon auf das Ergebnis gespannt :daumen:
Hast du das Holz bei Balsabaum-Shop bestellt?
Irgendwie zeigt es mir da bei den Vollholz-Brettchen gar keine Produkte an...
 
Zuletzt bearbeitet:
3. Zusammenbau

Eigentlich ist es keine Schwierigkeit die Einzelteile zusammenzusetzen, aber natürlich kommt immer noch was dazwischen, und etwas läuft nicht ganz wie geplant. Aber immer der Reihe nach.
Es ist zwar noch nicht geölt, aber so schaut es nun aus, für sich alleine stehend.
20251111_144322.jpg 20251111_144351.jpg

Im Vergleich zum Vorgänger kann man die Größenverhältnisse erahnen. Von 22 Litern geht es auf 11 Liter. Dass dem so ist, sieht man auch, wenn man das neue auf die Front stellt. Es ist etwa so lang wie das alte hoch ist, so hoch wie das alte breit ist, und halb so breit wie das alte lang ist.
20251111_144040.jpg 20251111_145148.jpg 20251111_145200.jpg

Nicht alles lief reibungslos. Und bei einigen Problemen darf ich mir selbst an die Nase fassen, weil sie sich auf eine unvollständige Planung zurückführen lassen.

Da wäre zum einen der Tray, den ich nochmals um 2 mm in der Breite und 1 mm in der Höhe erweitern musste.
In der Breite deshalb, weil mit beim Test-Fitting mit einem alten Mainboard aufgefallen ist, dass ich das Board niemals vollständig eingesetzt bekomme, wenn die IO-Blende eingebaut ist. Der Tray bzw. die Standoffs müssten einfach etwas mehr Platz zur Rückwand haben, dann würde es passen. Im CAD konnte ich dann auch nachvollziehen, wie es zu diesem Fehler in der Planung kommen konnte: Dies ist mein erstes Projekt, bei dem ich mit einem Riser arbeite, die GPU also nicht fest mit dem Mainboard verbunden ist. Denn wenn sie das ist, beträgt der Abstand zwischen der äußeren Seite von der PCIe-IO-Blende und der Kante vom Mainboard ziemlich genau 2 mm. Das ergibt auch Sinn, schließlich würden die Nasen von den IO-Blenden sonst mit dem Mainboard kollidieren. Deshalb gibt es diesen Versatz, damit sie am Mainboard vorbei ins Gehäuse gleiten. Dieser Referenzpunkt fehlte mir bei der Planung, und ich habe ahnungslos das Mainboard einfach direkt an der Rückwand platziert, sodass mir diese 2 mm nun gefehlt haben.
Die etwas fehlende Höhe lässt sich dagegen auf Fertigungstoleranzen zurückführen. Ich habe es nicht genauer zurückverfolgt, aber beim Aufsetzen des Oberteils hatte der Tray schlicht keinen Kontakt dazu, etwa ein Millimeter fehlte. Ich schätze aber, dass ich die Kante des Trays etwas zu weit abgefräst habe, die Gehrungen an den kurzen Kanten der anderen Gehäuseteile dafür nicht weit genug eingefräst habe, und die Klebestellen ggf. noch etwas Höhe reingemogelt haben.
Die Lösung für mich: Oben und seitlich eine weitere Ausklinkung einfräsen, Verbreiterung einleimen, passgenau absägen und abfräsen. Denn der Tray war an sich qualitativ nach meinen Vorstellungen, auch die Stand-Offs passten relativ zueinander sehr gut. Sie nur minimal zu versetzen wäre nicht so einfach machbar gewesen, und wegwerfen wollte ich das Teil eigentlich auch nicht. Da das Teil nur im Inneren ist, hielt ich es für vertretbar den Tray mit einer Ausklinkung zu retten.
20251111_144658.jpg

Die nächste Baustelle in mehrfacher Hinsicht war das Removable Back. Ich habe hier ehrlicherweise keine der Schrauben vorher im Detail im CAD eingeplant, sondern einmal kurz abgeschätzt und dann die Schrauben entsprechend organisiert.
Für die PCIe-IO-Blenden hatte ich mir M3 oder M4 vorgenommen. Das sollte von der Größe ideal passen. Als ich sie dann in der Hand hatte, kam mir aber die Gewissheit: Wenn ich jetzt versuche da etwas Platz für die entsprechenden Muttern einzufräsen, damit die Schrauben dann auch ein Gewinde zum Greifen haben, fällt mich das spätestens dann auseinander, wenn etwas Last auf die Stelle kommt. Meine Alternative waren daher ein paar M2-Schrauben samt Muttern aus Messing, die ich noch von einem anderen Projekt übrig hatte. Für diese müsste ich weitaus weniger Platz freifräsen. Dafür sind aber die Köpfe der Schrauben recht klein, sodass sie alleine die Blenden nicht wirklich fixieren können. Dafür habe ich deshalb noch eine kleine Kupferplatte angefertigt, die von den Schrauben dann fixiert wird. Das ist beim Einbau zwar nicht mehr so komfortabel, aber am Ende des Tage muss nur ich damit einmal zurechtkommen, und ich werde nicht regelmäßig hier verschiedene Grafikkarten einbauen, als dass mich das wirklich stören würde.
20251111_144824.jpg 20251111_144848.jpg

Auf die Innenseite habe ich Muttern eingeklebt, damit das Removable Back dann auch an Ort und Stelle gehalten wird. Sonderlich große Belastungen erwarte ich hier nicht, also sollte das so schon halten. Einschraubmuttern kämen an dieser Stelle ohnehin nicht in Frage, da die Materialdicke hier nur 2.5 mm beträgt.
20251111_144739.jpg

Einschraubmuttern sind ohnehin ein Thema für sich. Mittlerweile ist meine Hassliebe zu diesen Elementen der Verbindungstechnik eher in Richtung Hass ausgeschlagen. Für die Halterungen vom Netzteil sowie den Seitenteilen und für den unteren Lüfter habe ich mehrere davon verbaut. Aber trotz Vorbohren in einer Nummer größer als das Kernloch und leichten Vorschneidens und verschiedenen Hilfsmitteln habe ich sie nie so gerade eingeschraubt bekommen wie gewünscht. Zumindest für den Lüfter würde ich nächstes Mal wohl wieder auf ein Sandwich aus Schraube - Lüftergitter - Lüfter - Gehäuseboden - Luftfilter - Mutter setzen, statt mich mich Einschraubmuttern abzumühen. Vielleicht probiere ich es nächstes Mal auch mit etwas vergleichbarem zum Einpressen statt Einschrauben.

Zurück zum Thema, natürlich sind auch die Schrauben und Muttern nicht in der Konstruktion vorhanden gewesen. Und ich bin ganz ehrlich, ich hatte schon bei der Planung ein etwas ungutes Gefühl, ob das alles so passt, aber bis zum Ende auch keine bessere Idee gehabt, sodass ich den Status Quo als "Wird schon passen" in die Umsetzung mitgenommen habe. Testweise durfte also meine RX 580 Nitro+ einmal Platz nehmen. Ich hatte etwas Sorge, dass die Muttern der überstehenden Shroud am IO-Ende der Grafikkarte etwas im Weg sein könnten. Das scheint mit dieser Grafikkarte zum Glück nicht der Fall zu sein, und die 9070 XT Pulse sollte da eigentlich auch nicht viel anders sein. Dann ist da auch noch diese Kante an der Rückwand, die etwas zu niedrig für die Breite der Grafikkarte ist. Auch das fällt in die Kategorie "Wird schon passen". Nun, mit dieser Grafikkarte tut es das definitiv.
20251110_215122.jpg

Mittlerweile ist der Riser auch angekommen. Ich habe den Riser testweise mit einer anderen alten Grafikkarte eingebaut. Er passt an der unteren Seite noch gerade so rein. Immerhin, denn sonst hätte ich hier noch nach Alternativen suchen müssen.
20251111_180718.jpg

Jetzt wird noch geölt, und die Hardware ist bereits unterwegs.​
 
4. Einbau

Die Hardware ist da, und das Gehäuse ist geölt. Die Hardware kann also endlich einziehen. Verglichen mit dem ungeölten Zustand ist das Holz nun etwas rötlicher, wirkt etwas wärmer und weniger grau. Genau wie es sein sollte. In einem "auslieferungsfähigem" Zustand, also inklusive Riser, Lüfter, Lüftergitter, Luftfilter und allem anderen, was zum Gehäuse gehört, wiegt es nun 1265 g. Die Hardware ist unverändert die selbe wie im ersten Post. Dort nicht genannt ist allerdings die Intel AX210 sowie der Thermalright AM5 Secure Frame
20251116_105807.jpg 20251116_110132.jpg

Ich baue nicht regelmäßig PCs, weshalb ich zunächst mit einem Testaufbau gestartet habe, bei dem die Hardware noch unverändert wie aus der Verpackung bleibt. Der Kühler, welcher im Übrigen wirklich schwer wirkt, immerhin ist er komplett aus Kupfer, gestaltete sich in der Montage etwas zickig. Eigentlich gibt es eine Backplate, die die vorinstallierte Backplate ersetzen soll. Bei AM5 ist diese jedoch idR. nicht mehr zum Entfernen vorgesehen. Man soll daher wohl auch die längeren beiliegenden Schrauben nehmen können, die für die Intel-Montage gedacht sind, und die Backplate zusätzlich zu der vorinstallierten verbauen.
Im Gegensatz zu Noctua-Kühlern, die ich sonst gerne verwende, wird der Anpressdruck nicht durch das Montagesystem begrenzt, bei dem man die Schrauben einfach bis zum Anschlag festdrehen kann. Stattdessen darf man nach Gefühl ein gutes Maß an Anpressdruck finden. Ich habe den Kühler einige Male neu aufgesetzt, weil das Board Probleme mit dem DRAM hatte, wobei es sich im Nachhinein auch nur um ein recht langes DRAM-Training gehandelt haben könnte, sodass ich den Anpressdruck schlussendlich eher etwas niedriger als zu hoch gewählt habe, und die beiliegende Backplate dann doch erst mal weggelassen hatte. Ggf. werde ich hier später nochmal nachjustieren. Als Wärmeleitpaste habe ich die Noctua NT-H1 verwendet, die ich noch vom NH-U12A übrig hatte.
20251115_085900.jpg

Nachdem im Minimalaufbau, sowie auch mit Riser und Grafikkarte, die Hardware für funktionsfähig befunden wurde, ging es an die Modifikationen. Zunächst der AM5 Secure Frame (habe leider kein Foto davon gemacht, mea culpa!), vielleicht bringt er ja geringfügige Vorteile. Zumindest hat jemand im HWLuxx genau das getestet und auch einen Vergleich mit anderen Low-Profile-Kühlern durchgeführt, unter anderem dem Noctua-L9x65, der für mich eine alternative Wahl gewesen wäre, aber im Test dann doch so signifikant schlechter abgeschnitten hat, dass es für mich der Thermalright geworden ist.
Danach erfolgte noch der Tausch der WiFi-Karte. Schon bei meinem letzten PC hatte ich die verbaute Qualcomm-Karte gegen eine Broadcom ausgetauscht. Die hier verbaute Mediatek wird im Windows-Setup schon mal nicht erkannt, was zumindest etwas umständlich ist. An den paar Euro für eine andere WiFi-Karte soll es also nicht scheitern. Der Umbau ist auch gar nicht so kompliziert:​
  1. Zunächst die drei schwarzen Schrauben an der Oberseite der IO-Abdeckung entfernen (M.2-Kühlplatte muss dazu auch entfernt werden)​
  2. Dann die zwei Schrauben an der Unterseite von der IO-Blende entfernen​
  3. Dann die silberne Schraube und den Standoff entfernen, die das WiFi-Modul fixieren​
  4. Dann lässt sich das Modul samt Halterung einfach aus dem Slot ziehen​
  5. Die Halterung hat eine Schraube, die man lösen muss, dann lässt sie sich öffnen, sowie eine weitere Schraube, die das WiFi-Modul fixiert​
  6. Das Modul lässt sich nun austauschen, das Anbringen der Antennenkabel ist zwar jedes Mal etwas fummelig, klappt aber mit etwas Geduld und probieren, danach lässt sich alles in umgekehrter Reihenfolge wieder zusammensetzen​
20251114_220021.jpg 20251114_215836.jpg 20251114_215654.jpg 20251114_215431.jpg

Dann kann es auch schon mit dem Einbau weitergehen. Ich habe mich dazu entschieden mit dem Mainboard anzufangen, weil dazu der Lüfter ausgebaut werden muss, und das mit eingebautem Netzteil schwieriger ist. Die Netzteilkabel sind soweit bereits alle an der Hardware selbst eingesteckt. Der Key-A-Anschluss vom Typ-C-Anschluss in der Front stellte sich als sehr lose sitzend heraus, funktioniert aber immerhin.
20251115_090714.jpg

Als nächste kommt das Netzteil, welches zunächst an die Halterung geschraubt wird. Kupfer ist deutlich weniger stabil als Stahl, was ich beim letzten Projekt (nicht mein eigener PC) für die Netzteilhalterung verwendet habe, und verbiegt sich daher deutlich schneller. Der Begriff aus der Materialwissenschaft für diese Eigenschaft sollte der "E-Modul" sein. Trotzdem, sobald die Halterung festgeschraubt ist, spielt das eigentlich keine Rolle mehr, und passt dafür farblich sehr gut zum Holz.
Das Netzteil selbst ist semi-passiv, und schaltet seinen Lüfter nur bei Bedarf ein.
An dieser Stelle hat mir eine kleine unplanmäßige Änderung am Gehäuse auch etwas Glück gebracht. Die vier Verschraubungspunkte für die Netzteilhalterung haben etwas mehr Abstand zum Oberteil als ursprünglich geplant. Grund sind die Einschraubmuttern, dessen Tendenz, das Holz reißen zu lassen, steigt, je näher das Bohrloch am Rand des Werkstücks ist. Deshalb hatte ich etwas mehr Material gelassen, denn eigentlich sollte die Halterung selbst quasi bis zur Gehäuseoberseite reichen. Hätte ich das aber so getan, hätte das intern verlegte Stromkabel gar nicht mehr ins Netzteil gepasst, denn vielleicht kann man es erkennen, der C14-Stecker hat in diesem Zustand bereits quasi selbst Kontakt zur Oberseite. Weniger Platz hätte es also nicht geben dürfen.
Auf der Rückseite vom Tray lässt sich nun außerdem auch gut erkennen, dass der Cutout sehr gut abgeschätzt ist, und der rückseitige M.2-Slot sehr gut erreichbar ist, genau wie die Rückseite des Sockels, falls ich etwas an der Kühlerhalterung machen muss.
20251115_085347.jpg 20251115_091546.jpg 20251115_091743.jpg

Zuletzt wird die Grafikkarte eingebaut. Sie passt perfekt in das Removable Back, ans andere Ende kommt eine kleine Halterung, die ich zurechtgeschnitten und -gebogen habe, denn die Backplate der Grafikkarte hat am Ende drei Verschraubungspunkte. Ich habe im Vorfeld keine weiteren Informationen zu diesen Verschraubungspunkten gefunden, daher teile ich die Informationen einfach auch hier, falls jemand auf der Suche danach ist. Es handelt sich um drei M3-Gewinde, die jeweils 25 mm Abstand zueinander, und zum Rand jeweils 35 mm Abstand, und zur Rückseite der Backplate etwa 6 mm Abstand haben (For the English readers if you happen the find this and you are searching this information: Those are three M3 threads, with 25 mm distance between each other, 35 mm distance to the edges on both sides, and around 6 mm distance to the back side of the backplate. You're welcome :D).
Sie hat nicht auf Anhieb reingepasst. Durch die Schrauben an der Halterung ist sie nun minimal länger, und der USB-C-Anschluss an der Front ist ebenfalls etwas im Weg gewesen, weshalb es nun etwas abgeknickt ist. Letzten Endes scheiterte es dann an dem kleinen Stück, in das die Nasen von der PCIe-Blende der Grafikkarte greifen sollen. Im vorherigen Post ist ein Foto, wo man das Stück besser sieht. Die einfache Lösung: Die Ecke etwas kürzen, an der das Seitenpanel später festgeschraubt wird. Dadurch lässt sich die Grafikkarte nun vollständig von der Seite in das Gehäuse einsetzen. Zum Schluss kann noch die Grafikkartenhalterung mit einem der vorbereiteten Verschraubungspunkte des Gehäuses verschraubt werden. Das sollte beim Transport die Belastung vom Back Removable reduzieren.​
20251115_092703.jpg 20251115_092804.jpg 20251115_092843.jpg 20251115_094315.jpg 20251115_094325.jpg 20251115_094403.jpg

Seitenpanels drauf, und dann ist es auch schon fertig. Ein weiteres Bild brauchen wir hier nicht, egal ob leer oder mit Hardware, das Gehäuse sieht in beiden Fällen gleich aus. Ehrlicherweise ist die Hardware im ersten Bild dieses Posts bereits eingebaut, und die Verpackungen daneben sind bereits leer, also verweise ich einfach darauf.

Insgesamt wiegt es nun 5,1 kg. Im Betrieb wird der hintere Teil des Gehäuses an der Oberseite merkbar wärmer, weil der CPU-Kühler hier seine Arbeit verrichtet. Aber auch im vorderen Bereich nimmt man an der Unterseite einen warmen Luftstrom wahr, der verbaute Lüfter tut also einen guten Job dort.
Ein wenig Tuning wird vermutlich noch folgen. Unter hoher CPU-Last nimmt man den CPU-Lüfter deutlich wahr, immerhin ist der Kühler relativ klein, und die Leistungsaufnahme in etwa vergleichbar mit meinem übertakteten 6700K, welcher den großen NH U12-A auf seinem Deckel sitzen hat, und durch die 14nm-Fertigung sicher auch etwas einfacher zu kühlen ist. Auch im DRAM steckt sicher noch etwas Potential, und die Grafikkarte muss für meine Bedürfnisse sicher auch nicht ihre vollen 304 Watt ausschöpfen, womit zumindest aber der Kühler der Pulse kein Problem hat.

Günstig war das Projekt natürlich nicht, aber das ist auch nie das Ziel gewesen. Insgesamt kommt das Gehäuse auf rund 300€, wovon ein signifikanter Teil auf das Holz entfällt, gefolgt von dem PCIe-Riser, der im Übrigen auch anstandslos mit PCIe 5.0 läuft.
Insgesamt bin ich trotz einzelner Probleme ziemlich zufrieden mit meinem Projekt. In acht Jahren oder so sehen wir uns dann hier wieder zum nächsten Projekt :D.​
 
Zuletzt bearbeitet:
Sauber !

Richtig gut geworden. Selbstgebautes ITX-Holzgehäuse ganz nach meinem Geschmack.
Die Idee die Halterungen aus Kupferblech zu machen muss ich mir merken, passt super zum Holz.

Den Thermalright Lüfter hätte ich der Farbe wegen noch durch einen Noctua ersetzt. Man sieht ihn bei geschlossenen Seitenteilen zwar nicht, aber der innere Seelenfrieden....

Danke für den Buildlog und ich mach mir schon mal einen Merker in 8 Jahren
 
Richtig gut geworden. Selbstgebautes ITX-Holzgehäuse ganz nach meinem Geschmack.
Die Idee die Halterungen aus Kupferblech zu machen muss ich mir merken, passt super zum Holz.
Vielen Dank. Wenn du etwas ähnliches vorhast, und es nicht unbedingt auf Kupfer als Farbe ankommt, würde ich aber eher Stahl empfehlen. Beim letzten Projekt mit 12 Litern hatte ich auch eine Netzteilhalterung, selbe Materialdicke, aber eben aus Stahl. Das war bedeutend stabiler, das Kupfer verbiegt sich leider doch recht schnell. In der Materialwissenschaft müsste das der E-Modul sein, da schneidet Stahl deutlich besser ab. Messing wäre meine Alternative gewesen, soll aber wohl auch nicht besser abschneiden als Kupfer, immerhin ist Messing ja auch eine Kupfer-Legierung.

Den Thermalright Lüfter hätte ich der Farbe wegen noch durch einen Noctua ersetzt. Man sieht ihn bei geschlossenen Seitenteilen zwar nicht, aber der innere Seelenfrieden....
Kann ich voll nachvollziehen, irgendwann kommt der Noctua sicher noch dazu, aber das hat keine Eile.
 
Zurück