Da muss ich redaktionell ganz ehrlich sagen: Wer nach Budget-Platinen fragt, fragt selten nach ausführlichen Vergleichstests und umgekehrt. Wir haben, trotz gestiegener Preise, eine anhaltende Begeisterung für High-End-Platinen in Community und Leserschaft. Ich versuche, die kleinen trotzdem mit abzudecken. Aber aufgrund der bereits beschriebenen Probleme ist das schwierig. Als ich vor zwei Jahren A620 getestet habe, hatte ich schlichtweg den wortwörtlich mehr als doppelten Aufwand (again: Für einen Artikel, den weniger Leute lesen wollten), weil ich alles zweimal testen musste – Durchläufe im regulären Testparcours, der auch die Stärken von High-End-Platinen abdecken kann, waren schlicht unmöglich. Ich musste eine getrennte Budget-Testumgebung mit Belastungen kreieren, denen die Billig-Platinen auch alle gewachsen waren und dann musste ich zusätzlich noch Vergleichsmessungen machen, um einen Bezug zu den Bestandsdaten aus der Mittelklasse herzustellen.
Diesmal stelle ich den Herstellern vor Sampling die Bedingung, dass sie entweder dem "9950X"-Versprechen in der Kompatibilitätsliste gerecht werden, oder zu Hause bleiben können.
Ich habe letzte Woche ein ASUS TUF Gaming B850M-Plus WIFI für 200€ gekauft und verbaut. Die Temps sind hier wirklich i.o.
Der B650-Vorgänger (in der ATX-Version) ist nicht umsonst anhaltend unser Budget-Tipp.
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Aber ohne letzte-Generation-Rabatt steht da halt schon wieder ein 2 vorne. Für weniger kriegst du Asus-800er derzeit nur mit B840 – und der ist wortwörtlich AM4-Technik (B550 Rebrand. Und der B550 war seinerseits ein fehlerbereinigtes Zwischending zwischen B350 und X370). Betrachtet man nur, was diese Platinen absolut leisten, ist das natürlich dennoch ein (kleiner) Fortschritt gegenüber älteren 150-bis-200-Euro-Platinen. Betrachtet man dagegen den Abstand zu eigentlich beworbenen Plattform-Features, so wird dieser immer größer. Relativ zu den AM5-Flaggschiffen (und deren Ausstattung liegt schon hinter 1851-Niveau) stehen besagte B840er nicht besser da, als es 10 Jahre alte Einsteiger-Platinen relativ zu HEDT-Angeboten für den nächst größeren Sockel taten. Nur das die Preise für die Billig-Varianten von 75 Euro auf 150 Euro und die für Enthusiast-Lösungen von 400 Euro auf 800 Euro gestiegen sind.
Ich weiß nicht, ob es anderen besser geht, aber mein Gehalt hat diese Inflationsentwicklung nicht mitgemacht?
Naja, das ist aber auch wirklich schon eine Weile her. Mein letztes Board war aus der gleichen Serie wie mein jetziges und hat Ende 2018 145€ statt jetzt 210€ gekostet. Aber gut, mal schauen, wie sich das jetzt entwickelt.
Jetzt wo die CPU-Leistungsaufnahmen so hoch sind, dass nicht jedes Board die voll unterstützt, ist halt die Frage, ob man das nicht einfließen lässt. Korrekt ausgewiesen sollte es aber natürlich trotzdem sein.
Naja, die kosten heute halt 80€. Ich denke aber eigentlich schon, dass diese Boards in den meisten Lebenslagen eine brauchbare Figur machen. Wenn da kein 16-Kerner draufsoll, wenn überhaupt nur jeweils eine NVMe-SSD und eine dedizierte Grafikkarte, man nicht etlichen Kram extern anschließen will oder großartig tunen will, sehe ich da kaum Einschränkungen. Natürlich kann man mehr wollen, aber ist es wirklich so, dass man sich mit diesen Boards furchtbar einschränken muss?
Siehe oben: Das hängt vom angelegten Maßstab ab. Relativ zu dem, was einem ein neuer Sockel verspricht, muss man sich massiv einschränken. Halb so viele Kerne, halb so schnelles PCI-E, ein Viertel so schnelles USB und weniger als die Hälfte an Anschlüssen, Erweiterungen, M.2. Kein Tuning, keine Hilfsmittel bei Diagnose, keine Audio-Qualität. Natürlich gibt es, trotz anhaltender Bemühungen der Software-Hersteller, immer mehr Hardware für tendenziell weniger Funktionalität zu verlangen, auch Leute, die einfach gar keinen Fortschritt brauchen und 25 Prozent des heute Möglichen sind immer noch etwas mehr als 80 Prozent des vor 10 Jahre Möglichen in der gleichen Preisklasse. Nicht umsonst gibt es einen immer größeren Markt für Mini-PCs mit auf N150-Basis & Co, welche noch unter den angesprochenen Einsteiger-Platinen rangieren. Aber ist diese 0-Fortschritts-Grundlage angemessen? Würde man es akzeptieren, wenn AMD zum Beispiel den Preis des 7500F auf 1.000 Euro setzt und alle anderen AM5ler darüber einreiht mit der Begründung "ist doch schneller als ein Threadripper 1000"? Was würde man zu 450 Euro für eine Geforce sagen, die schneller als eine 450-Euro-Grafikkarte aus den späten 10ern ist und genauso viel Speicher mitbringt?
Mainboards haben hier ein ganz klares Problem: Ihre Preise waren nie mehrheitlich durch Entwicklungskosten bestimmt (die irgendwann refinanziert wären) und der Aufwand pro Stück wird nicht billiger. Die Chip-Hersteller verlangen, im Gegenteil, immer höhere Qualitäten und immer höhere Leistungsfähigkeit, was nur durch noch mehr Aufwand erreichbar ist.